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Felix Wiedwald

Felix Wiedwald: Vom Prügelknaben zum Helden

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Die laufende Spielzeit 2016/17 war bisher keine einfache Zeit für Felix Wiedwald vom Bundesligisten Werder Bremen. Was hat er die letzten Wochen und Monate nicht alles über sich ergehen lassen müssen. Doch der Reihe nach …

Felix Wiedwald fängt einen Eckball in der Partie gegen Darmstadt am 04.03.2017 ab.Wiedwald startete als Nummer eins in die Saison, wurde aber nach dem Trainerwechsel von Viktor Skripnik zu Alexander Nouri vom neuen Coach auf die Bank beordert. Drobny fiel jedoch Mitte der Hinrunde mit einem Handgelenksbruch aus. So stand Wiedwald wieder im Tor zwischen dem siebten und elften Spieltag, konnte Nouri aber nicht nachhaltig überzeugen. Als Drobny wieder fit war, wurde dem Bremer Eigengewächs zum zweiten Mal der Status als Nummer eins entzogen. Aber es kam noch schlimmer. Trainer Alexander Nouri dachte Anfang des Jahres sogar laut darüber nach, Michael Zetterer statt Wiedwald zur Nummer zwei zu befördern. „Wenn ich zur Nummer drei degradiert worden wäre, dann wäre das Kapitel für mich hier abgeschlossen gewesen“, äußerte sich Wiedwald in einem Interview zu Nouris Überlegungen. Das Hin und Her im Bremer Tor ging aber in die nächste Runde, als Drobny am 17. Spieltag nach einer Roten Karte im Spiel gegen Borussia Dortmund erneut eine Zwangspause von drei Spielen einlegen musste. So erhielt der eigentlich zur Nummer zwei degradierte Felix Wiedwald die dritte Chance in dieser Saison.

Trainingslager im Juli 2016 des SV Werder Bremen im Parkststadion, Zell am ZillerEigentlich trug der bisherige Verlauf der Saison wenig dazu bei, Wiedwald Selbstvertrauen einzuflößen, zumal seit Monaten bekannt ist, dass Werder sich auf dem Transfermarkt für die nächste Saison nach einer neuen Nummer eins umschaut. Er war sich durchaus der schwierigen Situation bewusst, in der er steckte: „Die öffentliche Meinung über mich ist ja nicht so positiv. Da spielt es keine Rolle, dass ich nicht so viel Spielpraxis habe, ich muss jetzt liefern.“ Doch dieser immense Druck scheint ihn förmlich zu beflügeln. Durch großartige Leistungen hat er sich ins Rampenlicht zurückmanövriert. Nachdem er sich schon die beiden Spiele zuvor als Matchwinner feiern lassen durfte, trug das Spiel am vergangenen Wochenende gegen das Tabellenschlusslicht SV Darmstadt 98 dazu, dass sich die Sichtweise auf den 26- jährigen Keeper verändert hat. Einen scharfen Kopfball des Darmstädter Kapitäns Aytac Sulu entschärfte er im Stile eines Klassemanns. Recht gelassen kommentierte Wiedwald anschließend diese Aktion: "Der Ball kam aus kurzer Distanz, dabei war ich reaktionsschnell. Es ist schön, mich so gezeigt zu haben." Es war aber für ihn mehr als diese Aktion. Er hatte seine Kritiker gründlich wiederlegt, die behaupteten, er könne keine unhaltbaren Bälle halten.

Liefert er noch weitere solche Spiele, braucht er sich um seine Zukunft bei Werder, die schon fast beendet schien, keine Gedanken mehr zu machen. Die Klausel in seinem Vertrag ist allseits bekannt: Bei 20 Einsätzen in Pflichtspielen verlängert sich sein Vertrag automatisch. 15 Spiele hat er bereits absolviert. Läuft alles planmäßig weiter, würde er am 28. Spieltag in Frankfurt am 7. April zum zwanzigsten Mal das Bremer Tor hüten und hätte einen neuen Vertrag für die kommende Saison in der Tasche. Doch auch Wiedwald weiß, dass sein Stellenwert nach den gezeigten Leistungen im Bremer Umfeld wieder deutlich zugenommen hat. Deshalb will er mehr als die vertraglich festgeschriebene Fortsetzung des Arbeitspapiers um ein Jahr. Er will Klarheit, wie die Werder-Verantwortlichen die Zukunft planen – mit ihm als Nummer eins oder nur in der Rolle des Ersatztorhüters. Und so passiert etwas, was die gesamte Fachwelt vor Wochen noch für unmöglich gehalten hätte: Wiedwald kann Forderungen stellen! Er selbst stellt für seine Zukunft klar: „Es ist alles offen.“