GoalGuard.de

Jannik Huth

Jannik Huth: Das nächste Mainzer Juwel

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Den ersten internationalen Einsatz hat Jannik Huth bereits. Beim 2:0 gegen FK Qäbälä feierte Huth sein Profi-Pflichtspieldebüt bei den Rheinhessen. „Wir wollten ihn belohnen. Dieses Spiel hat er sich über seine tägliche Arbeit, die er mit sehr viel Fleiß absolviert, verdient", erklärte der Mainzer Cheftrainer Martin Schmidt den Grund für den Einsatz des jungen Torhüters. Sein Können konnte er nicht wirklich unter Beweis stellen, da der Gast aus Aserbaidschan viel zu harmlos war, um das Tor der Mainzer zu gefährden. So bestand Huths Hauptaufgabe darin, sich bei der Eiseskälte über die neunzig Minuten hinweg warm zu halten. Einen Einsatz in der Bundesliga hingegen kann er bisher noch nicht vorweisen, obwohl er bei den Mainzer Profis in der zurückliegenden Saison bereits schon achtmal auf der Bank saß.

Jannik Huth klärt vor Franck Ribery im Finale des Telekom-Cups zwischen dem FSV Mainz 05 und dem FC Bayern Muenchen am 14.01.2017Trotzdem zeigt die Geste des Trainers, dass er dem jungen Keeper aus der Nachwuchsschule der Mainzer sein Vertrauen schenkt. Und der Schweizer Coach setzt auf die Talente aus der eigenen Kaderschmiede. Nach Aaron Seydel, Suat Serdar, Alexander Hack und Philipp Klement ist Jannik Huth bereits der fünfte Spieler, der unter Schmidt den Weg aus dem FSV-Nachwuchsleistungszentrum zu den Profis geschafft hat. Einfach war Huths Weg aber nicht. Als er nach zweieinhalb Jahren als Stammtorhüter der Mainzer B- und A-Junioren in die zweite Mannschaft der Rheinhessen aufstieg, musste er sich zunächst als dritter Torhüter im Drittligateam einordnen. Die Plätze vor ihm waren von Christian Mathenia, der inzwischen in der Bundesliga (SV Darmstadt, Hamburger SV) Fuß gefasst hat, sowie Robin Zentner, der seit dem Sommer 2015 an den Ligakonkurrenten Holstein Kiel ausgeliehen ist, bereits belegt. Seine damalige Situation beschrieb er einmal folgendermaßen: „Und dann hatte ich plötzlich zwei Leute vor mir, an denen vorbeizukommen ich keine Chance hatte.“ Doch der Kämpfertyp gab nicht auf und hatte außerdem Glück. Mathenia und Zentner verließen, wie bereits erwähnt, das Mainzer Team in Richtung Darmstadt und Kiel. Dadurch setzte sich Jannik Huth als Nummer eins im Reserveteam der Mainzer schneller durch als von vielen und ihm selbst erwartet. Selbst 05-Trainer Martin Schmidt bescheinigte dem 22-Jährigen unlängst eine beachtliche Entwicklung, „von der Nummer drei unserer U 23 bis zur Nummer zwei der Profis“ aufgestiegen zu sein.

Jannik Huth im Training der U21-Nationalmannschaft am 31.08.2015Das große Talent des inzwischen 22-Jährigen blieb auch den Verantwortlichen beim DFB nicht verborgen. Deshalb nominierte ihn der damalige U-21-Bundestrainer Horst Hrubesch im Sommer 2016 für die Olympiade in Rio de Janeiro hinter Timo Horn (1. FC Köln), obwohl er nur über die Erfahrung von 46 Drittligaspielen verfügte. Sicherlich erhielt er diese Chance auch, weil der Ex-Mainzer Loris Karius nach seinem Wechsel zum FC Liverpool auf eine Teilnahme bei Olympia verzichtete. Trotzdem war Huth überrascht und voller Freude, als von seiner Nominierung erfuhr: „Dass es tatsächlich klappt, hätte ich nicht gedacht. Ich war einer unter sechs, von denen drei mitdürfen. Und in Deutschland gibt es ja ein paar ganz ordentliche Keeper.“ Nun hat sich Jannik Huth das berechtigte Ziel gesetzt, den aktuellen dänischen Stammtorhüter Jonas Lössl abzulösen und „auf Dauer die Nummer eins zu werden“. Das wird kein einfaches Unterfangen werden. Huth schnuppert in der laufenden Saison vermehrt Luft bei den Profis, denn immer häufiger sitzt er anstelle von Gianluca Curci im 18er-Kader auf der Bank. Das ist schön für ihn, birgt aber auch die Gefahr in sich, regelmäßige Spielpraxis zu verlieren, die für einen jungen Torhüter unersetzlich ist. Dadurch könnte der vermeintliche Vorteil leicht zu Nachteil werden.

Manche Skeptiker zweifeln auch an seiner Bundesliga-Tauglichkeit, weil er mit 1,85 m nicht zu den großen unter den Profi-Torhütern zählt. Die Frage ist allerdings, wie bedeutend solche Werte in Zeiten, in denen das Torwartspiel zu 75 Prozent aus Mitspielaktionen und der Spieleröffnung besteht, überhaupt noch sind. Huths Stärken liegen exakt in diesen Spielsituationen, die im modernen Torwartspiel gefordert sind. Er hat einen punktgenauen Abstoß und ist für seine Mitspieler jederzeit anspielbar, weil er über gute fußballerische Fähigkeiten verfügt. Und dass Größe kein Kriterium für einen guten Torhüter sein muss, bewies schon zu früheren Zeiten der fünffache Welttorhüter Iker Casillas (Real Madrid) und stellt aktuell der Gladbacher Yann Sommer unter Beweis, der noch 4 cm kleiner ist als Jannik Huth. Dass er an seine Zukunft in Mainz glaubt, beweist seine vorzeitige Vertragsverlängerung im Sommer 2016, als er seinen bis ursprünglich 2017 laufenden Kontrakt um drei Jahre bis 2020 verlängerte. Mal sehen, ob er die richtige Entscheidung getroffen hat.