GoalGuard.de

Thorsten Kirschbaum

Thorsten Kirschbaum: Neustart nach Maß

Von Artur Stopper in Blickpunkte

Eigentlich schien für Thorsten Kirschbaum die Fußballwelt offen zu stehen. Er hatte verschiedene DFB-Jugendauswahlteams durchlaufen und insgesamt 16 Einsätze für die Nationalmannschaft vorzuweisen. Beim 1.FC Nürnberg ausgebildet, wechselte er als junger, hoffnungsvoller Torhüter zum damaligen Bundesliga-Senkrechtstarter TSG Hoffenheim. Da er aber in zwei Jahren nur zehn Einsätze im Profiteam der Kraichgauer hatte, suchte er Spielpraxis beim Schweizer Erstligisten FC Vaduz. Seine guten Leistungen blieben den Verantwortlichen des Zweitligisten SV Sandhausen nicht verborgen. Deshalb nahmen sie ihn in der Spielzeit 2009/10 unter Vertrag. Hervorragende Leistungen zeigte er auch in den darauffolgenden Jahren beim damaligen Ligakonkurrenten Energie Cottbus. Für einen Wechsel zurück in die Bundesliga schien deshalb der richtige Zeitpunkt gegeben. Er schloss sich dem VfB Stuttgart an, wohl in der Hoffnung, Stammtorhüter Sven Ulreich verdrängen zu können. Es blieb bei der Hoffnung. Wieder verbrachte er zwei Jahre fast ausschließlich auf der Ersatzbank.

Als zur Saison 2015/16 der mögliche Bundesliga-Aspirant 1. FC Nürnberg bei Kirschbaum anfragte, brauchte der gebürtige Franke nicht lange zu überlegen und wechselte zurück zu seinem Heimatverein. Was zunächst wie ein Kindheitstraum aussah, entpuppte sich als „schwierigste Phase in seiner Karriere“. Kirschbaum bestritt die ersten neun Spiele, wirklich überzeugen konnte er aber nicht. Im Torwart-Ranking des Kickers war er mit einem Notendurchschnitt von 3,92 der Schlechteste seiner Zunft in der zweiten Liga. In der neuformierten Club-Abwehr hatte er es aber auch nicht leicht, die Sicherheit und Souveränität zu finden, die jeder Torhüter für sein Spiel braucht. Schließlich hatte Kirschbaum kaum Spielpraxis in den beiden Jahren zuvor. Und je mehr unglückliche Tore er kassierte, desto weniger Ruhe strahlte er aus. Deshalb war der Verlust des Stammplatzes in der vergangenen Saison eine logische Folge. Kirschbaum bekannte in dieser Situation: „Das ist sicherlich die schwierigste Phase meiner Karriere, weil ich mit hohen Erwartungen und hohen Zielen zum Club kam und es dann einfach nicht so gelaufen ist.“ Es kam sogar noch schlimmer, denn vorübergehend degradierte ihn der damalige Club-Trainer Rene Weiler zur Nummer drei und damit zu einem Platz auf der Tribüne. „Wie das erste halbe Jahr gelaufen ist, spiegelt nicht meinen Leistungsstand wider. Wenn ich wieder die Chance erhalte, bin ich überzeugt, dass ich zeigen kann, dass kein Weg daran vorbei führt, dass ich die nächsten Jahre hier die Nummer 1 bin“, bewertete der Franke seine Leistung im ersten Jahr in Nürnberg selbstkritisch.

In die laufende Saison 2016/17 ging Thorsten Kirschbaum als Nummer zwei hinter Nürnbergs Routinier Raphael Schäfer. Als der 37-jährige Stammtorhüter vor dem vierten Spieltag über Knieprobleme klagte, bekam Kirschbaum eine weitere Chance. Und diese scheint er nun zu nutzen. Obwohl er beim 4:5 in Bochum fünf Gegentore hinnehmen musste und im Derby gegen Greuther Fürth zwei weitere Tore kassierte, konnte er sein Können bei etlichen guten Paraden unter Beweis stellen. Vor allem beim 2:0 über Union Berlin beeindruckte Thorsten Kirschbaum als Ruhepol inmitten der Berliner Angriffsserien. Sein Trainer Alois Schwartz lobte deshalb seinen Schlussmann nach dem Spiel: „Seine Ausstrahlung war richtig gut. In diesem Punkt hat er gewaltig zugelegt.“ Wie bereits gegen Hannover hielt er auch in Karlsruhe wiederum einen Elfmeter und trug damit maßgeblich zum Erfolg in Karlsruhe bei. Der Club ist nun seit 318 Minuten ohne Gegentor, sicherlich auch dank Thorsten Kirschbaum.

Ungewiss ist jedoch die weitere Zukunft des 29 -Jährigen, denn inzwischen hat Raphael Schäfer seine Knieverletzung auskuriert und steht wieder für Einsätze bereit. Aufgrund Kirschbaums guter Leistungen hat Schwartz aber momentan keinen Grund, einen Torhüterwechsel vorzunehmen. Dennoch ist der Club-Trainer froh, "dass Rapha wieder da ist. Er wird uns mit seiner Erfahrung auch neben dem Platz helfen." Es scheint also, als hätte Thorsten Kirschbaum seinen Platz im Tor der Franken zurückerobert. Deshalb ist Kirschbaum mit seiner persönlichen Entwicklung natürlich sehr zufrieden: “Ich will nicht mehr zurückblicken, dafür war alles zu bitter. Jetzt bin ich froh, dass ich dem Team helfen konnte und fünf ordentliche Spiele gemacht habe”, äußerte sich der Schlussmann nach dem Spiel gegen Union Berlin gegenüber Bild.