GoalGuard.de

Alexander Schwolow

Alexander Schwolow: Torwart mit Perspektive

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Seit kurzer Zeit ist es offiziell: Alexander Schwolow wird auch in der kommenden Saison das Tor des SC Freiburg hüten. Er verlängerte seinen Vertrag vorzeitig, obwohl sein aktuelles Arbeitspapier noch bis 2018 gültig gewesen wäre. Die Breisgauer wollten mit dem 24-jährigen Stammtorhüter bereits seit längerer Zeit verlängern. Doch monatelang hielt sich der Keeper bedeckt, wie seine Zukunft aussehen könnte. Möglicherweise waren Angebote anderer Vereine der Grund dafür, dass Schwolow geduldig den Wunsch des Vereins auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung ignorierte. Mit großartigen Leistungen in der zu Ende gehenden Saison hatte er sich zu einem begehrten Torhüter in der Bundesliga entwickelt. Von verschiedenen Medien war kolportiert worden, dass der Keeper besonders ins Visier des Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen gerückt wäre, falls deren Nummer eins Bernd Leno den Werksklub im Sommer verlassen sollte.

Ein Kind der Freiburger Fußballschule

Schwolow hat eine lange Vergangenheit in Freiburg. Er war gerade erst 16 Jahre alt geworden, als er von seiner Heimatstadt Wiesbaden ins renommierte Internat des SC Freiburg wechselte, deren Leiter zu der Zeit Christian Streich, der heutige Cheftrainer des Sportclubs, war. Schwolow erinnert sich noch dankbar an die Zeit mit Streich: „Er war in der Fußballschule der prägende Charakter, dem ich auch bei meiner Persönlichkeitsentwicklung viel zu verdanken habe." Er selbst entwickelte sich prächtig. Neben dem Abschluss des Abiturs durfte er sich von der U18 bis zur U20 insgesamt 12-mal auch das Nationaltrikot in diversen Jugend-Nationalmannschaften überstreifen, obwohl seine Mitkonkurrenten Marc-Andre ter Stegen oder Bernd Leno hießen.

Ausleihgeschäft mit Arminia Bielefeld

Alexander Schwolow im Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim am 11.03.2017Eine große Enttäuschung erlebte Schwolow, als er, der eigentliche Kronprinz, nicht an Oliver Baumanns Stelle aufrückte, als dieser den SC in Richtung Hoffenheim verließ. Stattdessen verpflichteten die Freiburger den Schweizer Nationaltorhüter Roman Bürki, heute Stammtorhüter bei Borussia Dortmund. Um das Talent nicht weiter auf der Bank schmoren zu lassen, bahnten die Breisgauer ein Ausleihgeschäft mit Zweitliga-Absteiger Arminia Bielefeld für den inzwischen 22-jährigen Keeper an. Sportvorstand Jochen Saier erinnert sich noch an Schwolows Reaktion: „Da hat er sich verstoßen gefühlt, mangelndes Vertrauen angeprangert.“ Im Nachhinein war es aber eine absolut richtige Entscheidung. Als Nummer eins bei den Arminen wurde er zum großen Rückhalt und Garanten des Wiederaufstiegs der Bielefelder. Im DFB-Pokal konnte er sein großartiges Können mehrmals einem breiten Publikum präsentieren. Er hatte sich hervorragend in Bielefeld eingelebt und erfuhr die Anerkennung und das Vertrauen, das er so schmerzlich in Freiburg vermisst hatte. Gerne wäre er nach dem Zweitliga-Aufstieg bei den Ostwestfalen geblieben, zumal die Freiburger gleichzeitig aus der Bundesliga abstiegen. Aber die Freiburger zogen ein Jahr vor Ablauf der Ausleihfrist die Rückkaufoption und holten ihr Torwart-Talent nach Freiburg zurück. Schwolow selbst äußerte sich zum damaligen Situation so: „Es ist kein Geheimnis, dass ich mich in Bielefeld sehr wohl gefühlt habe. Aber als nach ein paar Wochen die Emotionen weg waren, habe ich erkannt, dass es sportlich der nächste Schritt ist zurückzukehren.“

Talent setzt sich durch

Da Roman Bürki nach dem Bundesliga-Abstieg des Sportclubs zum BVB gewechselt war, war dieses Mal der Weg frei für Alexander Schwolow. In der folgenden Saison 2015/16 gelang ihm mit dem Sportclub die erneute Rückkehr in Deutschlands Eliteklasse, unter anderem auch durch die hervorragenden Leistungen des gebürtigen Wiesbadeners. Seither hat er sich auch in der Bundesliga zu einem absoluten Leistungsträger bei den Badenern entwickelt. Deshalb war die vorzeitige Vertragsverlängerung ein deutliches Zeichen des Vereins, wie sehr Schwolows Leistungen in Freiburg anerkannt und geschätzt werden. Es bleibt offen, wohin der Weg des talentierten Schlussmanns zukünftig noch führen wird. Sollte er auch in der kommenden Saison die starken Leistungen vor allem in der Rückrunde wiederholen können, ist ein weiterer Verbleib des Stammtorhüters bei den Südbadenern trotz Vertragsverlängerung ungewiss. Der Fall Schwolow zeigt aber wieder einmal, dass manchmal der Weg über die zweite oder dritte Liga für einen jungen Torhüter richtiger sein kann als auf der Bank eines Bundesligisten zu schoren, denn Talent setzt sich mittelfristig auch über Umwege durch.