GoalGuard.de

Kevin Trapp

Kevin Trapp: Ohne Vereinswechsel keine WM?

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Der Kampf um die begehrten Plätze im Kader der deutschen Nationalmannschaft für die WM in Russland im kommenden Sommer (14. Juni bis 15. Juli) bewegt sich in Richtung Zielgerade. Die Länderspiele am 14. November in Köln gegen Frankreich, das die Neuauflage des verlorenen EM-Halbfinals von 2016 darstellt, sowie vier Tage zuvor der Klassiker gegen England im Wembley werden weitere Tests sein, um den optimalen Kader für das WM-Turnier zu finden. Wie bei fast allen anderen Positionen im Team ist auch die Frage, welche Torhüter dem DFB-Tross angehören werden, noch nicht endgültig beantwortet. Goalguard macht den Versuch, die Chancen möglicher Kandidaten für die drei Plätze im Torhüterbereich zu bewerten.

Neuer ist gesetzt

Eine Position steht fest: Unumstritten die klare Nummer eins ist Bayern-Keeper Manuel Neuer, wenn er sich von seiner langwierigen Verletzung am Mittelfuß wieder erholt hat. Die Verantwortlichen im Trainerteam sind sich aber sicher, dass der 31-Jährige noch Zeit genug hat, bei der WM körperlich wieder topfit zu sein. Bereits mehrfach hat Neuer nach Verletzungen in der Vergangenheit bewiesen, dass er nicht viel Spielpraxis braucht, um wieder in Topform zu kommen.

Ter Stegen die Nummer zwei?

Als Nummer zwei hinter Manuel Neuer scheint sich inzwischen Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona) etabliert zu haben. Nach einem holprigen Start mit gravierenden Patzern in seiner Anfangszeit scheint er inzwischen im DFB-Team angekommen zu sein. Seine Leistungen beim Confed-Cup im Sommer war so überzeugend, dass sich Bundes-Torwarttrainer Andreas Köpke im Interview mit dem Kicker festlegte: "Ter Stegen hat sich im Moment als Nummer zwei etabliert.“ Gut gefallen hat Köpke, mit welcher Selbstsicherheit ter Stegen in Russland gespielt habe, wie er aus der Kabine rausgegangen sei und wie er mit dem Spielern gesprochen habe. Die ständigen Einsätze bei den Katalanen sowohl in der spanischen Meisterschaft als auch in der Champions League haben den Ex-Mönchengladbacher gut getan und ihn zu einem der weltweit besten Torhüter reifen lassen. Für ter Stegen spricht außerdem, dass der spanische Spitzenklub genau die Spielweise praktiziert, die auch vom Trainerteam der deutschen Nationalmannschaft favorisiert wird und die Manuel Neuer in Vollendung beherrscht. Deshalb wäre der Barca-Schlussmann im Verletzungsfall der Bayern-Keepers der optimale Vertreter, weil er ihn übergangslos und ohne Systemumstellungen ersetzen könnte.

Der Kampf um den dritten Platz

Noch nicht entschieden ist hingegen, wer als dritter Torhüter mit zur WM nach Russland fährt. Im Moment sieht es nach einem Duell zwischen Bernd Leno (Bayer Leverkusen) und Kevin Trapp (Paris St. Germain) aus. Dies bestätigte auch der Bundes-Torwarttrainer: „Der Kampf um Platz drei zwischen Bernd Leno und Trapp ist offen. Da steht es im Moment fifty-fifty." Während dem Leverkusener im Moment die Konstanz in seinem Spiel fehlt, hat Trapp ein anderes Problem. Er ist bei Paris Saint-Germain nur noch die Nummer zwei hinter Alphonse Areola. Um seine Chancen auf einen Platz im DFB-Kader zu verbessern, rät ihm deshalb Köpke zu einem baldigen Vereinswechsel. „Die Entscheidung über einen Wechsel muss der Spieler selbst treffen. Wenn er aber gar nicht mehr spielen würde, wäre es schwer, ihn im Sinne des Leistungsprinzips zu nominieren", machte Köpke im kicker-Interview deutlich und fügte hinzu: „Es ist klar, dass es auf Dauer problematisch ist, wenn er nicht spielt, denn die Rückrunde gibt den Ausschlag, wer mit zur WM kommt." Nutznießer dieser Situation könnten Oliver Baumann, Timo Horn oder Ralf Fährmann werden. Während sich der Schalker Fährmann schon seit Jahren zu einem der besten Torhüter in der Bundesliga entwickelt hat, spielt sich momentan immer mehr Oliver Baumann von der TSG Hoffenheim in den Vordergrund. Nicht zu Unrecht wird er im Moment in der Kicker-Rangliste als bester Torhüter der Bundesliga geführt. Die schlechtesten Karten in diesem Dreikampf dürfte wohl Timo Horn besitzen, der mit seinem Klub 1.FC Köln schon ziemlich abgeschlagen das Schlusslicht der Bundesliga bildet. Ständige Misserfolgserlebnisse tragen aber nicht dazu bei, dass ein Spieler vor Selbstbewusstsein strotzt. Genau diese Eigenschaft ist aber eine Grundvoraussetzung, gute Leistungen auf einem internationalen Top-Turnier abliefern zu können.

In früheren Zeiten gab es manchmal schon größere Überraschungen bei der Bekanntgabe des Kaders für ein Großturnier. Eine solche ist auch dieses Mal nicht ausgeschlossen. Zu dicht liegt das Leistungsvermögen vieler Bundesliga-Torhüter beieinander. Die Rückrunde in der Bundesliga sowie zwei weitere Länderspiele im WM-Jahr Ende März gegen Spanien und Brasilien werden wohl endgültige Hinweise darauf geben, mit welchen Spielern Bundestrainer Löw die Verteidigung des WM-Titels anstrebt.