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Bundesliga

Bundesliga: Wer wird die Nummer eins?

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Es ist noch nicht allzu lange her, als die Hierarchie auf der Torhüterposition in der Bundesliga klar verteilt war. Es gab einen Stammtorhüter, der in der Regel alle 34 Spiele absolvierte, und einen Ersatztorhüter, für den man nicht so viel Geld ausgab und dessen Rolle als Nummer zwei fest zementiert war.

Doch seit vielen Jahren setzt sich die Erkenntnis durch, dass Erfolge langfristig nur machbar sind, wenn, wie auf den Feldspielerpositionen von zwei bis elf, auch der Posten im Tor möglichst gleichwertig besetzt wird. Diese veränderte Denkweise führt dazu, dass der Kampf um den Job als Nummer eins in der Bundesliga wohl noch nie so offen war wie vor dem Start in die kommende Saison 2017/18. Denn bei fast der Hälfte aller Erstligaklubs ist noch unklar, wer am ersten Spieltag den Platz zwischen den Pfosten einnehmen wird.

Am unübersichtlichsten ist die Lage derzeit beim FC Augsburg. Weil dem bisherigen  Stammtorwart Marwin Hitz Wechselabsichten nachgesagt wurden, verpflichtete der Klub Fabian Giefer, der im Januar von seinem bisherigen Arbeitgeber Schalke 04 an den englischen Zweitligisten Bristol City ausgeliehen worden war.Geklärt ist die Torwartfrage zweifelsfrei bei Bayern München, wo Welt- und Nationaltorhüter Manuel Neuer absolut unumstritten ist. Auch bei Schalke 04 (Ralf Fährmann), der TSG Hoffenheim (Oliver Baumann), beim VfL Wolfsburg (Koen Casteels), beim 1. FC Köln (Timo Horn), bei Borussia Mönchengladbach (Yann Sommer), Bayer Leverkusen (Bernd Leno), Borussia Dortmund (Roman Bürki), Hertha BSC (Rune Jarstein) und Mainz 05 (Rene Adler) dürfte die Position zwischen den Pfosten vergeben sein. Bei allen anderen Vereinen ist das Rennen mehr oder weniger offen. Denn in mindestens sieben Erstligafällen ist die Torhüterfrage noch ungeklärt. Einer dieser Vereine ist der Aufsteiger VfB Stuttgart, wo der bisherige Stammtorhüter Mitch Langerak seinen Platz gegen Neuzugang und Weltmeister Ron-Robert Zieler verteidigen muss. Der australische Nationaltorwart konnte besonders in der Rückrunde der vergangenen Saison überzeugen und trug mit seinen Leistungen maßgeblich zum Aufstieg der Schwaben bei. Trotzdem scheint das Vertrauen in die Qualitäten des 25-jährigen Keepers nicht groß genug zu sein. Jedenfalls ergriffen die Verantwortlichen beim VfB die Chance, die Künste von Ex-Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler zu sichern, als dieser den englischen Premier League Klub Leicester City nach nur einem Jahr wieder verlassen wollte und deshalb für rund 4 Millionen Euro auf dem Torhütermarkt zu haben war.

Beim Aufsteiger Hannover 96 kommt es zwischen dem von Darmstadt 98 gekommenen Neuzugang Michael Esser und der bisherigen Stammkraft Philipp Tschauner zu einem intensiven Zweikampf.Auch beim zweiten Aufsteiger Hannover 96 kommt es zwischen dem von Darmstadt 98 gekommenen Neuzugang Michael Esser und der bisherigen Stammkraft Philipp Tschauner zu einem intensiven Zweikampf. Obwohl Esser den Bundesliga-Abstieg mit Darmstadt 98 nicht verhindern konnte, wirkte er mit seiner Ruhe oft wie ein Fels in der Brandung und konnte mit guten Leistungen zumindest seinen persönlichen Verbleib in der Bundesliga sichern. Mit Philipp Tschauner muss er sich aber mit einem erfahrenen Torhüter messen, der seit Jahren seine Klasse nachgewiesen hat und über ein großes Standing bei den Fans verfügt. Neu entbrannt ist der Kampf um die Nummer eins auch beim Hamburger SV, nachdem Rene Adler den Verein in Richtung Mainz verlassen hatte. Mit dem U21-Europameister Julian Pollersbeck nahmen die Hanseaten einen jungen, talentierten Torhüter unter Vertrag, der mit dem Rückenwind des EM-Erfolges gegen Christian Mathenia antritt. Trotz Pollersbecks guter Leistungen bei der EM dürfte Mathenia in diesem Zweikampf aber leichte Vorteile haben, weil er sich viele Lorbeeren im Abstiegskampf des HSV erworben hat, als er mit seinen Leistungen entscheidend zum Nichtabstieg des HSV beitrug.

Ähnliche Verhältnisse herrschen auch bei RB Leipzig, wo es der bisher gesetzte Péter Gulácsi jetzt mit dem aus Bern geholten Herausforderer Yvon Mvogo zu tun hat. Der 21-jährige Neuzugang von den Young Boys Bern gilt als Torwart-Juwel und will Péter Gulácsi die Nummer 1 streitig machenÄhnliche Verhältnisse herrschen auch bei RB Leipzig, wo es der bisher gesetzte Péter Gulácsi jetzt mit dem aus Bern geholten Herausforderer Yvon Mvogo zu tun hat. Der 21-jährige Neuzugang von den Young Boys Bern gilt als Torwart-Juwel und will Péter Gulácsi die Nummer 1 streitig machen. Zwar räumt Trainer Ralph Hasenhüttl Gulacsi aufgrund der letzten Saison einen leichten Bonus ein. Aber Konkurrent Mvogo wird sich nur ungern mit der Bank zufrieden geben. Der Schweizer Ersatz-Nationaltorhüter ist vor der WM 2018 auf Spielpraxis angewiesen. Außerdem verpflichteten die Bullen mit dem 19-jährigen Schweizer Philipp Köhn einen weiteren Konkurrenten, der als große Zukunftshoffnung gilt und langfristig die Qualität zur Nummer eins mitbringt. Am unübersichtlichsten ist die Lage derzeit beim FC Augsburg. Weil dem bisherigen Stammtorwart Marwin Hitz Wechselabsichten nachgesagt wurden, verpflichtete der Klub Fabian Giefer, der im Januar von seinem bisherigen Arbeitgeber Schalke 04 an den englischen Zweitligisten Bristol City ausgeliehen worden war. Weil ein Wechsel von Marwin Hitz zu einem anderen Verein bisher aber noch nicht erfolgte, steht dem FC Augsburg mit Andreas Luthe ein weiterer Torhüter zur Verfügung, der schon seine Erstligatauglichkeit nachgewiesen hat. Somit kann Trainer Manuel Baum seine Wahl aus drei Torhütern mit Stammplatzpotenzial treffen.

Bei Werder Bremen muss Neueinkauf Jiri Pavlenka von Slavia Prag nach dem Abgang von Stammtorwart Felix Wiedwald zu Leeds United erst noch nachweisen, dass er die Klasse für eine unangefochtene Nummer eins hat. Unklar ist außerdem noch die Situation bei Eintracht Frankfurt. Immer wieder der bisherige Eintracht-Stammtorwart Lukas Hradecky mit dem portugiesischen Spitzenklub Benfica Lissabon in Verbindung gebracht. So könnte in Frankfurt noch kurzfristig ein Stammplatz frei werden. Der Vorteil ist offensichtlich, wenn ein Klub zwei gleich starke Torhüter in seinen Reihen hat. Schwächelt einer der Keeper, steht gleichwertiger Ersatz bereit. Nicht unterschätzt werden darf aber die Brisanz, die ein solch enges Torwartduell innerhalb einer Mannschaft mit sich bringt. Denn bei ähnlichem Leistungsvermögen fällt es dem Torhüter, der auf der Ersatzbank Platz nehmen muss, oft schwer, die Entscheidung des Trainers zu akzeptieren. Sehen dies einige Mitspieler ähnlich, können leicht Gruppenbildungen innerhalb der Mannschaft die Folge sein.