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Roman Bürki

Roman Bürki: BVB setzt ein starkes Zeichen

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Roman Bürki hat schwierige Wochen hinter sich. Seit dem Champions-League-Spiel in London gegen Tottenham ist die Medienwelt förmlich auf der Suche nach Patzern des Schweizer Nationaltorhüters, nicht immer zu Recht (siehe Artikel Roman Bürki: Seine „Fehler unter der Lupe“). Aber besonders sein Doppelpatzer in der Champions League bei APOEL Nikosia (1:1) befeuerten die Diskussionen um seine Person noch einmal. Ausgerechnet zu diesem schwierigen Zeitpunkt stärkte ihm sein Klub Borussia Dortmund den Rücken und verlängerte den zuvor bis 2019 datierten Vertrag um weitere zwei Jahre bis 2021. Der 26-jährige Schlussmann, der seit Sommer 2015 für den achtmaligen deutschen Meister spielt, zeigte sich beeindruckt vom Verhalten der BVB-Verantwortlichen: „Ich bin sehr glücklich über das Vertrauen, das mir Borussia Dortmund in einer für mich durchaus schwierigen Phase entgegenbringt – und ich bin sehr froh und stolz, im Tor dieser tollen Mannschaft zu stehen, der ich alles unterordne."

Teils unfaire Kritik

Bürki, der 2015 nach 34 Bundesliga-Einsätzen für den SC Freiburg nach Dortmund gewechselt war und fester Bestandteil des Schweizer Nationalmannschaft ist, bestritt für den BVB bislang 68 Erstliga- sowie 14 Europapokal-Partien. In diesem Sommer gewann er mit der Borussia den DFB-Pokal. Mit teils hervorragenden Leistungen trug er nicht unwesentlich zu den Erfolgen der Borussia bei. Nach einigen Wacklern in der Anfangszeit beim BVB stabilisierte er sich in der vergangenen Saison und war stets ein sicherer Rückhalt. „Ich bin glücklich über die Entwicklung von Roman, explizit seit der Sommerpause“, ließ Ex-Coach Thomas Tuchel in der vergangenen Saison verlauten. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung nannte ihn gar „die Versicherung der Gesetzlosen“, weil seine Vorderleute ihn ihrem Vorwärtsdrang manchmal die Absicherung nach hinten vergaßen, wohl auch im Bewusstsein, dass in ihrem Tor einer stand, der schwer zu bezwingen war. Das Blatt wendete sich, seit ihn einige Experten bei der 3:1-Niederlage im Champions-League-Spiel gegen Tottenham als einen der Hauptschuldigen ausmachten und ihm zwei der drei Gegentreffer anlasteten. Die Ruhrpott-Zeitung „Der Westen“ erteilte ihm in der Spielerbewertung gar die Note „5“. Die Kritik an seiner Leistung empfand er manchmal als unfair: „Es gibt immer Menschen, die versuchen, etwas Negatives zu finden, die versuchen, mich zu kritisieren", sagte er im Gespräch mit der Sportzeitung Reviersport. „Aber wenn man das große Ganze anschaut, dann überwiegt das Positive."

Roman Bürki ist vor Ante Rebic sicher am Ball

Vertragsverlängerung bis 2021

Diese Betrachtungsweise teilen wohl auch die Dortmunder Verantwortlichen. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke äußerte gegenüber der BILD: „Er ist und bleibt unsere Nummer 1. Dass er gerade mal eine etwas schwächere Phase durchmacht, ist normal. Das erlebt jeder Torhüter mal. Wir sind voll überzeugt von Roman.“ Deshalb verlängerten sie den Vertrag des Schweizer Nationaltorhüters trotz aller Unkenrufe. Offiziell soll der Zeitpunkt der Verlängerung auch nichts mit der Formkrise des Schweizers zu tun haben, denn nach Darstellung Watzkes liefen die Gespräche schon länger. Mit der Verlängerung des Vertrages setzt der BVB jedenfalls ein deutliches Zeichen, dass sie an den Schweizer glauben und ihm so vielleicht aus seinem Leistungstief helfen. Diesen Eindruck vermittelte auch Sportdirektor Michael Zorc: „Roman passt sportlich und menschlich hervorragend zu Borussia Dortmund", und fügte hinzu: "Wir mögen seinen Spielstil, sehen bei ihm ein großes Entwicklungspotenzial und gehen fest davon aus, dass er das, was in ihm steckt, schon bald wieder konstant abrufen wird."

Bürki sachlich analysiert

Und Potenzial steckt in dem Schweizer genügend. Laut den erfassten statistischen Werten von Ligainsider.de wehrte Bürki am drittmeisten Schüsse aller Bundesliga-Torhüter ab (78,8 % aller Torschüsse). Bei abgefangenen Flanken nimmt er hinter Oliver Baumann (TSG Hoffenheim) den zweiten Platz ein. Einen Spitzenplatz belegt er in der Strafraumbeherrschung sowie bei der Anzahl der Zu-Null-Spiele. In fünf von neun Bundesligaspielen blieb er ohne Gegentor. Von enormer Bedeutung für das Spielsystem der Borussen sind aber vor allem auch seine fußballerischen Fähigkeiten, die zur gehobenen Klasse in der Bundesliga gehören. Bei einer genaueren Betrachtungsweise konnte man sich von der Wichtigkeit Bürkis für das Dortmunder Spiel selbst bei der besagten 3:1-Niederlage gegen Tottenham überzeugen. 61 Ballkontakte standen am Ende des Spiels zu Buche, ein überaus hoher Wert. Sie zeigen, wie stark Bürki in das Mannschaftsspiel integriert ist.

Welchen hohen Stellungwert seine fußballerischen Fertigkeiten im BVB-Spiel haben, wird anhand der Grafik deutlich. 80 % aller Aktionen Bürkis bestanden beim Spiel in London in der Verarbeitung von Rückpässen. Die Dortmunder spielen unter Trainer Peter Bosz das früher für die niederländische Nationalmannschaft sowie für Ajax Amsterdam typische Spiel. Wenn der Ball vom Gegner erobert wird und die gegnerischen Spieler sofort ins Gegenpressing gehen, wird der Ball zum Torhüter zurückgespielt. Auf die Weise wird das Spiel beruhigt und neu geordnet. Schnelle Ballverluste nach Balleroberung sollen vermieden werden, indem der Torhüter als eine Art Libero Überzahl schafft und als sicherer Anspielpunkt fungiert. Diese Rolle füllte Roman Bürki optimal aus. Der von Bürki angesprochene Blick auf „das Ganze“ kommt in der heutigen Medienwelt leider oft zu kurz, Patzer sind auch für die Leser oder Zuschauer meist weitaus interessanter als eine sachliche Spielanalyse. Wenigstens scheint den Verantwortlichen der Borussia diese Betrachtungsweise nicht verloren gegangen zu sein. Mit der Vertragsverlängerung haben sie jedenfalls genau diesen Sachverstand bewiesen.