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Sven Ulreich

Sven Ulreich: Von der Bank zur Vollzeitkraft

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Es gibt einfachere Aufgaben als die, die Sven Ulreich, Ersatztorhüter beim deutschen Meister Bayern München, voraussichtlich in den kommenden drei Monaten übernimmt. Er muss keinen Geringeren als Welttorhüter Manuel Neuer vertreten, nachdem sich dieser erneut am linken Mittelfuß verletzt hat und am Montag bereits operiert worden ist. Erst zur Rückrunde dürfte Neuer wieder zwischen die Pfosten des Serienmeisters zurückkehren. Dem 29-jährigen Ulreich ist die Schwere dieser Aufgabe durchaus bewusst: „Es ist immer schwierig, Manuel zu vertreten, weil Manu ist der weltbeste Torhüter.“ Mit Angst erfüllen wird ihn die Aufgabe aber nicht. 183 Bundesliga-Spiele stehen für ihn zu Buche, er ist damit einer der erfahrensten Ersatztorhüter der Bundesliga. In vielen Partien für seinen Ex-Verein VfB Stuttgart sowie in sieben Einsätzen als Neuers Stellvertreter für die Bayern hat er bewiesen, dass er ein guter Bundesliga-Torhüter ist, auf den man sich verlassen kann. Zuletzt am vergangenen Wochenende im Auswärtsspiel auf Schalke, als er mit einigen starken Paraden dafür sorgte, dass die Bayern in keiner Phase unter Druck gerieten. Deshalb hat er allen Grund dazu, die zukünftigen Aufgaben selbstbewusst anzugehen: „Ich weiß, was ich kann, ich weiß, dass ich Manu gut vertreten kann.“.

Misslungene Wechselabsichten

Am Ende der vergangenen Saison hatte Ulreich noch über einen Wechsel zu einem Bundesligisten nachgedacht, der ihm dauerhaft Einsätze garantieren konnte. Obwohl er noch bis 2018 bei den Bayern unter Vertrag stand, hätten die Bayern-Verantwortlichen ihm den Fortgang ermöglicht. Eine Bänderverletzung im rechten Ellenbogen erschwerte aber einen Wechsel, denn er konnte zum Saisonfinale nicht mehr für sich werben. Deshalb musste er sich weiterhin mit dem Reservistendasein begnügen. Doch durch Neuers Verletzung hat sich seine Situation plötzlich verändert. Nun kann er sein Können sogar in der Beletage des europäischen Fußballs zeigen. Mit dem Wissen um seine Fähigkeiten lässt ihn auch das Duell am Mittwoch gegen die Superstar-Offensive von Paris St. Germain mit Neymar, Cavani & Co. kalt: "Wir sind auch eine Weltklassemannschaft, das kenne ich aus dem Training. Ich freue mich, dass ich die Spiele bekomme und werde mein Bestes geben, um Manuel bestmöglich zu vertreten." Bayern-Torwartlegende Sepp Maier stärkt ihm den Rücken. „Für den FC Bayern ist es nicht allzu dramatisch, da mit Sven Ulreich ein sehr guter Torhüter zwischen den Pfosten steht“, sagte der Rekord-Torhüter im Interview mit der tz.

Win-win-Situation für beide Parteien

Im Nachhinein war es wohl für die Bayern als auch für Sven Ulreich eine glückliche Fügung des Schicksals, dass der Wechsel des Bayern-Ersatzkeepers nicht zustande kam. Für beide Seiten ist es aus heutiger Sicht eine Win-win-Situation. Der deutsche Meister hat in Sven Ulreich genau die sportliche und menschliche Qualität, die man sich im optimalen Fall für die Verpflichtung eines Ersatztorhüters wünscht. Er ist gegenüber Neuer absolut loyal, erträgt seine Situation ohne Murren und liefert gute Leistungen zuverlässig ab, wenn er die Chance dazu erhält. Der 29-jährige Schlussmann hingegen wird im Spätsommer seiner Karriere sportliche Momente erleben, die nur wenigen Torhütern in Deutschland vergönnt sind, nämlich internationale Einsätze auf höchstem Niveau.

Sven Ulreich mit einer Parade gegen Guido Burgstaller am 19.09.2017

Der Schatten Manuel Neuers

Mit einer Tatsache wird Ulreich aber leben müssen. In all seinen Aktionen wird er immer am Welttorhüter Neuer gemessen werden, besonders wenn er sich Schwächen oder Fehler leistet. Denn seine Aufgabe, Neuer zu ersetzen, ist eine, die er nur begrenzt leisten kann. Er besitzt nicht in gleichem Maße Neuers Stärken als elfter Feldspieler, der die Rolle des Torhüters als eine Art Libero neu definiert hat. Auch ist Neuers weitere besondere Fähigkeit, den Spielaufbau mit zielgenauen Pässen einzuleiten, bei Ulreich nicht in gleichem Maße ausgeprägt. Möglicherweise ist genau das der Unterschied zwischen einem Weltklasse- und einem Klassetorhüter. Aber Ulreich ist stark genug, um internationalen Ansprüchen zu genügen. Und niemand, der den sympathischen Schwaben kennt, wir vergessen, ihm beide Daumen für die anstehenden Aufgaben zu drücken.