GoalGuard.de

Loris Karius

Loris Karius: An der Anfield Road angekommen

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Seine Anfangszeit in Liverpool war hart. Nach der überraschenden 3:4-Niederlage in Bournemouth und am darauffolgenden Wochenende vor heimischer Kulisse beim ernüchternden 2:2 gegen West Ham United sah sich der junge deutsche Schlussmann der Reds nach Patzern starken Abwertungen ausgesetzt. Der Mirror wortspielte vom "Kar Crash" und nannte Karius einen "Calamity Keeper", also Katastrophen-Torwart. Englands Ex-Nationalspieler Jamie Redknapp attestierte Karius bei Sky Sports "Flutschfinger" und bezeichnete dessen Torwartspiel als "armselig". Doch das war gegen Ende des vergangenen Jahres. Seit geraumer Zeit überzeugt Loris Karius mit guten Leistungen. Er ist der inzwischen statistisch gesehen der beste Torhüter der Champions League. Denn beim sensationellen 3:0 (3:0) des Teams von Jürgen Klopp im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den designierten englischen Meister Manchester City blieb der Ex-Mainzer in dieser Saison zum sechsten Mal in neun Einsätzen in der Königsklasse ohne Gegentreffer.

Handbruch in der Saison-Vorbereitung

Sein Einstieg in Liverpool war nicht gerade vom Glück begünstigt. Während einer USA-Reise in der Saisonvorbereitung brach er sich bei einer Abwehrreaktion im Spiel gegen den FC Chelsea die Hand, als er den Ball wegfausten wollte, stattdessen aber seinen Mitspieler Dejan Lovren am Kopf traf. Eine siebenwöchige Pause war die Folge. So verlief der Saisonauftakt ohne ihn. Noch schlimmer: Er hatte den Kampf um die Position zwischen den Pfosten der Reds gegen den belgischen Nationaltorhüter Simon Mignolet, der seit drei Jahren das Tor der Liverpooler hütete, verloren.

Karius ist starker Kritik ausgesetzt

Weil Liverpools Chefcoach Jürgen Klopp von den Fähigkeiten des Ex-Mainzer Keepers überzeugt war, ließ er ihn nach gerade abgeklungener Verletzung am 6. Spieltag für die Liverpooler debütieren, obwohl sein Konkurrent Mignolet keinen schlechten Saisonstart abgeliefert hatte. Anschließend setzte Trainer Jürgen Klopp auf Rotation auf der Torwartposition, also ohne klare Nummer 1 im Tor. „Karius war ein wirklich starker Bundesliga-Torwart und das heißt einiges, denn Deutschland ist eine Torhüternation. Loris hatte in der Vorbereitung einen kleinen Vorteil, konnte den aber wegen der Verletzung nicht nutzen. Simon hat seither einen super Job gemacht“, begründete Klopp seine Entscheidung.

Möglicherweise warf Klopp seinen inzwischen 24-jährigen Landsmann im Nachhinein zu früh ins Feuer. Er war noch nicht im Rhythmus und hatte sich noch nicht an das enorm physische Spiel in der Premier League gewöhnen können. Jedenfalls konnte Karius die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen. Nachdem gegen Ende des vergangenen Jahres der FC Liverpool für einen Spieltag an der Tabellenspitze der englischen Premier League thronte, folgten anschließend sportliche Rückschläge: Zunächst das bittere 3:4 gegen den FC Bournemouth, anschließend das 2:2 gegen das abstiegsbedrohte West Ham United. In beiden Partien sah Torhüter Loris Karius unglücklich aus und patzte entscheidend. Deshalb äußerte die Presse Unverständnis darüber, dass Simon Mignolet, ein gestandener Premier-League-Schlussmann, für Karius weichen musste. Der junge deutsche Keeper sah sich in den englischen Medien, die in der Wortwahl bekanntlich nicht zimperlich sind, starker Kritik ausgesetzt. „In acht Spielen hat er mir nicht einen Beweis dafür geliefert, gut genug für diesen Level zu sein", urteilte etwa Jamie Carragher Anfang Dezember. TV-Experte Gary Neville, der insgesamt 400 Spiele für Liverpools Erzrivalen Manchester United absolvierte, kritisierte unter anderem, dass Karius "Unsicherheit ausstrahlt". Jürgen Klopp ging für seinen jungen Keeper zum Gegenangriff über: „Neville hat gezeigt, dass er als Trainer Probleme hatte, Spieler zu beurteilen, also warum lässt man ihn im TV über Spieler reden?“

Karius wird zur Nummer eins

Seit Mitte Februar beendete Trainer Jürgen Klopp endgültig die Torhüterdiskussion beim FC Liverpool. Nachdem er Loris Karius bereits einige Wochen zuvor zum Stammkeeper in der Premier League erklärt hatte, schaffte er nun auch die Rotation ab, die er bis dahin gepflegt hatte. Seither ist Loris Karius beim FC Liverpool die klare Nummer eins. Der frühere Mainzer hat Simon Mignolet nach schwierigen eineinhalb Jahren bei den Reds verdrängt.

Für Jürgen Klopp bringt Loris Karius alle Fähigkeiten für einen Top-Torhüter mit. „Loris Karius ist ein Top-Paket. Ein moderner Fußballer, er hat alle fußballerischen Fähigkeiten und ist ein guter Shot-Stopper mit tollen Reaktionen", schwärmte Klopp Ende Januar im Exklusiv-Interview mit DAZN über den Keeper. Und dass dem Ex-Mainzer Schlussmann am Anfang nach seiner Verletzung einige Patzer unterliefen, weil Klopp ihn möglichst schnell zwischen den Pfosten haben wollte, nahm Klopp auf seine Kappe. "Den Schuh ziehe ich mir an, das war möglicherweise ein bisschen zu früh", gab Klopp zu. Im Nachhinein stellte sich Klopps Entscheidung wohl als Fehler heraus, denn Karius schlimme Patzer kosteten dem Klub einige Punkte.

Inzwischen kann sich Jürgen Klopp auf seinen Schlussmann verlassen, Karius zahlt ihm sein Vertrauen mit guten Leistungen zurück. „Sein Start war nicht sehr gut", bekannte auch Klopp: "In unserer Zeit urteilen die Menschen sofort und nach einem schlechten Start war das Urteil über ihn gefällt. Aber er brauchte Zeit und er brauchte diese Situation. Er trainiert gut mit John (Achterberg, Liverpools Torwarttrainer, Anm. d. Red.) und er spielt jetzt. Und Gott sei Dank spielt er gut."