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Mitchell Langerak

Mitchell Langerak: Abschied eines Aufstiegshelden

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Kurz vor dem Ende des Transferfensters kam es doch noch zu einem überraschenden Coup: Mitch Langerak, der Aufstiegstorhüter der vergangenen Saison beim VfB Stuttgart, verlässt den Verein in Richtung Spanien zum UD Levante für eine Ablösesumme von rund 800 000 Euro. Er unterzeichnete bei den Spaniern einen Zweijahresvertrag. Seit Tagen zeichnete sich schon ab, dass der letztjährige Stammkeeper die Schwaben verlassen würde. Um den Wechsel nach Spanien in Ruhe vorbereiten zu können, war der 29 Jahre alte Nationalspieler Australiens von seinem Auswahltrainer bereits für das WM-Qualifikationsspiel gegen Japan am Donnerstag freigestellt worden.

Die Verpflichtung von Ex-Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler

Die Enttäuschung muss für Langerak groß gewesen sein, als er erfuhr, dass der Bundesliga-Aufsteiger noch unter dem alten Sportvorstand Jan Schindelmeister in der Sommerpause völlig überraschend Ex-Nationalspieler Ron-Robert Zieler aus der Premier League verpflichtet hatte und damit dem Australier eine bittere Pille verabreichte. Langerak hatte wohl fest damit gerechnet, dass die Verantwortlichen in Stuttgart weiterhin auf seine Künste bauen würden, weil er vor allem in der Schlussphase der vergangenen Saison mit großartigen Leistungen dazu beigetragen hatte, dass der Aufstieg der Schwaben Realität wurde. Aber das Vertrauen der Entscheidungsträger war wohl nicht groß genug. Deshalb griffen sie zu, als Ex-Nationaltorhüter Zieler auf dem Markt zu haben war. Ca. vier Millionen Euro ließen sich die Schwaben diesen Wechsel kosten. Allein die Höhe der Ablösesumme war schon ein dezenter Hinweis darauf, dass beim VfB Stuttgart eine Veränderung auf der Torwartposition ins Auge gefasst wurde.

Nicht noch einmal die Ersatzbank

Selbstverständlich sprachen die Stuttgarter Verantwortlichen immer wieder von einem „fairen Zweikampf“ zwischen den beiden Torhütern. Langerak hatte die Gefahr seiner Ablösung bereits frühzeitig erkannt und beendete deshalb seinen Urlaub nach dem Confed-Cup, an dem er mit der australischen Nationalmannschaft teilnahm, schon vorzeitig, um sich bei der Entscheidung um die Position zwischen den Pfosten nicht von vornherein in eine schwächere Position zu bringen. Aber spätestens zu dem Zeitpunkt, als Trainer Hannes Wolf dem Neuzugang aus Leicester nach einem „engen Rennen“ im DFB-Pokalspiel in Cottbus das Vertrauen aussprach, wusste er, dass er sich nun auch in Stuttgart möglicherweise wieder auf einen Leben auf der Ersatzbank einstellen musste. Die Entscheidung war gegen ihn gefallen. Diese Situation hatte er aber bereits fünf Jahre lang bei Borussia Dortmund hinter Roman Weidenfeller und nach seinem Wechsel zum VfB Stuttgart zur Saison 2015/16 erlebt, als er nach einer Verletzung im Training bereits in der Vorbereitung den Kampf gegen den Polen Przemyslaw Tyton um die Position als Nummer eins verloren hatte. Weil sich Mitch Langerak mit seiner neuen Rolle als Ersatzspieler beim VfB nicht anfreunden konnte, sucht er nun sein Glück in Spanien. Wohl um seine Verdienste wissend, wollten ihm die VfB-Verantwortlichen auf seinem weiteren Weg keine Steine in den Weg legen: „Mitch hat sich als einer der Eckpfeiler bei der Rückkehr in die Bundesliga um den VfB Stuttgart verdient gemacht. Er hatte verständlicherweise Probleme, sich mit der Rolle als Nummer 2 anzufreunden. Wir haben diesem Wechsel nur auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin zugestimmt", begründet Sportvorstand Michael Reschke die Freigabe für den Keeper.

Mitchell Langerak im Juli 2017 im Trainingslager in Grassau.

Ein weiterer Gesichtspunkt spielte wohl für den Wechsel Langeraks zu Levante eine Rolle. Um im nächsten Jahr bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland für das Aufgebot der australischen Nationalmannschaft nominiert zu werden, braucht der 1,92 m-Hüne durch Spielpraxis einen Nachweis seiner Leistungsfähigkeit. Diesen hätte er wohl beim VfB Stuttgart schwerlich erhalten. Mit 29 Jahre wird Langerak aber wohl kaum ein zweites Mal die Chance erhalten, bei diesem Weltturnier dabei zu sein.

Schwer fallen wird dem Australier vor allem der Abschied von den Fans, die den sympathischen Torhüter besonders gegen Ende der abgelaufenen Saison fest in ihr Herz geschlossen hatten. Durch spielentscheidende Paraden war er zum Publikumsliebling aufgestiegen. Deshalb galten seine Abschiedsworte vor allem den Anhänger der Stuttgarter: "Ich möchte mich bei den VfB Fans für die wunderbare Unterstützung in den vergangenen beiden Jahren bedanken. Dass sie uns geholfen haben, in die Bundesliga zurückzukehren, werde ich immer in bester Erinnerung behalten."