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Gianluigi Donnarumma

Gianluigi Donnarumma: Schmutziger Abschied aus Mailand

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Die Entscheidung steht fest. Torwart-Talent Gianluigi Donnarumma wird seinen 2018 auslaufenden Vertrag nicht verlängern und bereits in diesem Sommer seinen Ausbildungsverein AC Mailand definitiv verlassen. Für die Mailänder ist dies bitter, denn nach vielen Jahren großer Enttäuschungen will der Club wieder zu einer Top-Adresse in Europa werden, die er vor allem in der Zeit zweifellos war. Eine der Säulen des Traditionsvereins sollte der Torwart-Juwel Gianluigi Donnarumma werden, der seit 2013 bei den Rossoneri spielt.

Sein bisheriger Karriere-Verlauf

Gianluigi Donnarumma und Yannick GerhardtTraumhaft verlief die bisherige Karriere des als Wunderknaben bezeichneten Keepers. Mit einem Gardemaß von 1,96 m ausgestattet, debütierte er bereits mit 16 Jahren in der Serie A, der italienischen ersten Liga. Damit war er der jüngste Torhüter mit einem Startelfeinsatz in der Geschichte der Serie A. In seiner ersten Spielzeit kam er bereits auf 30 Einsätze. Nachdem er bereits alle Nachwuchsteams des italienischen Verbandes durchschritten hatte, kam er bei der 1:3-Niederlage im Freundschaftsspiel gegen Frankreich erstmals für die A-Nationalmannschaft zum Einsatz. Zur zweiten Halbzeit war er für Gianluigi Buffon eingewechselt worden. Damit brach er eine weitere Bestmarke: Mit 17 Jahren ist er der bisher jüngste Torhüter, der in einem A-Länderspiel für Italien zum Einsatz kam und der jüngste Spieler seit 105 Jahren. Von der britischen Tageszeitung The Guardian wurde er Anfang Oktober 2016 als bestes Talent des Jahrgangs 1999 ausgezeichnet. Das außergewöhnliche Talent Donnarummas wurde also schon früh erkannt und gefördert. Dass dieses Ausnahmetalent möglicherweise Begehrlichkeiten von anderen Spitzenvereinen wecken könnte, kommt sicherlich nicht überraschend. Trotzdem hatte der 18-jährige Schlussmann in der Vergangenheit immer wieder betont, wie sehr ihm Milan am Herzen liege und dass er seine Karriere am liebsten bei der AC beenden würde.

Gründe für seinen Wechsel

Weniger durchseitig als der Verlauf seiner Karriere sind die Geschäftsgebaren des windigen Donnarumma-Beraters Mino Raiola. Der ehemalige Pizzabäcker gilt als äußerst geschäftstüchtig. Im vergangenen Sommer sollen bei Paul Pogbas 105-Mio-Transfer zu Manchester United fast 50 Millionen Euro in die Taschen des Berater-Gurus geflossen sein. Die Milan-Verantwortlichen sollen Donnarumma 5 Millionen Euro pro Jahr bei einer Vertragsverlängerung geboten haben. Kein schlechtes Gehalt für einen 18-Jährigen, für Raiola offensichtlich zu wenig. Er glaubt offenbar, dass Donnarumma mehr an Geld zustehe und damit auch ihm. Schließlich profitiert der Berater prozentual an der Summe. Deshalb teilte er den Klubverantwortlichen vergangene Woche mit, dass sein Klient die angebotene Vertragsverlängerung ausschlage. "Die Entscheidung ist endgültig und bitter für uns. Wir hatten gehofft, dass er eine Säule ist, auf der wir unser Milan aufbauen können", teilte der niedergeschlagene Milan-Geschäftsführer Marco Fassone anschließend mit. Milan-Legende Enrico Albertosi drückte aus, was vielen Milan-Fans empfinden: „Es ist verrückt, dass ein 18-Jähriger so viel Geld ausschlägt. Donnarumma hat den Klub betrogen, der ihm schon mit 17 sein vollstes Vertrauen entgegen gebracht hat.“

Torwart Gianluigi Donnarumma im Spiel gegen Deutschland im Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand

Neben finanziellen Gründen könnte es bei dem Wechsel aber auch um verletzte Eitelkeiten des Beraters gehen. Milans Sportdirektor Massimiliano Mirabelli soll laut Sky Italia in der vergangenen Woche wegen Raiolas Gebaren die Geduld verloren und hinter dessen Rücken bei Donnarummas Vater angerufen haben, um in herauszubekommen, welche Zukunftsvorstellungen der Yougster habe, nachdem Raiola auf Milans Vertragsangebote nicht reagiert hatte. Raiola soll darüber völlig ausgerastet sein und jeglichen Kontakt zu Milans Führungsetage abgebrochen haben. Die italienische Zeitung Corriere dello Sport vermutet deshalb eine "Machtdemonstration" des Beraters.

Wohin führt Donnarummas Weg?

Noch ist unklar, wohin Donnarummas Weg zukünftig führen wird. An Interessenten mangelt es jedenfalls nicht. Laut der italienischen Tageszeitung Gazzetta dello Sport hat Champions-League-Sieger Real Madrid dem Schlussmann einen Fünfjahresvertrag mit einem Jahresgehalt von acht Millionen Euro geboten. Auch der französische Vizemeister Paris Saint-Germain, der Club von Kevin Trapp, soll Interesse zeigen. Begehrt ist er auch in seiner italienischen Heimat. Meister Juventus Turin könnte sich den Jungspund bestens als Nachfolger seines großen Vorbildes Gianluigi Buffon vorstellen, der wohl am Ende der kommenden Saison seine Laufbahn beenden wird. Selbst Stadtrivale Inter soll Interesse signalisiert haben.

Donnarumma im Testspiel gegen die NiederlandeOb ein Wechsel Donnarummas innerhalb Italiens eine gute Option für ihn wäre, bleibt dahingestellt. Der italienische Fußball ist für seine gewalttätigen Fans bekannt. Schon jetzt wird Donnarumma in den sozialen Netzwerken heftig beschimpft und beleidigt. Verärgerte Milan-Fans wollen den "Verräter" schon jetzt nicht mehr zwischen den Pfosten im San Siro sehen. Die Wut der Fans ist am Überschäumen, zumal Donnarumma erst vor kurzem noch betont hatte: „Jeder weiß, dass ich gerne bei Milan bleiben will. Ich identifiziere mich voll mit diesem Verein, diese Farben gehören zu mir. Ich sehe mich gerade auch schon nach einem neuen Haus in der Stadt um." Wie aufgebracht die Tifosi sind, konnte man jüngst bei der U21-EM in Polen beobachten. Bei der Partie zwischen Italien und Dänemark war der 18-jährige Schlussmann der italienischen Nationalmannschaft mit reichlich Spielgeld beworfen. Außerdem wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Dollarrumma“ hochgehalten. Nach Angaben Raiolas gegenüber der „Gazzetta dello Sport soll Donnarummas Familie bereits Morddrohungen erhalten haben.

Auch wenn Donnarumma nach außen hin gelassen bleibt, kann jeder wohl erahnen, welch ungeheurer Druck auf dem gerade erst 18-jährigen Torwart-Talent liegen muss. Dass er dennoch bisher mit guten Leistungen bei der U21-EM überzeugt, spricht für eine außergewöhnliche mentale Stärke des jungen Keepers.