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Philipp Tschauner

Philipp Tschauner: Abstoß kurios gelöst

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Eine solch kuriose Szene ereignet sich im Spitzenfußball nur selten. Vielleicht gab es sie bisher sogar noch gar nie. Der Akteur in dieser Aktion war Hannovers Schlussmann Philipp Tschauner im Spiel am Samstag gegen den FC Augsburg. Sein verunglückter Abschlag landet im eigenen Toraus. Was war genau geschehen?

Es ist die 29. Minute. Hannovers Schlussmann Philipp Tschauner tritt zur Ausführung eines Abstoßes an. Er will den Ball in Richtung seines Mitspielers Waldemar Anton spielen, der sich, von Tschauner aus gesehen, auf der rechten Seite außerhalb des Strafraumes ungefähr drei Meter vor der Torauslinie postiert hat, da die Augsburger Stürmer hoch pressen. Der 31-jährige Schlussmann täuscht zunächst einen langen Abschlag an, dreht aber im letzten Moment nach rechts ab, um seinen Mitspieler mit dem rechten Fuß anzuspielen. Da er aber bei der Ausführung des Abstoßes gleichzeitig das Verhalten des gegnerischen Spielers im Auge behalten muss, erwischt er den Ball so unglücklich, dass dieser ins eigene Toraus rollt und es somit Ecke für die Augsburger gibt. Diese Panne beweist, dass Fehler besonders oft passieren, wenn man mehrere Gedanken gleichzeitig denkt. Auf das große Gelächter im Stadion musste Hannovers Schlussmann nicht lange warten. Aber der 96-Keeper machte das einzig Richtige, er lächelte seinen Fauxpas einfach weg. Auch nach dem Spiel kommentierte er die Szene mit Humor. „Da hab ich gedacht, ich will unbedingt mal auf Facebook oder YouTube damit", sagte er. „Ich weiß auch nicht, ob das schon mal ein Torwart geschafft hat." Häufiger Aufrufe der Abstoß-Panne bei YouTube und Kommentaren bei Facebook kann er sich sicher sein. Schwieriger ist eine Antwort auf die Frage, ob diesen Slapstick schon jemand vor ihm geschafft hatte.

Mindestens so interessant wie der Vorfall selbst aber ist die Regel, die in dieser Situation zur Anwendung kommt. Wenn der Ball nämlich etwas früher noch innerhalb des Strafraums die Torauslinie überquert hätte, wäre der Abstoß wiederholt worden. Denn die Regel besagt, dass der Abstoß erst dann ausgeführt ist, wenn der Ball den Strafraum verlässt. Konkret heißt es in Regel 16 ("Abstoß"): „Wenn der Ball beim Abstoß nicht direkt aus dem Strafraum hinaus gespielt wird, wird der Abstoß wiederholt." Da der Ball aber gut einen Meter hinter der Strafraumgrenze die Torauslinie passierte, gab es folgerichtig Eckstoß.

Das Schöne an diesem Vorfall ist: Durch Philipp Tschauners Patzer hat sich unser Fußball-Wissen um eine interessante Regel erweitert. Und Gott sei Dank schaffen es die meisten Medien, dem 96-Schlussmann, der insgesamt ein gutes Spiel ablieferte, nicht aufgrund dieser Szene die Bundesliga-Tauglichkeit abzusprechen. Tschauners einziger Fehler bestand nämlich darin, dass er zur Spieleröffnung den falschen Fuß wählte. Anstatt den Ball mit dem linken Fuß nach rechts zum Mitspieler zu spielen, wählte er aus einer Drehung heraus den rechten Fuß, um den Adressaten des Balles für die gegnerischen Stürmer unberechenbarer zu machen. Im Nachhinein sicherlich eine falsche Entscheidung. Man sollte den Patzer so nehmen, was er nun einmal ist: Ein allzu menschliches Malheur!