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Bernd Leno

Bernd Leno: Die Risiken des Torhüters

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Es ist die 21. Minute im Spiel am vergangenen Samstag zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen. Der Gladbacher Oscar Wendt trifft den Ball aus kurzer Distanz Vollspann. Bayer 04-Keeper Bernd Leno breitet zur Abwehr Arme und Beine aus, um die Torfläche zu verringern, und wirft sich dem Schuss entgegen. Von der vollen Wucht des Schusses am Kopf getroffen, bleibt Leno benommen am Boden liegen. Nach kurzer Behandlungspause spielt er weiter und wehrt acht Minuten später glänzend einen Schuss von Andre Hahn ab. Das Kuriose daran: Er hat keine Erinnerungen mehr daran, ihm fehlen 14 Minuten in seinem Erinnerungsvermögen. Seine Beschwerden deuten auf ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma hin, besser bekannt als Gehirnerschütterung.

Es ist nicht das erste Mal, dass Leno dieses Schicksal widerfährt. Der 24-jährige Nationaltorhüter war in seiner Karriere bereits schon zweimal zu Boden gegangen, vor fünf Jahren schon einmal in Gladbach und in der vergangenen Saison im Pokalspiel in Lotte. Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, dass das Torwartspiel nicht ohne Risiken ist. Oft wird das Berufsrisiko des Torhüters im modernen Tempofußball aber unterschätzt. Sie schmeißen sich in Flanken und stürzen sich Stürmern entgegen. Während Feldspieler meist die untere Körperhälfte im Zweikampf einsetzen, in der sich keine lebenswichtigen Organe befinden, ist der gesamte Körper des Torhüters gefährdet. Immer wieder ist dabei vor allem - wie im Beispiel Bernd Leno - der Kopf des Torhüters besonderen Gefahren ausgesetzt. Aus nächster Nähe kann er von Bällen mit einer Geschwindigkeit von über 100 km/h getroffen werden. Besonders gefährdet ist der Kopf auch, wenn der Torhüter einen Ball mit Armen und Kopf voran am Boden abwehrt.

In besonderer Erinnerung ist noch das Beispiel Petr Cechs. Der tschechische Nationaltorwart (damals FC Chelsea, heute Arsenal London) wurde 2006 im Premier-League-Spiels beim FC Reading vom Knie des Gegenspielers Stephen Hunt so schwer am Kopf getroffen, dass er eine sogenannte Schädelimpressionsfraktur erlitt. Von lebensgefährlichen Verletzungen war die Rede. Drei Monate war er außer Gefecht gesetzt. Seit diesem Schädelbruch trägt der Welttorhüter des Jahres sowohl im Spiel als auch im Training einen Kopfschutz. Wie auch in anderen Lebensbereichen werden Gefahren oft bagatellisiert oder verdrängt. Das ist im Torwartbereich nicht anders. Ob ein Helm allerdings zum Schutz des Leverkusener beigetragen hätte, bleibt offen. Wohl eher nicht, weil auch ein Helm die Wucht des Schusses kaum abgebremst hätte. Deshalb denken wohl die meisten Torhüter wie Bernd Leno, der die grundsätzliche Situation von Torhütern so auf den Punkt bringt: „Als Torwart musst du ein bisschen bekloppt und bereit sein, den Ball in die Fresse zu kriegen.“