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Lukas Kruse

Lukas Kruse: Das Urgestein verlässt den SC Paderborn

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Der Abstiegskelch ging am SC Paderborn gerade noch einmal vorbei. Eigentlich war Unglaubliches bei den Ostwestfalen passiert. Dreimal hintereinander waren sie sportlich abgestiegen, von der ersten Bundesliga bis in die Regionalliga. Vom Abstieg in die Viertklassigkeit bleiben die Paderborner allerdings verschont. Aufgrund der Zulassungsverweigerung für 1860 München gibt es in der gerade abgelaufenen Spielzeit 2016/17 nur zwei Absteiger aus der 3. Liga. Als Drittletzter wird deshalb SC Paderborn ein weiteres Jahr der dritten Liga angehören. Ein kompletter Crash konnte durch die glückliche Fügung des Schicksals gerade noch vermieden werden. Für die Zusammenstellung der Mannschaft zur Saison 2017/2018 muss der SC Paderborn aber mit einem neuen Stammtorwart planen, weil Lukas Kruse, die langjährige Nummer eins, den Verein in Richtung Holstein Kiel verlässt. Das Paderborner Urgestein unterschrieb beim Zweitliga-Aufsteiger einen Einjahresvertrag bis 2018. Mit Lukas Kruse holt Holstein Kiel einen Torwart, der bereits über Erfahrungen in allen drei deutschen Profiligen verfügt.

Kruse, ein Paderborner Urgestein

Lukas Kruse hat mit dem SC Paderborn alle Höhen und Tiefen erlebt, die ein Fußball-Torwart in der Karriere erleben kann. Er war einer der Helden, die mit dem SC Paderborn den überraschenden Aufstieg in die Fußball-Bundesliga schafften. Er war allerdings auch einer der wenigen, die dem SCP auch in schwierigen Zeiten treu blieben, trotzdem aber den Absturz aus der Erst- bis in die Drittklassigkeit nicht verhindern konnte. Seit 2010 hütete er das Tor seines Heimatvereins. In der Bundesliga-Saison 2014/15 stand er in allen 34 Ligapartien auf dem Feld, 155-mal lief er für den SCP im Unterhaus auf und in der abgelaufenen Drittliga-Spielzeit stand er in 36 der 38 Ligapartien für die Ostwestfalen zwischen den Pfosten.

Lukas Kruse hechtet nach dem Ball.Der Verlust für die Paderborner ist mit Abgang Kruses enorm, weil mit ihm nicht nur ein erfahrener Torhüter, sondern auch ein absoluter Leistungsträger und eine Identifikationsfigur der Fans das in unruhiges Fahrwasser geratene Schiff verlässt. Wie kein Zweiter war der in Paderborn geborene 33-jährige Schlussmann mit seiner Heimatstadt verbunden. Im Jahr 1995 kam er von seinem Heimatverein Rot-Weiß Alfen in den Nachwuchsbereich der Paderborner. Kruse setzte sich in allen Jugendjahrgängen durch und bekam beim damaligen TuS Paderborn-Neuhaus seinen ersten Profivertrag. Nach einem zweijährigen Intermezzo bei Borussia Dortmund und dem FC Augsburg kehrte er 2010 nach Paderborn zurück und blieb auch im Bundesliga-Jahr 2014/2015 die Nummer 1. In der Bundesliga, der 2. Bundesliga und der 3. Liga absolvierte Kruse insgesamt 225 Meisterschaftsspiele im SCP-Trikot. Sein ehemaliger Mitspieler und heutige SCP-Geschäftsführer Markus Grösche würdigt den Keeper: „Lukas hat sich große Verdienste um den SCP erworben. Wir bedauern seinen Abgang sehr, wollten ihm aber keine Steine in den Weg legen und haben seinem Wechselwunsch entsprochen. Der Verein und auch ich persönlich danken ihm für seine hervorragenden Leistungen.“ Und mit einem Blick in die Zukunft fügt er an: „Die Tür steht für ihn in Paderborn immer offen.“

Noch einmal zweite Liga

Hauke Finn Wahl, Marvin Bakalorz und Lukas KruseDass dem 33-Jährigen der Abschied von seinem Heimatverein schwer fällt, ist Kruse anzumerken: „Der Abschied aus Paderborn fällt mir nach den vielen Jahren nicht leicht, der SCP wird immer mein Verein bleiben. Ich danke den Verantwortlichen in Paderborn für die schnelle Einigung und freue mich sehr auf die neue Aufgabe in Kiel.“ Allerdings bereitet ihm sein Job in der abgelaufenen Spielzeit viel Frust. An eine positive Wendung in seinem Heimatverein scheint er zukünftig nicht mehr zu glauben. Deshalb wollte er sich die Chance, noch einmal in der 2. Liga zu spielen, nicht entgehen lassen. „Es ist schön, im Herbst der Karriere noch einmal im Kader eines Zweitligisten zu stehen", machte er deutlich. Und auch bei den Verantwortlichen in Kiel ist die Freude über die Verpflichtung des erfahrenen Schlussmannes offenkundig: „Wir sind sehr froh, dass wir mit Lukas Kruse einen Torhüter verpflichten konnten, der bereits über Erfahrung in der 1. und 2. Bundesliga verfügt", wird Ralf Becker, Geschäftsführer Sport der Störche, auf der Klub-Website zitiert.

Unklar ist noch die zukünftige Rollenverteilung zwischen den Pfosten der Ostseestädter. In der abgelaufenen Saison war Kenneth Kronholm uneingeschränkt Stammtorhüter, der nur das sportlich bedeutungslose letzte Ligaspiel gegen den Halleschen FC von der Bank aus verfolgte. Die Leistungen des 31-jährigen Schlussmanns in der abgelaufenen Saison 2016/17 bewertete das Fachmagazin „Kicker“ in der jüngsten Ausgabe mit dem Prädikat „Herausragend“. Kronholm war für die Kicker-Experten damit der zweitbeste Keeper in der dritten Liga hinter Marius Gersbeck vom VfL Osnabrück. Insofern stehen die Karten gut für den bisherigen Stammtorhüter, auch in die Zweitliga-Saison als Nummer eins zu gehen. Viele Fehler wird er sich aber nicht erlauben dürfen, denn mit Lukas Kruse steht ein Keeper bereit, der seit Jahren seine Klasse und Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt hat.