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Marcel Schuhen

Marcel Schuhen: Druck macht ihn besser

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Unumstritten war Sandhausens Schlussmann Marcel Schuhen in den vergangenen Wochen nicht. Immer wieder führten kleine Patzer des Keepers dazu, eine Torwart-Diskussion beim Zweitligisten zu entfachen. Diese Zweifel wollte er wohl am vergangenen Samstag im Spiel beim 1. FC Nürnberg endgültig ausräumen. Ein halbes Dutzend hochkarätiger Chancen der Nürnberger vereitelte der 24-jährige Keeper. Mit einigen starken Reflexen auf der Linie verhinderte Schuhen eine frühzeitige und möglicherweise deutliche Niederlage gegen den Aufstiegs-Aspiranten 1. FC Nürnberg. Dass die Nordbadener dennoch mit 2:0 verloren, ist jedenfalls nicht dem Schlussmann anzurechnen.

Marcel Schuhen am 20.03.2017Erst vor der laufenden Saison war Marcel Schuhen vom Drittligisten Hansa Rostock nach Sandhausen gekommen. Sandhausens Ersatztorwart Rick Wulle hatte sich einen Kreuzbandriss zugezogen und fiel langfristig aus. Deshalb mussten die Nordbadener handeln. Sie verpflichteten Marcel Schuhen, der ablösefrei von Hansa Rostock zu bekommen war und am Hardtwald einen Zweijahresvertrag bis 2019 unterschrieb. Damit fanden die Verantwortlichen in Sandhausen eine gute Lösung, um einen Konkurrenzkampf mit dem bisherigen Stammtorwart Marco Knaller zu entfachen. Denn in den zwei Jahren bei den Hanseaten hatte sich Schuhen als einer der besten Torhüter in der dritten Liga entpuppt. Ausgebildet wurde Schuhen ab 2006 in der Jugend des 1. FC Köln. Im Sommer des Jahres 2012 wurde er als dritter Torwart hinter Timo Horn und Thomas Kessler in den Kader der Profimannschaft aufgenommen, absolvierte aber in dieser Zeit ausschließlich Regionalliga-Spiele, 63 an der Zahl. Für das Profiteam kam er nie zum Einsatz. Weil er keine Perspektive im Profiteam sah, schloss er sich im Sommer 2015 dem Drittligisten Hansa Rostock an. Auf Anhieb konnte er sich gegen Johannes Brinkies, der bisherigen Nummer eins bei den Hanseaten, durchsetzen und überzeugen. Schuhen kam in der 3. Liga auf 96 Einsätze und stand in der vergangenen Saison in allen 37 Spielen zwischen den Pfosten.

Ali Ibrahimaj und Marcel Schuhen im Dialog beim Spiel SV Sandhausen gegen den FC St. Pauli am 23.10.2017 in der 2. Fussball BundesligaSeit dem Sommer steht er nun im Tor des badischen Zweitligisten. Einfach war sein Einstieg in Sandhausen nicht. Immerhin traf er dort auf Marco Knaller, der seit 2015 die unumstrittene Nummer eins am Hardtwald war und eine sehr ordentliche Saison abgeliefert hatte. So blieb bis zuletzt offen, für wen der beiden Torhüter sich Cheftrainer Kenan Kocak im ersten Saisonspiel entscheiden würde. „Wir sind froh, dass wir mit Marco Knaller und Marcel Schuhen zwei richtig gute Torhüter haben“, ließ Kocak verlauten. Erst wenige Stunden vor dem Spiel verkündete der Trainer seine Entscheidung. Seine Wahl war auf Marcel Schuhen gefallen. "Ich stelle zwar niemandem einen Freibrief aus, aber erst mal wird Schuhen im Tor stehen", stellte Kocak aber klar. Betont selbstbewusst gab sich Schuhen nach dem 2:2 in Kiel. Er sei nicht überrascht gewesen, dass er den Vorzug erhalten habe, erklärte der 24-jährige Westerwälder, "das war mein Anspruch, darauf habe ich in der Vorbereitung hingearbeitet." Bereits zuvor hatte ihm Cheftrainer Kocak gegenüber der Presse bescheinigt, dass er fußballerisch "etwas stärker" sei als der Rivale.

Die Enttäuschung bei Marco Knaller war erwartungsgemäß groß. Der untadelige Sportsmann hatte am Anfang seiner Zeit in Sandhausen zwei Spielzeiten hinter Manuel Riemann auf der Bank gesehen, nachdem ihn Alois Schwartz 2013 nach Sandhausen geholt hatte. Umso schöner war es für den Wiener, als er vor zwei Jahren Stammtorwart wurde und schnell zu einem der Publikumslieblinge am Hardtwald aufstieg. Mit guten Leistungen ließ er Riemann schnell vergessen und wurde von Kicker zu Recht als einer der besseren Torhüter in der zweiten Liga eingestuft. Und nun dieses. Einen endgültigen Knacks gab es für den Österreicher im Pokalspiel in Schweinfurt. Ein schlimmer Fehler des Keepers führte zur 1:2-Niederlage beim Viertligisten und dem vorzeitigen Pokal-Aus. Der Frust saß bei ihm so tief, dass er den SV Sandhausen nach vier Jahren in Richtung Ingolstadt verließ.

Marcel Schuhen gegen Erich Berko

Nun war der Weg endgültig frei für Marcel Schuhen. Doch er konnte in den folgenden Spielen das Vertrauen des Trainerteams nicht uneingeschränkt zurückzahlen. Mehrmals leistete er sich kleine, aber spielentscheidende Patzer. Und möglicherweise war nur die fehlende Alternative aufgrund des Abgangs von Marco Knaller der Grund dafür, dass er nicht ins zweite Glied zurückgestuft wurde. Mit seiner großartigen Leistung in Nürnberg hat er vorerst seine Kritiker ruhiggestellt. Für die Nordbadener wäre es wichtig, dass Schuhen sein Leistungsvermögen noch möglichst oft abrufen kann. Denn die Kurpfälzer wurden nach anfänglichen Spitzenplätzen in der Tabelle mehr und mehr nach hinten durchgereicht. Im Moment ist die Situation bedrohlicher, als es auf den ersten Blick scheint. Zwar steht Sandhausen als Tabellen-Zehnter scheinbar noch gut da. Betrachtet man die Situation aber genauer, stellt man fest, dass der SV Sandhausen vom SV Darmstadt 98 auf dem Relegationsplatz nur noch drei Punkte entfernt ist. Für den Verein ist deshalb nur zu hoffen, dass Schuhen weiterhin in der Spur bleibt. Die Kritik in den letzten Wochen scheint ihn eher besser gemacht zu haben. "Ich mag Kritik", sagte Schuhen nach dem Spiel in Nürnberg in die Mikrofone, "und ich mag Druck." Mal sehen, ob er dieser Selbsteinschätzung standhält, sollte sich der Druck in Sandhausen vergrößern. Mit den kommenden Heimspielen gegen Arminia Bielefeld und Holstein Kiel stehen jedenfalls alles andere als leichte Aufgaben für die Nordbadener an.