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Manuel Neuer

Manuel Neuer: Enttäuschung über Nichtnominierung

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Sein erstes Spiel hat Nationaltorwart Manuel Neuer in Bremen am vergangenen Wochenende nach vier Monaten Verletzungspause wegen eines Mittelfußbruches erfolgreich hinter sich gebracht. Der Fuß hielt. Eine ernsthafte Prüfung war dieser Einsatz allerdings nicht für ihn, denn viele Aktionen hatte er nicht. Abgesehen von ein paar langen Bällen wurde er nicht einmal ernsthaft geprüft und musste keinen einzigen Ball parieren. Als sanfter Einstieg nach seiner Verletzungspause eignete sich das Spiel in Bremen für den Welttorhüter aber durchaus. Ob sein momentaner Zustand auch schon für die Qualifikationsspiele gegen Tschechien und Norwegen ausgereicht hätte, ist schwer zu beurteilen. Bundestrainer Joachim Löw jedenfalls hat sich dazu entschlossen, erst einmal auf den Bayern-Keeper zu verzichten, und benannte Marc-Andre ter Stegen, Bernd Leno und Kevin Trapp in das Aufgebot der DFB-Auswahl für die beiden WM-Qualifikationsspiele.

Dass Manuel Neuer die bevorstehenden Länderspiele trotzdem gerne absolviert hätte, war bei den Interviews in den Katakomben des Weserstadions kaum zu überhören. „Es war ja nicht nur meine Entscheidung, dass ich die Spiele auslasse", erklärte Neuer kaum verklausuliert. Der 74-malige Nationaltorhüter fühlt sich offensichtlich fit und hätte wohl in den beiden Länderspielen eine gute Möglichkeit gesehen, weiter Spielpraxis zu sammeln: „Ich muss an meiner Routine arbeiten, da würden mir Spiele am meisten helfen." Obwohl für Neuer die Entscheidung der DFB-Verantwortlichen gegen seine Nominierung durchaus nachvollziehbar und aufgrund seiner fehlenden Spielpraxis „logisch“ ist, hätte wohl sein persönlicher Ehrgeiz über die Vernunft gesiegt.

Manuel Neuer im Ullevaal Stadium in Oslo im Spätsommer 2016

Allzu verständlich ist aber, dass der Bundestrainer in diesem Fall kein Risiko eingehen wollte: „Es wäre doch fatal, jetzt ins volle Risiko zu gehen." Schließlich spielt Manuel Neuer bei der angestrebten Titelverteidigung 2018 in Russland eine wichtige Rolle. Zudem hat der Bundestrainer mit ter Stegen, Leno und Trapp qualitativ hochwertiges Personal in der Hinterhand, mit denen das erstrebte Ziel, das WM-Ticket zu lösen, genauso möglich sein sollte. Der Bundestrainer hat sich noch nicht festgelegt, welcher der drei nominierten Torhüter Neuer vertreten wird. „Marc war beim Confederations Cup sehr gut, hat auch in Barcelona eine gute Entwicklung genommen", sagte Löw, bescheinigte aber auch Leno und Trapp, mit deren Trainingsleistungen bei der Mini-WM "sehr zufrieden" gewesen zu sein.

Manuel Neuer wird seine Leistungsfähigkeit ohne die Hilfe der Nationalmannschaft weiter verbessern müssen. Die Möglichkeit, während der Länderspielpause in München weiter an seiner Fitness zu arbeiten, sieht er aber sehr skeptisch, da 15 Spieler im Bayern-Kader für ihre Nationalmannschaften abgestellt sind: „Wir sind noch fünf Leute. Davon drei Torhüter.“ Eine optimale Trainingsarbeit sieht sicherlich anders aus. Insofern kann man seine Skepsis durchaus verstehen. Die Gefahr, dass er sich in den Länderspieleinsätzen verletzen könnte, wäre allerdings weitaus dramatischer. Insofern ist es mehr als verständlich, dass Bundestrainer Löw auf einen Einsatz des Nationaltorhüters verzichtet hat.