GoalGuard.de

Rene Adler

Rene Adler: Abschied ohne Plan B

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Die gute Nachricht ist gerade mal zwei Tage her. Der HSV hatte sich im letzten Moment aus der Abstiegs-Schlinge gerettet. Gestern kam die weniger gute Nachricht hinterher. Rene Adler hat den HSV-Verantwortlichen mitgeteilt, dass er seinen am 30.06. auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird und somit eine fünf Jahre dauernde Liaison zu Ende geht. 117 Bundesligaspiele absolvierte er für die Norddeutschen, nachdem er im Sommer 2012 ablösefrei aus Leverkusen gekommen war.

Rene Adler verabschiedet sich zusammen mit seiner Mannschaft nach dem 0:0 in Frankfurt von ihren Fans.

Der langjährige HSV-Leistungsträger hat nun also für sich alleine so entschieden. Etwas überraschend ist seine Entscheidung, weil der 32-jährige Ex-Nationaltorhüter nach einigen Angaben noch „keinen Plan B“ in petto hat und somit noch nicht weiß, wo er nach der Sommerpause spielen wird, weil „noch keine Gespräche mit anderen Vereinen“ stattgefunden haben. Nun ist es nichts Ungewöhnliches, dass gemeinsame sportliche Wege irgendwann einmal zu Ende gehen können, zumal am Vertragsende. Unüblich ist aber Adlers Vorgehensweise, seinen Entschluss über Facebook bekanntzugeben, anstatt die offiziellen Verlautbarungen des Vereins abzuwarten. In seinem Posting begründete er sein Vorgehen damit, dass die Fans seine Entscheidung zuerst von ihm erfahren sollten. Er selbst ist sich durchaus der Außergewöhnlichkeit seines Weges bewusst:

Mir ist klar, dass diese Art der Entscheidung im Fußballgeschäft unüblich ist, aber mir waren in meiner ganzen Karriere Rückgrat und Selbstbestimmung immer sehr wichtig!

Rene Adler

Es darf spekuliert werden, warum Adler diesen spontanen Weg ohne Sicherheitsnetz eingeschlagen hat. Seine im Text verwendeten Begriffe „Rückgrat“ und „Selbstbestimmung“ könnten ein Schlüssel zur Erklärung für seine Entscheidung sein. Dass sich Adler in der Stadt Hamburg zusammen mit seiner Frau „pudelwohl“ fühlt, diese Stadt inzwischen zu seiner Heimat geworden ist und auch nach seiner sportliche Karriere werden wird, hatte Rene Adler bereits früher und jetzt noch einmal in seinem Facebook-Posting betont. Mit seinen herausragenden Fähigkeiten und seiner zugänglichen Art hat sich der gebürtige Leipziger darüber hinaus über die ganzen Jahre unbestritten in die Herzen der Fans gespielt. Das Paket Adler und HSV schien für weitere Spielzeiten zu passen.

Rene Adler im Spiel gegen den FC Bayern München am 25.02.2017Doch obwohl man beim HSV um die Qualitäten des 32-Jährigen weiß, war eine Vertragsverlängerung spätestens seit der Verpflichtung von Sportchef Jens Todt noch ungewiss. Die Gespräche seines Vorgängers Dietmar Beiersdorfer hatte er jedenfalls auf Eis gelegt. Mögliche Gründe dafür könnten Adlers Verletzungsanfälligkeit und dessen Jahresgehalt von 2,7 Millionen Euro gewesen sein. Sicherlich viel Geld für einen seit Jahren am Tropf des HSV-Mäzen Michael Kühne hängenden Vereins. Für einen neuen Vertrag hätte Adler wohl deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssen. Hinzu kommt, dass sein Vertreter Christian Mathenia besonders in der Endphase des Abstiegskampfes hervorragende Leistungen abgeliefert hat, so dass sich die HSV-Verantwortlichen durchaus eine Zukunft mit dem jüngeren 25-jährigen Ex-Darmstädter als Nummer eins im Tor der Hanseaten vorstellen können.

Torwart Rene Adler beim Fussball Bundesligaspiel zwischen Borussia Moenchengladbach und dem Hamburger SV am 15.10.2016.Nur die Beteiligten wissen, wie die Vertragsverhandlungen zwischen den beiden Parteien wirklich verlaufen sind. Durchaus denkbar in der oben beschriebenen Konstellation aber ist, dass sich die Wertschätzung der HSV-Verantwortlichen gegenüber Rene Adler in Grenzen hielt und sie dem 32-Jährigen unter dem Druck der Situation einen Vertrag angeboten haben, den er so nicht annehmen wollte. Irgendetwas muss ihn jedenfalls das Gefühl gegeben haben, dass er „Rückgrat“ beweisen und für sich selber die Reißleine ziehen muss. Die HSV-Fans aber haben nicht vergessen, dass Rene Adler mit seinen außergewöhnlichen Leistungen einer der Garanten dafür war, dass der HSV in den vergangenen Jahren den Abstieg immer wieder verhindern konnte. An besten Wünschen für seine weitere Zukunft mangelt es auf seiner Facebook-Seite jedenfalls nicht. Mal sehen, wo Adler seine neue sportliche Heimat finden wird.