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Sven Ulreich

Sven Ulreich: Wo liegt seine Zukunft?

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Wohl kein anderer Bundesligatorhüter konnte in der vergangenen Saison seine Anerkennungswerte so steigern wie Sven Ulreich, seines Zeichens Ersatztorhüter beim deutschen Meister Bayern München. Nachdem sich die Anfeindungen nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart zu den Bayern gelegt hatten, führte er ein Jahr lang ein mehr oder weniger unbeachtetes Dasein als Ersatztorwart beim deutschen Meister im Schatten von Nationaltorhüter Manuel Neuer. Wegen seiner Tatenlosigkeit und fehlender Einsatzzeiten hegte der Ex-Stuttgarter durchaus Wechselabsichten am Ende der vergangenen Saison. Da ihn aber die Bayern nicht vorzeitig freigaben und manche Vereine Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit hatten - schließlich hatte Ulreich kaum Spielpraxis -, kam ein von Ulreich angestrebter Wechsel vor Vertragsende nicht zustande.

Seit der Verletzung Manuel Neuers im September des vergangenen Jahres sind Ulreichs sportliche Aktien aber enorm gestiegen. Nach anfänglichen Patzern zeigte er seine überragende Klasse und erhielt kurz vor Jahresende die verdiente Anerkennung. Das Sportmagazin der „kicker“ kürte ihn zum besten deutschen Bundesliga-Torhüter nach Abschluss der Vorrunde in der Bundesliga-Saison 2017/18. Seit Ulreichs hervorragenden Leistungen ist immer weniger die Rede von einer möglichst schnellen Rückkehr Manuel Neuers. Ganz im Gegenteil: Der Nationaltorhüter erhält „alle Zeit der Welt“, um seinen Gesundungsprozess nicht ein weiteres Mal zu gefährden. Die Wertschätzung Ulreichs in München ist inzwischen so groß, dass bereits Statistiken die Runde machen, die ihm bessere statistische Werte in seinem Torwartspiel bescheinigen als Manuel Neuer sie in seinen besten Zeiten aufweisen konnte.

Welchen Stellenwert Ulreich inzwischen im Münchener Star-Ensemble einnimmt, konnte man in der vergangenen Woche nach seiner Verletzung in Trainingslager in Katar beobachten. Von einer „Schrecksekunde“ war in manchen Medien die Rede, als der Keeper nach einer schmerzhaften Aktion im Training von den Betreuern untersucht werden musste und ein Ausfall drohte. Man konnte förmlich fühlen, wie sehr eine Verletzung Ulreichs die Bayern-Verantwortlichen, die Medien-Experten und die Fans getroffen hätte. Ein paar Stunden lag durfte der 29-jährige Schlussmann spüren, wie sehr sein Wert in der vergangenen Monaten gestiegen ist.

Trotzdem weiß Ulreich natürlich, dass er wieder den Platz auf der Ersatzbank einnehmen muss, wenn Manuel Neuer seine Verletzung auskuriert hat. Da sein Vertrag am Ende der Saison ausläuft, muss sich der 29-jährige Keeper deshalb Gedanken um seine weitere Zukunft machen. Er wird sich entscheiden müssen, ob er möglicherweise zukünftig wieder ein Dasein auf der Bayer-Ersatzbank fristen will, was für ihn „schwierig“ ist, oder noch einmal eine Herausforderung in einer anderen Mannschaft sucht. Die Verantwortlichen von Bayern München haben sich bereits klar positioniert. Präsident Uli Hoeneß hatte ihn jüngst als "Mann des Jahres" gepriesen und eine Vertragsverlängerung angeregt. Nachdem Ulreich als etatmäßige Nummer zwei im vergangenen Sommer noch öffentlich über einen Abschied von der Isar nachgedacht hatte, kann er sie sich nun wieder eine Zukunft bei den Bayern vorstellen. Er tendiere er im Moment noch in keine Richtung, erklärte der Bayern-Schlussmann im Trainingslager in Katar, für ihn sei „ alles möglich“. Vorerst seien aber keine Verhandlungen mit dem Rekordmeister geplant: „Wir lassen die Rückrunde angehen und werden dann mal schauen.“ Allerdings weiß der Ex-Stuttgarter auch, dass er in einem Alter ist, wo er vielleicht zum letzten Mal in seiner weiteren Karriere einen guten dotierten Vertrag abschließen oder einen Platz zwischen den Pfosten eines Bundesligavereines anstreben kann. Je nach Vertragsdauer seines zukünftigen Vertrages werden die Anschlussverträge aufgrund seines dann fortgeschrittenen Alters wohl nicht mehr so üppig sein. Deshalb ist Ulreichs Aussage durchaus verständlich, dass er bei diesem „wichtigen Vertrag alles richtig machen“ will. Dem sympathischen Sportsmann sei ein glückliches Händchen gegönnt!

Vorerst hat er alle Trümpfe selbst in der Hand. Sollte er seine guten Leistungen in der Vorrunde auch in der Rückrunde bestätigen oder sogar steigern können, kann er in Ruhe beobachten, ob sein Marktwert bei den Bayern weiter steigt oder sich vielleicht ein anderer ambitionierter Verein bei ihm meldet, zumal er ablösefrei wechseln würde. Bereits jetzt wird das Interesse des Ligakonkurrenten Eintracht Frankfurt kolportiert. Eile hat Ulreich jedenfalls nicht. Bis zur Rückkehr von Manuel Neuer hat er alle Zeit der Welt, weiter für sich und damit für einen guten Folgevertrag zu werben.