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Keylor Navas

Keylor Navas: Nicht mehr unumstritten

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Dass man sich bei Real Madrid nicht viele Fehler erlauben darf, bekommt im Moment Stammtorwart Keylor Navas zu spüren. Nach starken Leistungen in der vergangenen Saison, in der er die unumstrittene Nummer eins im Starensemble der Madrilenen war, weht dem 30 Jahre alten Costa-Ricaner aktuell ein rauer Wind entgegen. Mehr und mehr Stimmen werden laut, die ihn von der Verfassung der letzten Saison weit entfernt sehen. In einer Umfrage der spanischen Sportzeitung AS unter fast 18.000 eingegangenen Stimmen waren 83,04 Prozent der Meinung, Navas habe merklich abgebaut. Viele lasten ihm die 1:2-Niederlage beim FC Sevilla an.

Keylor Navas jubelt im Champions League Finale 2016 gegen Atletico MadridUnweigerlich beginnt in einer solchen Situation bei der Real-Fangemeinde und in den Medien die Diskussion darüber, ob Keylor Navas den Anforderungen des europäischen Ausnahmeklubs noch gewachsen ist, ob nicht statt Navas besser Ersatztorwart Kiko Casilla die neue Nummer eins werden soll oder ob es überhaupt nicht besser sei, zum kommenden Saison einen neuen Torhüter zu verpflichten. Nachdem im vergangenen Jahr die beabsichtigte Verpflichtung des spanischen Nationaltorhüter David de Gea von Manchester United scheiterte, fällt in Real-Kreisen neuerdings immer wieder der Name des belgischen Nationaltorhüters Thibaut Courtois von Chelsea London. Es ist kein Geheimnis, dass die Königlichen am liebsten einen von der Körperlänge her großen Keeper zwischen den Pfosten besitzen würden. Dieses Anforderungsprofil bringt der Belgier Courtois mit einer Größe von 1,99 Meter in hohem Maße mit, während der 30-jährige Navas hingegen nur 1,85 Meter misst. Courtois ist aber noch vertraglich bis 2019 an Chelsea gebunden. Deshalb ist ein möglicher Wechsel des Belgiers nach Madrid für den Chelsea-Cheftrainer Antonio Conte kein Thema. „Ich denke, es ist nicht nötig, die Situation klarzustellen. Thibaut ist für mich einer der besten, wenn nicht der beste Torwart der Welt. Er arbeitet sehr gut, ist ein fantastischer Torhüter. Er bleibt bei uns und das ist das Wichtigste. Das andere sind nur Spekulationen“, machte der Italiener in einem Pressegespräch deutlich.

Keylor Navas nach dem Gewinn der Champions League 2016Genährt werden diese Spekulationen aber auch durch die Aussage Courtois, die er erst im September geäußert hatte, nämlich früher oder später gerne wieder in der Primera División sein Geld verdienen zu wollen. Erfahrungen in Spaniens Eliteliga hat ja er bereits. Courtois war von den Londonern von 2011 bis 2014 nach Madrid ausgeliehen worden, allerdings an den Stadtrivalen Atletico Madrid. „Als ich Spanien verlassen habe, war mir klar, dass ich eines Tages zurückkehren werde“, bringt der belgische Nationaltorwart seine Vorliebe für Spanien in einer anderen Äußerung zum Ausdruck. Äußerlich sehr gelassen nimmt Keylor Navas die Diskussionen über seine Person zur Kenntnis: „Ich bin sehr entspannt. Gott gibt mir viel Frieden und Ruhe. Ich muss arbeiten, mich anstrengen und versuchen, der Mannschaft zu helfen.“ Auch Cheftrainer Zinedine Zidane stellt sich schützend hinter Navas: „Ich finde ihn und seine Saison sehr gut. Natürlich kann man von einem Torwart und allen Spielern immer mehr fordern. Wenn wir 40 Spiele nicht verlieren, ist es nicht grundlos der Fall. Und wenn ich mich nicht täusche, war er dabei.“

Ob die Zeit als Stammtorwart für Navas schneller vorbei sein wird als erwartet oder ob die Stimmung nach überragenden Leistungen wieder auf seine Seite kippen wird, wird die Zukunft zeigen. Schon einmal saß Navas auf gepackten Koffern am Flughafen, um im Tausch mit de Gea in den Norden Englands, nämlich nach Manchester zu United zu wechseln. Technische Probleme mit dem Fax bei der Abwicklung des Wechsels kurz vor Ende der Transferperiode verhinderten das bereits von beiden Seiten abgenickte Tauschgeschäft. „Gott wollte mich nicht gehen lassen. Deshalb bin ich noch hier“, erklärte Navas damals die Probleme auf seine Weise. Vielleicht will Gott ihn ja ein weiteres Mal nicht gehen lassen.