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Koen Casteels

Koen Casteels: Gedanken an Veränderung?

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Nein, vom Glück verfolgt war die Karriere von Koen Casteels wirklich nicht. Vielmehr bestand sie in einem stetigen Auf und Ab. Hatte er gerade einmal den Status der Nummer eins erworben, kam irgendetwas dazwischen, das ihm diesen Status wieder raubte.

Casteels Werdegang bei der TSG Hoffenheim

Aber der Reihe nach! Als der Belgier mit gerade einmal 19 Jahren 2011 vom KRC Genk zum aufstrebenden Verein TSG Hoffenheim wechselte, schien ihm eine große Karriere bevorzustehen. Mit dem Gardemaß von 1,97 m und guten fußballerischen Qualitäten ausgestattet, war es für viele Experten eine Frage der Zeit, bis das Torwart-Juwel die Position im Tor eines Bundesligaklubs ausfüllen würde. Sein ehemaliger Trainer Markus Babbel legte sich fest: „Er hat ganz klar das Potenzial zur Nummer 1. Er bringt alles mit, was einen modernen Torwart auszeichnet", sagte er der Rhein-Neckar-Zeitung. Auch der ehemalige Manager Ernst Tanner zählte den Torhüter zu den "Toptalenten in Europa“. Sein Name wurde in einem Atemzug mit den in etwa gleichaltrigen Torwart-Talenten ter Stegen, Leno oder Ulreich genannt.

Koen Casteels bejubelt das Tor zum 2:0 durch Anthony Modeste am 10.08.2013

Vier Jahre dauerte seine Lehrzeit im Kraichgau, wirklich durchsetzen konnte er sich jedoch nicht. Als Tom Starke im Sommer 2012 zu den Bayern wechselte, wurde dem belgischen U21-Nationaltorwart der deutsche Nationaltorhüter Tim Wiese vor die Nase gesetzt. Durch eine Verletzung Wieses kam Casteels am 23. September 2012 zu seinem Profidebüt. Nach vereinsinternen Konflikten mit Tim Wiese und der anschließenden Suspendierung des Ex-Nationaltorhüters aus dem Kader rückte Casteels mit gerade einmal 20 Jahren zur Nummer eins im Tor der Hoffenheimer auf.Er schien am Ziel seiner Träume angekommen zu sein. Da er aber wohl aufgrund seines jungen Alters noch nicht die Sicherheit und Souveränität ausstrahlen konnte, die sich die Verantwortlichen erwartet hatten, liehen sie zur Winterpause den 31-jährigen Brasilianer Heurelho Gomes vom englischen Klub Tottenham Hotspurs aus, der mit über 250 Erstligaspielen für Cruzeiro Belo Horizonte, dem PSV Eindhoven und den Spurs reichlich Erfahrung mitbrachte.

Nach dem Ende der Ausleihe des Brasilianers schien zur Saison 2013/14 für Casteels der Weg frei zu sein als Stammtorwart der TSG Hoffenheim. Einige Unsicherheiten in seinem Spiel führten aber wieder dazu, dass er zeitweise seinen Platz an Jens Grahl abgeben musste. Als sich der junge Belgier im April 2014 während der Bundesligapartie gegen Hertha BSC einen Schienbeinbruch zuzog und daher für einen langen Zeitraum ausfiel, wurde zur Saison 2014/15 der U21-Nationaltorhüter Oliver Baumann vom SC Freiburg verpflichtet. Wieder musste Casteels auf der ungeliebten Ersatzbank Platz nehmen.

Der Wechsel zum VfL Wolfsburg

Weil er bei den Kraichgauern keine Perspektive mehr sah, wechselte er im Januar 2015 zum VfL Wolfsburg. Bei dem Norddeutschen unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2018, wurde aber bis zum Ende der Spielzeit direkt an Werder Bremen weiterverliehen, wo er sich in den letzten Partien der Saison als Stammtorhüter durchsetzen konnte.Am Ende der Saison kehrte er zu seinem Stammverein VfL Wolfsburg zurück. Wieder musste er sich ein Jahr hinter der Schweizer VfL-Legende Diego Benaglio anstellen. Nur bei Verletzungen des langjährigen Stammtorwarts und Kapitäns der Wölfe kam Casteels zu Einsätzen.

Koen Casteels im Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim am 12.03.2016

Überraschende Wende zum Saisonbeginn

Dann die Überraschung zu Beginn der laufenden Saison: Ex-Coach Dieter Hecking nominierte Casteels für die Startelf, obwohl Benaglio gerade erst wieder zum Kapitän der Wölfe gewählt worden war. Doch die Saison verlief für die Wölfe nicht wie gewünscht. Der Aspirant auf einen der vorderen Tabellenplätze befand sich plötzlich im Abstiegsstrudel. Nun griffen die in der Branche üblichen Mechanismen. Hecking wurde entlassen, an seiner Stelle der VfL-Nachwuchstrainer Valérien Ismaël installiert. Dieser setzte wieder auf Kapitän und Klub-Ikone Diego Benaglio, Casteels musste wieder mit der Ersatzbank vorlieb nehmen, obwohl der Absturz der Norddeutschen am wenigsten an seiner Person festzumachen war. Da sich an dieser Entscheidung wohl auch in der Rückrunde nichts ändern wird, machte Trainer Ismaël mit der Aussage klar: „Die Mannschaft braucht einen Kapitän auf dem Platz.“ Casteels ist verständlicherweise unzufrieden über seine Reservistenrolle.

Wechsel zur Winterpause?

Weil schon in der Vergangenheit immer wieder Vereine wie Werder Bremen, SSC Neapel, AC Florenz an Casteels Tür angeklopft hatten und aktuell besonders der belgische Spitzenklub RSC Anderlecht an der Verpflichtung des inzwischen 24-jährigen Belgiers zur Winterpause interessiert ist, drängen dessen Berater immer massiver auf einen Wechsel ihres Schützlings. „Ein Transfer oder eine Ausleihe, das sind die beiden Möglichkeiten“, sagte der Schlussmann vor wenigen Tagen belgischen Journalisten. Laut der Zeitung „Het Laatste Nieuws“ soll es bereits Sondierungsgespräche zwischen Anderlecht und dem VfL gegeben haben. Doch die Wolfsburger bleiben bisher standhaft und wollen ihren Schlussmann in dieser Wechselperiode nicht ziehen lassen. VfL-Sportdirektor Olaf Rebbe stellte klar: „Es steht weder zur Diskussion, dass Koen verliehen, noch dass er verkauft wird. Wie lassen ihn im Winter nicht gehen.“ Die Vergangenheit hat alles gezeigt, dass man nicht alles auf die Goldwaage legen sollte, was zuvor als unverrückbarer Standpunkt formuliert wurde. Zahlen verändern sich im Laufe der Verhandlungen, und mit dem Anstieg der Ablösesumme wächst auch manchmal die Bereitschaft, seine Meinung zu verändern. Mal sehen, wohin der Weg des Belgiers führen wird.