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Loris Karius

Loris Karius: Mit kräftigem Gegenwind

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Ein Geheimnis ist das nicht. Weit gnadenloser als die deutsche Medienlandschaft geht die englische Presse mit Patzern ihrer Fußballstars um. Loris Karius weiß neuerdings ein Lied davon zu singen. Weil sein Fehler bei der 3:4-Pleite der Reds gegen Bournemouth dem Liverpool FC am vergangenen Sonntag einen Punktgewinn kostete, war die mediale Kritik heftig. Der Mirror nannte Karius einen Katastrophen-Keeper. Liverpool-Legende Jamie Carragher sprach dem 23-Jährigen die Fähigkeit ab, das LFC-Tor zu hüten. Ex-Spieler Gary Neville behauptete sogar, Karius würde Angst auf seine Vorderleute ausstrahlen. Auch der Ex-Liverpool-Profi und heutige TV-Experte Mark Lawrenson schoss scharf in Richtung Karius. "Klopp hat sich weit aus dem Fenster gelehnt, als er Loris Karius zur Nummer eins gemacht hat. Ich frage mich, ob er sich insgeheim denkt 'Was soll ich jetzt machen?', weil Simon Mignolet ohne Frage ein besserer Torhüter ist."

Loris Karius im Trikot seines alten Vereins: 1. FSV Mainz 05Karius ließ mit seiner Antwort auf die öffentlichen Demontierungen nicht lange auf sich warten. Was Carragher sage, interessiere ihn sowieso nicht. „Er war ein Topspieler, dann kurz Trainer und ist nun Experte. Er ist immer sehr kritisch und kritisiert jeden", so Karius. Trotzdem scheint ihn die Kritik nicht unberührt zu lassen. Er verweist auf die negativen Facetten seines Berufes und hofft dadurch auf ein wenig Verständnis. „Die Leute denken manchmal, wir seien Roboter, weil wir so gut bezahlt werden. Sie denken, wir hätten keine Emotionen und hätten niemals einen schlechten Tag", so Karius im Interview mit der "Daily Mail". Teammanager Jürgen Klopp verteidigte seinen jungen Landsmann gegen heftige Kritik von Experten und Medien. Es sei nicht die glücklichste Situation für einen Torwart gewesen, sage aber nichts über dessen Qualität aus. "Ich bin wegen Loris nicht beunruhigt", fügte er hinzu. Auf Klopps Unterstützung und Vertrauen scheint sich Karius verlassen zu können. Unterstützung erhält Karius auch von einem seiner Vorgänger beim ehemaligen englischen Rekordmeister, dem langjährigen Liverpool-Schlussmann Pepe Reina. "Er ist ein brillanter Torhüter, der einen wirklich guten Job macht", sagte der ehemalige Schlussmann des FC Bayern München gegenüber ITV.Trotzdem ist die Diskussion um den Nummer-Eins-Status des deutschen Keepers in England in vollem Gange. So fordert der bereits angesprochene Ex-Liverpool-Profi Mark Lawrenson einen Wechsel auf der Torwart-Position. „Klopp muss Mignolet wieder ins Tor stellen und sollte sich keine Sorgen machen, ob Karius dadurch Selbstbewusstsein verliert."

Nicht ohne Grund wählten ihn 235 Bundesliga-Spieler am Ende der Saison in einer Kicker-Umfrage zum zweitbesten Torhüter der abgelaufenen Saison hinter Welttorhüter Manuel Neuer.Der 23-jährige Deutsche muss im Moment erleben, dass Leistungssportler schnell in Ungnade fallen, wenn sie eine erwartete Leistung nicht bringen. Dass Loris Karius ein ausgezeichneter Torhüter ist, bewies er in der vergangenen Bundesliga-Saison. Nicht ohne Grund wählten ihn 235 Bundesliga-Spieler am Ende der Saison in einer Kicker-Umfrage zum zweitbesten Torhüter der abgelaufenen Saison hinter Welttorhüter Manuel Neuer. Nun wird sich zeigen, ob Karius neben seiner ohne Frage sportlichen Klasse auch die psychische Stärke besitzt, sportlich schwierige Zeiten zu bewältigen. Sicherlich wird dem Ex-Mainzer bereits vor seinem Wechsel zum englischen Rekordmeister klar gewesen sein, dass er in Liverpool weit stärker im Fokus der Öffentlichkeit stehen und dadurch einem weit größeren Erwartungsdruck ausgesetzt sein wird als in Mainz. Ob ihm auch das Ausmaß der Häme der medialen Öffentlichkeit bei Fehlern bekannt war? Andererseits: Wer im Sport erfolgreich sein möchte, muss lernen, mit Druck und öffentlicher Kritik umzugehen. Dass die Sprache in der Boulevardpresse und in den sogenannten sozialen Medien inzwischen verroht, ist dem Zeitgeist geschuldet. Es bleibt zu hoffen, dass es dem jungen Schlussmann gelingt, die öffentlichen Abwertungen abzustreifen und seine wirkliche sportliche Klasse zu zeigen. Die Unterstützung seines Trainers Jürgen Klopp hat er, jedenfalls noch!