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Diego Benaglio

Diego Benaglio: Initiator der Wende?

Von Artur Stopper in Blickpunkte

In den meisten Fällen führt eine Verletzung oder eine Formschwäche dazu, dass eine Veränderung auf der Torwartposition vorgenommen wird. In Fall von Diego Benaglio hat ein Trainerwechsel den Positionswechsel bewirkt und dem 33-jährigen Schweizer eine neue Chance eröffnet. Denn Wolfsburgs neuer Cheftrainer Valerien Ismael (41) hat sich in der Torwart-Frage für Diego Benaglio und gegen den von Ex-Trainer Dieter Hecking zu Beginn der Saison bevorzugten 24-jährigen Belgier Koen Casteels entschieden. „Es ist meine Verantwortung als Trainer, Entscheidungen zu treffen, um aus einer schwierigen Lage herauszukommen. Es kommt dann darauf an, alle Möglichkeiten auszuschöpfen", kommentierte der Franzose seine Entscheidung. Und die sportliche Situation des VfL Wolfsburg ist im Moment alles andere als rosig. Wollte man vor der Saison noch im Kreis der Großen mitspielen, sieht sich der Verein aktuell in einer vollkommen anderen Lage. Hätten die Norddeutschen am vergangenen Spieltag nicht einen Sieg gegen den SC Freiburg (0:3) eingefahren, würde sich der Klub auf dem Relegationsplatz befinden, zwischen Darmstadt und Ingolstadt. Mit dem Sieg konnten sich die Wolfsburger zumindest auf Platz 14 retten.

Die Entlassung des langjährigen Trainers Dieter Hecking war die erste Reaktion auf die unbefriedigende sportliche Situation der Werkself. Mit dem Torwartwechsel folgte eine weitere Reaktion. Dass der belgische Schlussmann über diese Entscheidung verständlicherweise wenig erfreut war, brachte er gegenüber der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung zum Ausdruck: „Ich denke, ich war ein konstanter Spieler, das Problem stand nicht im Tor.“ Mit dieser Aussage wird er sicherlich die Zustimmung aller Experten finden. Rein sportliche Gründe können also nicht der Auslöser für Ismaels Entscheidung, den 24-jährigen Belgier wieder zurück auf die Bank zu beordern, gewesen sein. Denn Casteels rechtfertigt seit Wochen mit guten Leistungen, warum Hecking in der laufenden Saison auf ihn statt auf den erfahrenen Schweizer gesetzt hat.

An der Qualität des Spielermaterials kann es ebenfalls nicht liegen, dass die Saison so schwierig verläuft. Mehrere aktuelle Nationalspieler befinden sich in den Reihen der Wolfsburger. Möglicherweise sind die Ursachen der sportlichen Talfahrt in der Mentalität der Spieler begründet. Abwanderungsgedanken verschiedener Spieler vor der Saison waren Signale, dass es bei der Zusammensetzung des Kaders nicht zum Besten steht. An diesem Hebel setzt Ismael an. In dieser Situation sind Spieler gefragt, die den VfL leben und frei vom Verdacht einer Söldner-Mentalität sind. Diese Eigenschaften präsentiert kein Spieler des Vereins mehr als Diego Benaglio. Seit 2008 steht er beim VfL Wolfsburg unter Vertrag und hat 245 Bundesligaspiele für den VfL absolviert. Seit 2012 ist er außerdem ununterbrochen Kapitän dieser Mannschaft. Trotz verschiedener Abwerbungsversuche ist Benaglio immer ein Wolfsburger geblieben. Er verkörpert somit wie kein zweiter im Team das Gesicht des Vereins und ist dessen Aushängeschild.

Deshalb ist es mehr als verständlich, dass Ismael in dieser schwierigen Phase auf die besonderen Fähigkeiten des Schweizers als Leader setzt: „In solchen Situationen gehört der Kapitän auf den Platz. Wir brauchen Spieler, die vorneweg marschieren und in der Lage sind, auch auf andere aufzupassen.“ Und in Richtung Casteels fuhr er fort: „Es war keine Entscheidung gegen Koen, sondern eine für die Mannschaft. Es gilt, auch das zu entscheiden, was die Mannschaft jetzt braucht.". Der Anfang zur sportlichen Wende wurde mit dem Sieg in Freiburg gemacht, mit Diego Benaglio im Tor. Ob sie von Dauer sein wird, wird die Zukunft zeigen. Am fehlenden Engagement Diego Benaglios wird es jedenfalls nicht liegen.