GoalGuard.de

Diego Benaglio

Diego Benaglio: Der nicht spielende Spielführer

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Etwas überraschend kam der Wechsel im Tor der Wolfsburger schon. Achteinhalb Jahre lang war Diego Benaglio die unumstrittene Nummer eins bei den Wölfen. In dieser Zeit verdiente er sich durch hervorragende Leistungen große Anerkennung im Verein und hatte am Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2009 und des DFB-Pokals im vergangenen Jahr großen Anteil. Über 300 Spiele absolvierte er für den VfL Wolfsburg und trug seit 2012 die Binde des Spielführers.

Nun aber scheint sich die Karriere des inzwischen 32-Jährigen langsam zu Ende zu neigen, denn seit dieser Spielzeit hat Trainer Dieter Hecking einen Wechsel auf der Torwartposition vorgenommen und dem 24-jährigen Belgier Koen Casteels den Vorzug gegeben. Doch während in der Vergangenheit viele andere langjährige Stammtorhüter in ähnlicher Situation Abwanderungsgedanken äußerten, verlängerte Benaglio seinen Vertrag vorzeitig um weitere zwei Jahre bis 2019, trotz konkreter Angebote einiger interessanter Vereine wie z.B. dem AS Monaco. „Ich freue mich darauf, meinen Weg beim VfL Wolfsburg fortzusetzen. Der Verein, die Fans und die Mitarbeiter sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam noch viel erreichen können. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen“, äußerte sich der 61-malige Nationalspieler auf der Vereinshomepage der Wölfe zu seiner Vertragsverlängerung. Was bei manchen anderen Spielern wie eine Plattitüde klingen würde, nimmt man Diego Benaglio ab. Über viele Jahre war er die Galionsfigur der Wolfsburger. Selbst in seinen besten Zeiten kokettierte er nie mit Angeboten anderen Vereinen. Ob bei Benaglios Vertragsverlängerung neben seiner sicherlich großen Verbundenheit mit dem Verein und der Region noch andere Gründe wie ein gutes finanzielles Angebot oder eine Anschlussaufgabe im Verein nach seiner sportlichen Karriere eine Rolle gespielt hatten, bleibt offen. Seine enge Verbundenheit mit dem Verein nimmt man ihm jedenfalls im Gegensatz zu manch anderen Berufskollegen ab.

Seine außergewöhnliche Rolle im Verein und beim Team machten die Verantwortlichen der Niedersachsen noch einmal deutlich, indem sie Benaglio auch für die kommende Spielzeit zum Mannschaftkapitän bestimmten, obwohl sein Platz in absehbarer Zukunft wohl überwiegend auf der Ersatzbank sein wird. „Diego Benaglio ist eine absolute Führungspersönlichkeit und eine Identifikationsfigur, die in den vergangenen Jahren alles für den VfL Wolfsburg gegeben und Großes geleistet hat“, ließ Geschäftsführer Klaus Allofs verlauten. Deutlicher kann man seine Bedeutung für die Niedersachsen nicht zum Ausdruck bringen.

Als Koen Casteels Anfang 2015 von den Wolfsburgern verpflichtet wurde, war wohl auch für Benaglio noch nicht abzusehen, dass der Belgier ihn eineinhalb Jahre später als Stammtorwart ablösen würde. Schließlich hatte der 24-jährige Keeper in seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim sowie Werder Bremen keine großen Bäume ausgerissen. Aber Casteels nutzte die Zeit, als Benaglio zu Beginn der neuen Saison verletzungsbedingt ausfiel, und überzeugte mit guten Leistungen .Mit ihm erreichten die Wolfsburger in der vergangenen Saison in drei Spielen sieben Punkte, er selbst musste nur zwei Gegentore hinnehmen. Auch viele andere statistische Werte sprechen für Casteels, und Zahlen lügen bekanntlich nicht.

Trotzdem bleibt der Kampf um den Platz im Tor der Wolfsburger eng, denn mit 32 Jahren befindet sich Benaglio sicherlich noch nicht auf dem Abstellgleis. Trotz seiner augenblicklichen Gelassenheit wird er die Hoffnung auf eine Rückkehr ins VfL-Tor noch nicht aufgegeben haben. Ob er das schaffen wird, wird die Zukunft zeigen. Vielleicht wird aus dem „non playing Captain“ noch einmal ein echter Spielführer. Zu gönnen wäre es dem großartigen Torhüter und Menschen allemal.