GoalGuard.de

Duell

Duell: Langerak oder Zieler?

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Bisher war Mitch Langerak die unbestrittene Nummer eins im Torwart des Bundesliga-Aufsteigers VfB Stuttgart. Vom Kicker wurde er am Ende der Saison mit dem Prädikat „hervorragend“ bewertet. Nach kleineren Unsicherheiten zu Beginn der Saison entwickelte sich der australische Nationaltorhüter mehr und mehr zum sicheren Rückhalt beim VfB Stuttgart und war gegen Ende der Saison einer der Garanten, dass die Schwaben den Wiederaufstieg in die erste Bundesliga erreichten.

Veränderte Ausgangslage

Trotzdem ist sein Stammplatz in der kommenden Saison alles andere als sicher, denn die Verantwortlichen beim VfB Stuttgart verpflichteten Weltmeister und Ex-Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler vom englischen Vorjahresmeister Leicester City, wohin der gebürtige Kölner zu Beginn der Saison 2016/17 gewechselt war. Weil er mit seiner Situation in England unzufrieden war, betrieb er seinen Wechsel und unterschrieb für die kommende Saison einen Dreijahresvertrag bei den Schwaben. Mit ca. 4 Millionen Euro Ablöse mussten die Schwaben für seine Verpflichtung tief in die Tasche greifen. Offensichtlich waren der sportliche Leiter Jan Schindelmeiser und Trainer Hannes Wolf nie vollständig davon überzeugt, dass Langerak auch für das Fußball-Oberhaus die erforderliche Klasse mitbringt. Mit der Verpflichtung von Zieler wollen sie auf der Torhüterposition unbedingt den Konkurrenzdruck erhöhen. Ein brisanter Konkurrenzkampf im VfB-Tor ist damit eröffnet.

Die Situation von Ron-Robert Zieler

Ron-Robert Zieler im Trainingslager in Grassau am 14.07.2017Für Ron-Robert Zieler geht mit dem Wechsel nach Stuttgart seine wohl sportlich schwerste Zeit in seiner Karriere zu Ende. Im Sommer 2016 wechselte er nach dem Abstieg seines Klubs Hannover 96 zum englischen Überraschungsmeister Leicester City, wo er sich mit internationalen Einsätzen einen weiteren Karriereschritt erwartete und seine Position in der deutschen Nationalmannschaft festigen wollte. Doch seine Erwartungen erfüllten sich nicht. Bei den „Foxes“ saß er häufig nur auf der Bank, weil er beim englischen Meister von 2016 nicht am Dänen Kasper Schmeichel vorbeikam. Diese Situation kostete ihn auch seinen Platz im Nationalteam von Bundestrainer Joachim Löw. So war sein Wunsch groß, wieder zurück in die Bundesliga zu wechseln. Der VfB Stuttgart nutzte die Chance und nahm den Ex-Nationalkeeper unter Vertrag. „Wir wollen eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft aufbauen. Wir wissen aber auch, dass wir Anker brauchen, erfahrene Spieler, die den Jungen halt geben. Ron kann diese Rolle ausfüllen", begründete Vorstand Jan Schindelmeiser die Verpflichtung Zielers. Mit 185 Bundesliga- und sechs Nationalmannschaftseinsätzen bringt der 28-jährige Keeper sicherlich genügend Erfahrung und Klasse mit, um diese Rolle auszufüllen. Während seiner Zeit in Hannover konnte er oft genug nachweisen, welch hervorragender Torhüter er ist. Insofern könnte Zieler durchaus der gewünschte erfahrene Anker für das junge Team werden.

Für Ron-Robert Zieler war wohl vor allem die Wertschätzung, die er in Leicester schmerzlich vermisste, der Grund für den Wechsel zum VfB Stuttgart. „Die Gespräche mit den Verantwortlichen des VfB waren sehr überzeugend, sie haben sich in diesen Gesprächen sehr um mich bemüht“, sagte Zieler. Dafür nahm er finanzielle Abstriche in Kauf, denn Geld war für Zieler nach eigener Aussage nicht der entscheidende Faktor. Es ging ihm mehr „darum, dauerhaft zu spielen“ und mit guten Leistungen seinen Platz im Nationalteam zurückzuerobern. Einen entscheidenden Nachteil bringt Ron-Robert Zieler aber mit. Er bestritt seit dem Dezember des vergangenen Jahres kein Punktspiel mehr. Wie sehr ihn fehlende Spielpraxis in seiner Entwicklung zurückgeworfen hat, wird sich zeigen.

Die Situation von Mitch Langerak

Mitchell Langerak im Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue am 07.05.2017Seit der Saison 2015/16 steht der bald 29 Jahre alte australische Nationaltorhüter beim VfB Stuttgart unter Vertrag. Nachdem er zuvor fünf Jahre lang die Nummer zwei hinter Roman Weidenfeller bei Borussia Dortmund war, sollte er beim VfB den langjährigen Stammtorhüter Sven Ulreich ersetzen, der zum deutschen Meister Bayern München gewechselt war. Doch vor dem Saisonstart verletzte er sich so schwer, dass er dem Polen Tyton den Vortritt lassen musste. Erst in der abgelaufenen Saison konnte er sich vor allem zum Saisonende hin als Stammtorhüter durchsetzen und sich mit guten Leistungen in die Herzen der Fans spielen. Das ist neben seinem zweifellos vorhandenen Können ein entscheidender Pluspunkt für ihn. Der australische Sonnyboy ist unbestritten der Liebling der Fans. Dass erspielter Kredit im Profifußball nicht lange anhält, ist Langerak wohl bewusst. Eigentlich hätte er noch bis zum 18. Juli frei gehabt, weil er mit Australien im Confed Cup gespielt hatte. Deshalb brach der Australier seinen Urlaub vorzeitig ab und fuhr mit dem Team ins erste Trainingslager nach Grassau, um nicht frühzeitig gegenüber Zieler in Rückstand zu geraten. Dies zeigt, dass Langerak seinen Platz zwischen den Pfosten sicherlich nicht kampflos räumen wird. Wie Mitch Langerak mit der neuen Situation umgeht, bringt Cheftrainer Hannes Wolf zum Ausdruck:

Gefreut hat sich Mitch über den Transfer sicherlich nicht. Jeder Fußballer wäre gerne konkurrenzlos in seiner Rolle. Aber Mitch ist ein sehr guter Charakter und Profi genug, die Situation jetzt so anzunehmen.

Hannes Wolf

Fazit

Es wird für Cheftrainer Hannes Wolf eine überaus schwierige Entscheidung werden, welcher der beiden Torhüter zum Saisonstart am 19. August in Berlin zwischen den Pfosten des Bundesliga-Aufsteigers stehen wird. Timo Hildebrand, mit dem der VfB 2008 die Deutsche Meisterschaft holte, ist gespannt auf den Ausgang des Torhüter-Duells. „In großen Clubs ist es üblich, zwei oder sogar drei starke Schlussleute im Kader zu haben. Insofern hat der VfB die richtige Richtung eingeschlagen", sagt Hildebrand. Da beide Torhüter als charakterlich einwandfrei gelten, bleibt zu hoffen, dass beide Torhüter auch bei der Verbannung auf der Ersatzbank im Sinne der Mannschaft zu einem Miteinander finden. Die Entscheidung, wer das sein wird, ist schwierig genug.