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Roman Weidenfeller

Roman Weidenfeller: Abschied von der Fußballbühne

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Am letzten Spieltag der zu Ende gehenden Bundesliga-Saison 2017/18 wird ein ganz Großer der Torwartgilde der vergangenen 15 Jahre Abschied nehmen von der großen Fußballbühne. Unter stürmischem Applaus wurde Roman Weidenfeller bereits im letzten Heimspiel am vergangenen Wochenende gegen Mainz von den BVB-Fans verabschiedet. Obwohl er schon seit geraumer Zeit die Nummer eins im Borussen-Tor an den Schweizer Nationalkeeper Roman Bürki abtreten musste, war das Verhalten der Fans eine außergewöhnliche Würdigung und Verbeugung für einen der besten deutschen Torhüter des vergangenen Jahrzehnts. Nach 16 Jahren mit einer Karriere voller Höhen und Tiefen wird Roman Weidenfeller im Alter von 37 Jahren seine sportliche Laufbahn bei seinem Herzensklub Borussia Dortmund beenden. „Wir haben gemeinsam so viel erlebt, so viel gefeiert, aber auch so viel gemeinsam durchlitten. Es war eine phantastische Zeit, die mein Leben geprägt hat und die ich nie vergessen werde“, beschreibt Weidenfeller diese Zeit.

Dem Verein über 16 Jahre die Treue gehalten

Im Jahre 2002 war Weidenfeller vom 1. FC Kaiserslautern zum frisch gekürten Deutschen Meister nach Dortmund gewechselt. Zunächst musste er sich mit der Rolle als Nummer zwei hinter Nationaltorwart Jens Lehmann begnügen. Erst mit Lehmanns Wechsel zu Arsenal London avancierte er zur Nummer eins im BVB-Tor. Eine Zeit voller Licht und Schatten begleitete ihn auf seinem weiteren sportlichen Weg. 2005 stand der Traditionsklub beinahe vor dem Bankrott. Seinen Leistungen blieben von der Unruhe im Umfeld des Vereins unberührt. 2004/2005 sowie 2005/2006 war er laut dem Sportmagazin „kicker“ der (noten-)beste Torhüter der Fußball-Bundesliga. An Angeboten anderer Vereine hatte es ihm in dieser schwierigen Phase der Borussen nicht gefehlt. Obwohl der weitere Weg des Traditionsklubs in dieser Zeit nicht absehbar war, verließ Weidenfeller das in Seenot geratene Vereinsschiff nicht. Seine Geduld im BVB-Dress wurde sollte sich auszahlen. 2011 errang er mit den Borussen die Meisterschaft und durfte 2012 sogar Meisterschaft plus Pokaltriumph feiern. Auch Bundestrainer Joachim Löw blieben seine überragenden Leistungen nicht verborgen. 2014 gehörte er als zweiter Torwart hinter Manuel Neuer zum Kader der deutschen Mannschaft, die bei der Weltmeisterschaft in Brasilien den Titel gewann. Er wurde Weltmeister ohne Einsatz. Auf seinen ersten Einsatz in der Nationalmannschaft. musste er hingegen lange warten. Obwohl er schon bei 1997 zum besten Torhüter der U17-Weltmeisterschaft gewählt worden war, stand er erst 2013 im Alter von 33 Jahren und 105 Tagen zu ersten Mal zwischen den Pfosten der DFB-Auswahl. Er war damit der älteste Torwart-Debütant seit Toni Turek (1950).

Immer im Dienste des Vereins

Auch wenn er inzwischen nicht mehr die Nummer eins im Tor der Borussen ist, an seiner körperlichen Fitness hat er bis zuletzt akribisch gearbeitet. Obwohl er nur noch wenig spielte, hat er an seiner Loyalität gegenüber Roman Bürki, der aktuellen Nummer eins im Borussen-Tor, nie einen Zweifel aufkommen lassen. Stets stand für ihn der Verein im Vordergrund. Seine impulsive und manchmal aufbrausende Art bei vermeintlichen Fehlentscheidungen gegen sein Team hat der gebürtige Pfälzer inzwischen abgelegt. Mit den Jahren ist er ruhiger geworden. „Ich glaube, dass für mich das gleiche gilt wie für einen guten Rotwein, der gereift sein muss, ehe er perfekt sein kann. Mit dem Alter kommt die Gelassenheit, und man geht ganz anders an die Dinge heran“, sagt er.

BVB würdigt seine außergewöhnlichen Leistungen

In der Rangliste aller BVB-Spieler mit den meisten Pflichtspiel-Einsätzen ist er auf Rang zwei geklettert. Mit 451 Pflichtspielen im schwarz gelben Trikot hat nur der aktuelle BVB-Sportdirektor Michael Zorc (561) mehr Spiele für die Dortmunder absolviert.

Ehre, wem Ehre gebührt, sagt ein Sprichwort. Borussia Dortmund honoriert seine außergewöhnlichen Leistungen für den Verein am Freitag, den 7. September, wenn der Ligabetrieb wegen einer Länderspielpause ruht, mit einem Abschiedsspiel. Das ist eine besondere Ehrerweisung für ihn. Denn Weidenfeller ist nach „Hobby“ Kurrat, Manfred Burgsmüller, Norbert Dickel, Michael Zorc, Jürgen Kohler und Dede erst der siebte Dortmunder Spieler, dem diese Ehre zuteil wird. Deutlicher kann man den Stellenwert, den Weidenfeller beim BVB genossen hat, nicht zum Ausdruck bringen. „Ich freue mich wahnsinnig darauf, in diesem Stadion, das mir mein Leben bedeutet hat, gemeinsam mit unseren außergewöhnlichen Fans Abschied zu feiern", sagt Weidenfeller. Auch nach dem Ende seiner sportlichen Karriere wird er ein Teil der Borussen-Familie bleiben, nämlich als Vereins-Botschafter.