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Rene Adler

Rene Adler: Der HSV ohne den Leistungsträger

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Der Hamburger SV befindet sich wohl in der schwierigsten Phase seiner Vereinsgeschichte. Mit zwei Punkten aus zehn Spielen steht der Dino der Bundesliga am Ende der Bundesliga-Tabelle. Zum Relegationsplatz sind es bereits fünf Punkte. Ausgerechnet jetzt fällt mit Rene Adler der Spieler aus, auf den sich der Verein immer verlassen konnte und der Woche für Woche gute Leistungen ablieferte. Der 31-jährige ehemalige Nationaltorwart war in der vergangenen Woche in einer Trainingseinheit so unglücklich auf den Ellenbogen gefallen, dass er sich dabei eine Schleimbeutelentzündung zuzog. Nun muss diese Entzündung im Ellenbogen operativ entfernt werden. „Eine Operation ist unumgänglich. Damit wird er wohl bis Ende der Hinrunde ausfallen", erklärte Coach Markus Gisdol auf der Pressekonferenz vor dem schweren Auswärtsspiel in Hoffenheim. René Adler wird also in diesem Jahr nicht mehr zum Einsatz kommen. Neben dem sportlichen Tief kommt beim Hamburger SV nun also noch Verletzungspech hinzu.

Mit Rene Adler fällt nicht nur irgendein Spieler der Teams aus. Der Ex-Nationaltorhüter ist absoluter Leistungsträger beim HSV. Für die Sportzeitschrift „Kicker“ war er in der vergangenen Saison sogar der Torhüter mit der besten Durchschnittsnote aller Bundesliga-Keeper. Und auch in der laufenden Saison ist er nach der „Kicker“-Beurteilung der mit Abstand beste Spieler im HSV-Kader.

Aber nicht nur auf dem Platz ist Rene Adler immens wichtig für den HSV, sondern auch neben dem Platz. Er ist einer der wenigen Spieler im HSV-Kader, die den Charaktertest bestehen und sich gegen drohende Niederlagen aufbäumen. Dass das nicht bei allen HSV-Spielern der Fall ist, ließ Adler nach der 0:3-Debakel gegen Eintracht Frankfurt am 8.Spieltag durchblicken, als er sein Gefühlslebens in einer Weise öffnete, die man von ihn ansonsten nicht gewohnt ist. Enttäuscht über die Leistung seines Teams äußerte er sich nach dem Spiel ungewohnt klar vor der Kamera des TV-Senders Sky: „Wir lassen uns da abschlachten und ergeben uns – und das geht nicht. Eigentlich habe ich keine Lust, immer das Arschloch zu sein, das alles erklären muss. Ich habe keinen Bock, mich nach jedem Spiel auspfeifen zu lassen, das kotzt mich an. Das kann man einfach als Bundesliga-Mannschaft nicht machen. Wir haben alles vermissen lassen, was man braucht, um in der Bundesliga zu gewinnen.“

Trotz der schwierigen Situation in der abgelaufenen Saison konnte sich der 31-jährige Keeper vor Monaten eine vorzeitige Verlängerung seines bis zum 30. Juni 2017 laufenden Vertrages beim HSV vorstellen. Von weiteren möglichen "fünf, sechs Jahren" war sogar zu hören. Allerdings standen zum Zeitpunkt dieser Aussagen die Zeichen für die Hanseaten noch anders. Nachdem der HSV in den letzten drei Jahren zweimal in der Relegation spielte und sich auch in der vergangenen Saison erst in der Schlussphase auf den 10. Tabellenplatz retten konnte, schien vor der aktuellen Saison eine Besserung in Sicht. Rene Adler sah den HSV auf einem langen Weg, dessen Ende "nicht von heute auf morgen zu erreichen ist". Man befinde sich noch "in der Findungsphase", äußerte der ehemalige Nationaltorwart. Für die Zukunft setzten sich er und der Verein hohe Ziele: „Wir wollen mittel- und langfristig wieder ins europäische Geschäft“, ließen beide Seiten vorlauten. Die Erwartungen waren im Verein groß, weil Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer im Sommer 30 Millionen Euro in das Team stecken durfte. Inzwischen setzt sich die bittere Erkenntnis durch, dass die Norddeutschen von diesem Ziel momentan um Lichtjahre entfernt sind. Nicht wenige Experten vermuten eher, dass der HSV am Saisonende zu den Vereinen gehören könnte, die absteigen.

Dass Rene Adler nun in dieser entscheidenden Phase ausfällt, ist bitter für die Hamburger, denn bis zur Winterpause stehen Weg weisende Spiele an. Besonders die Partien gegen direkte Konkurrenten in der Abstiegszone – zu Hause gegen Werder Bremen und den FC Augsburg sowie auswärts in Darmstadt - werden darüber entscheiden, in welche Richtung sich der Traditionsklub bewegen wird. Ihren Leistungsträger Rene Adler werden sie dabei schmerzlich vermissen. Ob Adler bei einer weiteren Talfahrt auch die nächsten Jahre dem Kader der Norddeutschen angehört, wird sich zeigen. Seine Geduld scheint jedenfalls kleiner geworden zu sein.