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Michael Rensing

Michael Rensing: Spätes Glück bei der Fortuna

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Eigentlich war seine Karriere schon in jungen Jahren vorgezeichnet. Michael Rensing sollte der direkte Nachfolger von Oliver Kahn im Bayern-Tor werden. Bereits am 21. Februar 2004 gab der damals 19-Jährige sein Bundesliga-Debüt, als Oliver Kahn mit Rückenproblemen ausfiel. Es sollte nicht der einzige Einsatz des jungen Torwart-Talents in der Ära Kahn bleiben. Bis zum Rücktritt des 3–maligen Welttorhüters am Ende der Saison 2007/08 hatte Rensing immerhin schon 36 Pflichtspiele für die Münchener absolviert. Für den damaligen Bayern-Manager Uli Hoeneß stand deshalb fest: „Lehmanns Nachfolger in der Nationalelf wird auf jeden Fall Rensing und sonst keiner. Da können sich alle anderen auf den Kopf stellen“, sagte Hoeneß und fügte an, dass der damalige Bayern-Ersatztorwart hinter Jens Lehmann und Oliver Kahn der drittbeste deutsche Torhüter sei.

Doch manchmal kommt es im Leben anders als man denkt. So war das auch bei Michael Rensing. Als Jürgen Klinsmann 2008 Cheftrainer der Bayern wurde, setzte er zunächst auf das Torwart-Talent, das meist solide Leistungen zeigte, aber nicht frei war von Patzern. Deshalb blieb der junge Keeper nicht erste Wahl bis zum Saisonende.

Michael Rensing gibt Anweisungen beim 2. Bundesligaspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Dynamo Dresden am 04.11.2016Auch bei Klinsmanns Nachfolger, dem Niederländer Louis van Gaal, durfte Rensing die ersten drei Bundesliga-Spiele absolvieren. Nach einem 1:2 in Mainz flog er aber wieder aus der ersten Elf und wurde durch Hans-Jörg Butt ersetzt. Im Januar 2010 kam Rensing zu seinem letzten Einsatz für das Münchener Starensemble, denn im Juni 2010 wurde sein Vertrag in München aufgelöst. Ein halbes Jahr Arbeitslosigkeit folgte, bevor ihn im Dezember der 1.FC Köln verpflichtete. Schnell wurde Rensing zum Stammtorhüter und überzeugte mit hervorragenden Leistungen, die aber auch nicht den Abstieg des Rheinländer verhindern konnten. Da seine Gehaltsvorstellungen für den Absteiger 1.FC Köln nicht angemessen waren, kam kein neuer Vertrag für die zweite Liga in Köln zustande. Kurz vor Ablauf der Transferperiode kam er aber noch als Nummer zwei hinter Bernd Leno beim rheinischen Nachbarn Bayer Leverkusen für ein Jahr unter. Zur Saison 2013/14 wechselte Rensing zum Zweitligisten Fortuna Düsseldorf, bei dem er einen bis zum 30. Juni 2015 gültigen Vertrag unterzeichnete. Was zunächst wie eine neue große sportliche Chance aussah, entpuppte sich als weiterer Tiefschlag. Vor dem ersten Ligaspiel teilte ihm der damalige Fortuna-Cheftrainer Mike Büskens mit, dass er nur die Nummer zwei hinter Fabian Giefer sei. Wutentbrannt soll er daraufhin die Esprit-Arena verlassen haben. Von einer möglichen Freistellung bis hin zu einer Suspendierung war in den folgenden Tagen die Rede. Gut für die Fortuna, dass Micheal Rensing trotz all dieser Turbulenzen ein Düsseldorfer geblieben ist. Denn nach einer enttäuschenden Anfangszeit, in der er fast gar nicht zum Einsatz kam, überzeugte er seit seiner zweiten Saison in Düsseldorf mit guten Leistungen und mauserte sich zur unumstrittenen Nummer eins bei Fortuna Düsseldorf.

In der laufenden Saison 2016/17 gehört der Schlussmann der Fortuna zweifellos zu den besten Torhütern der zweiten LigaIn der laufenden Saison 2016/17 gehört der Schlussmann der Fortuna zweifellos zu den besten Torhütern der zweiten Liga, vielleicht ist er sogar momentan deren bester. Trotz seiner inzwischen 32 Jahre ist Rensing immer noch enorm reaktionsschnell und überragend im Eins-gegen-eins. In früheren Zeiten war er häufig dem Vorwurf ausgesetzt, in fußballerischer Hinsicht nicht modernen Ansprüchen zu entsprechen. Doch auch in den Fuß zurückgespielte Bälle verarbeitet er inzwischen mit großer Ruhe und Souveränität. Er scheint richtig glücklich geworden zu sein in der Landeshauptstadt, denn vor kurzem verlängerte er seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2019. „Es ist alles stimmig bei Fortuna", sagte er bei der Vertragsunterzeichnung. „Ich laufe gern in die Arena ein, ich liebe diese Stadt, diese wundervollen Fans. Bei diesem Gesamtpaket gab es für mich nichts zu überlegen." Und auch Trainer Friedhelm Funkel ist begeistert von seinem Leistungsträger: „Michael ist für unser junges Team ein fantastischer Rückhalt, der mit seiner ganzen Erfahrung eine Menge Ruhe ausstrahlt.“ Für die Fans ist er inzwischen zu einer Leitfigur geworden. Es ist ein guter Brauch, dass Fortunas Fans den Namen des Torhüters bereits skandieren, wenn er vor Spielbeginn in seinen Kasten läuft.