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Ron-Robert Zieler

Ron-Robert Zieler: Ein Weltmeister kehrt zurück

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Erst im vergangenen Sommer war Ron-Robert Zieler nach dem Abstieg seines Ex-Klubs Hannover 96 zum damaligen englischen Überraschungs-Meister Leicester City gewechselt. Mit dem Wechsel hatte Zieler die Hoffnung verbunden, international im Blickfeld zu bleiben und so seinen Platz im Nationalteam von Bundestrainer Löw zu erhalten, mit dem er, allerdings ohne einen Einsatz, 2014 Weltmeister wurde. Die Erwartungen erfüllten sich aber nicht. Trotz einiger Einsätze (9 Spiele) konnte er sich letztlich nicht gegen seinen dänischen Konkurrenten Kasper Schmeichel durchsetzen, der eine überragende Saison für seinen Klub spielte.

Konkurrenz durch Mitch Langerak

Mitch Langerak im Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue im Mai 2017Deshalb beschäftigte sich der Ex-Nationaltorhüter bereits im Winter mit einem möglichen Wechsel. Obwohl einem Torhüter seiner Klasse einige Optionen offenstanden, entschied sich der Ex-Nationaltorhüter relativ schnell für den VfB Stuttgart. „Die Gespräche mit den Verantwortlichen des VfB waren sehr überzeugend, sie haben sich in diesen Gesprächen sehr um mich bemüht", sagte Zieler. Obwohl sich die Klubführung von Leicester zunächst hartnäckig einem Wechsel widersetzte, eisten die Schwaben den 28-jährigen Keeper für eine Ablösesumme von ca. vier Millionen Euro aus seinem bis 2020 laufenden Vertrag heraus und statteten ihn selbst mit einen Kontrakt mit derselben Laufzeit aus. Wie schwierig die Verhandlungen mit den Engländern waren, machte VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser deutlich: „Wir haben bereits vor Wochen einen gemeinsamen Weg mit Ron-Robert definiert. Die Gespräche mit Leicester City waren schwierig und wären ohne das außergewöhnliche Engagement von Ron-Robert nicht erfolgreich abzuschließen gewesen", sagte VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser.

Nun ist der Ex-Nationaltorhüter also wieder zurück in der Bundesliga. Ein Selbstläufer wird seine neue Aufgabe in Stuttgart aber nicht. Sein Konkurrent um die Nummer eins ist der bisherige Stammkeeper und ehemalige Dortmunder Mitch Langerak, der nach einigen Schwächen in der Vorrunde in der Rückrunde der vergangenen Saison überzeugende Leistungen ablieferte und nicht unwesentlich zum Aufstieg der Schwaben beitrug. Zudem ist er inzwischen bei den VfB-Anhängern zum Publikumsliebling aufgestiegen. Um im Kampf um die Nummer eins nicht im Nachteil zu sein, kehrte Langerak nach der Teilnahme am Confed-Cup mit der australischen Nationalmannschaft bereits vorzeitig aus seinem Urlaub zurück. Kampflos möchte er sein erst nach einiger Anlaufzeit erworbenes Terrain wohl nicht wieder aufgeben.

Zielers Chancen beim VfB und der Nationalmannschaft

Klar ist aber auch, dass sich ein Ron-Robert Zieler beim VfB Stuttgart nicht mit der Rolle als Nummer zwei zufrieden geben will, denn genau diese Rolle wollte er mit seiner Rückkehr aus England ablegen. „Mein Anspruch ist ganz klar, wieder regelmäßig zu spielen. Deshalb bin ich auch hier her gekommen, um mich durchzusetzen. Ich will am liebsten jedes Spiel machen", brachte der 28 Jahre alte Torwart am Donnerstag im Trainingslager in Grassau im Chiemgau seine Zielsetzung auf den Punkt. Und sicherlich darf ein Torhüter von der Klasse Ron-Robert Zielers diesen Anspruch auch haben. Weil auch Sportvorstand Jan Schindelmeiser Zieler als "Stabilitätsfaktor, der den jungen Spielern Halt geben kann“, bezeichnete, scheinen die Zeichen in Stuttgart auf Torwartwechsel zu stehen.

Ron-Robert Zieler in der Saisonvorbereitung

Bereits nach einem Jahr kehrt Ron-Robert Zieler nun also der englischen Premier League den Rücken. Dass das Abenteuer England für ihn trotz aller unerfüllter Erwartungen der richtige Schritt war, machte er auf der Pressekonferenz deutlich: „Ich habe einiges mitnehmen können, habe in allen Pokalwettbewerben, in der Premier League und Champions League gespielt. Und ich habe mich auch als Persönlichkeit weiterentwickelt. So eine Zeit prägt einen." Wie stark ihn diese Zeit geprägt hat oder ob diese Aussage nur eine Floskel war, um diese Phase seiner Karriere schön zu reden, wird der 28-jährige Keeper in Kürze beweisen können. Auch das Thema Nationalmannschaft ist für Zieler noch nicht abgehakt, obwohl er weiß, dass er „erst einen Schritt auf den anderen machen“ muss. Für ihn sei es jetzt erst einmal wichtig, regelmäßig zu spielen und gute Leistungen zu zeigen. Den Rest bringe die Zeit, äußerte sich der Keeper zum Thema Nationalmannschaft. Der Kontakt zu Bundes-Torwarttrainer Andreas Köpke sei jedenfalls nie abgerissen. Angesichts der jüngeren und hoch talentierten Konkurrenten um die Plätze im Nationalteam wie ter Stegen, Kevin Trapp, Bernd Leno oder Timo Horn scheint seine Zeit aber eher abgelaufen zu sein. Er wird sich wohl mit außergewöhnlichen Leistungen in den Fokus der Öffentlichkeit spielen müssen, um noch einmal Anschluss an die Nationalmannschaft zu bekommen.

Es wird sich zeigen, ob der Ex-Nationaltorhüter den in ihn gesetzten Erwartungen entsprechen kann. Ein erstes kurioses Tor musste er im Testspiel gegen Dynamo Dresden schon hinnehmen. Die Stuttgarter verloren den Ball kurz hinter der Mittellinie in der Hälfte der Dresdener. Dynamo-Profi Heise schnappt sich den Ball, lief fünf Meter in die Stuttgarter Hälfte und zog aus 40 bis 45 Metern ab. Der Ball flog als Bogenlampe über Zieler hinweg und senkte sich hinter ihm ins Netz. Auch wenn die ersten Besserwisser und Schadenfreudigen bereits ihren unvermeidlichen Spott im Netz darüber ausbreiten, ein Grund zum Zweifel an dem Ex-Nationaltorhüter besteht deshalb nicht. Von einem modern spielenden Torhüter wird heutzutage erwartet, dass er mehr als nur die Torlinie bewacht. Dass ein Torhüter bei einer offensiven Spielweise auch einmal ein Tor dieser Art hinnehmen muss, gehört zum Berufsrisiko eines modern spielenden Torhüters. Abzuwarten bleibt aber auch, inwiefern die fehlende Spielpraxis Ron-Robert Zieler noch darin hindert, sein ganzes Können abzurufen. Ein bisschen Eingewöhnungszeit sollte man ihm deshalb schon lassen.