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U 21

U 21: Drei auf dem Weg nach oben?

Von Artur Stopper in Blickpunkte

In dieser Woche stehen für die deutsche U 21-Nationalmannschaft Qualifikationsspiele zur EM-Endrunde 2019 in Italien und San Marino an. Die Gegner heißen Israel (in Braunschweig) und Kosovo (in Mitrovica). In den letzten Jahren konnte das DFB-Nachwuchsteam immer auf gestandene Torhüter zurückgreifen. Neuer, Leno, ter Stegen, Horn, Baumann, Trapp und Karius hießen die Kandidaten, die sich um die Nummer eins im U 21-Nationalteam stritten. Manche waren bereits zu diesem Zeitpunkt Stammtorhüter in ihren Vereinen oder hatten sogar Erfahrung auf internationaler Ebene. Die aktuell nominierten Torhüter Alexander Nübel, Moritz Nicolas und Florian Müller sind hingegen allesamt eher unbekannt. Zumindest der Letztgenannte und Neuling im Team ist einem breiteren Publikum durch seine Einsätze in den vergangenen Wochen beim Bundesligisten Mainz 05 als Vertreter für die verletzten etatmäßigen Keeper Rene Adler und Robin Zentner vertrauter. Bei den beiden anderen Torhüter werden nicht wenige Fußballfans sagen: „Noch nie gehört!“ Doch wer sind die jungen Torhüter, die sich als Nummer eins im U 21-Nationalteam versuchen dürfen? Wir geben euch die Antworten.

Alexander Nübel (Schalke 04)

In seinem Verein auf Schalke spielt er bisher noch keine bedeutende Rolle. Nur einen Kurzeinsatz ab der 90. min hat er in der Bundesliga vorzuweisen. Der Grund dafür ist der für Nübel übermächtige Stammkeeper Ralf Fährmann, der seit Jahren zur absoluten Spitze unter den Bundesligatorhütern zählt und an dem es momentan kein Vorbeikommen gibt. Trotzdem sieht Nübel, der im August 2015 aus der Jugend des SC Paderborn zu Schalke gewechselt war und Fährmann als Vorbild sieht, durchaus einige positiven Aspekte in dieser Konstellation: „Ich kann so viel von Ralf Fährmann lernen - menschlich und sportlich", ist der 1,93 große Torwart überzeugt. „Er ist ein richtiges Mentalitätsmonster und gibt in jedem Training einhundert Prozent. Seit ich auf Schalke bin, hat er es im Training niemals ruhig angehen lassen. Und im Spiel bringt er auch immer seine Leistung. In puncto Kontinuität will ich mich an ihm orientieren." Auch Ralf Fährmann lobt seinen Konkurrenten in höchsten Tönen: „Alex ist einer der besten Torwarttalente, die Deutschland jemals hatte, auch wenn er noch nicht so im Fokus steht. Das wird aber kommen, das kann ich versprechen“, sagte der 29-Jährige in einem Interview mit dem Fachmagazin kicker. Er sei mit 21 Jahren noch nicht so weit gewesen, wie es Nübel heute sei.

Alexander Nübel von Schalke 04 ist der einzige der drei nominierten Torhüter, der bereits Einsätze in der U 21-Nationalmannschaft vorweisen kann. Sechsmal durfte er schon im Trikot der Nationalelf auflaufen. Der Schalker stand bislang bei allen vier EM-Qualifikationsspielen im Tor und strahlte dabei stets Sicherheit und Verlässlichkeit. Er gehört zu den ruhigeren und besonnenen Vertretern seiner Zunft. Genau hier sieht er noch großes Verbesserungspotential für die Zukunft: „Ich muss in der Kommunikation mit meinen Vorderleuten noch etwas mehr aus mir herausgehen, von hinten dirigieren und Anweisungen geben. Das mache ich noch zu selten, weil ich eher ein ruhiger Typ bin." Dass er aber ansonsten beste Anlagen hat für das moderne Torwartspiel, attestiert ihm Klaus Thomforde, Torwarttrainer bei der U 21: „Alex beherrscht das komplette Programm. In der Spieleröffnung kann er beidfüßig agieren und sowohl in der Ziel- als auch in der Raumverteidigung hat er außergewöhnliche Qualitäten."

Es wird nicht leicht für Nübel, sich aus dem Schatten Fährmanns zu befreien. Zu konstant und überzeugend sind die Leistungen von Schalkes Nummer eins. Aber Fährmann kann sich wohl gut in die Lage des talentierten Konkurrenten einfühlen. Denn schließlich befand sich Schalkes aktuelle Nummer eins viele Jahre in einer ähnlichen Situation. Fährmanns damaliger Konkurrent hieß Manuel Neuer. Nach dem Abgang des Nationaltorhüters zu Bayern München war der Weg frei für Ralf Fährmann. Alexander Nübel könnte irgendwann dauerhaft Fährmanns Nachfolger werden. Wie hoch die Wertschätzung für Alexander Nübel auf Schalke ist, zeigt allein die Tatsache, dass die Königsblauen den Vertrag mit dem Torwart im September vorzeitig bis 2020 verlängert haben. Auf Schalke wissen sie wohl genau, was sie an ihrer Nummer zwei mit der Rückennummer 35 haben.

Trotz fehlender Spielpraxis auf Schalke überzeugt der Keeper in der U 21-Nationalmannschaft immer wieder durch ein sicheres und abgeklärtes Auftreten. Offensichtlich kann er diesen Nachteil problemlos kompensieren. Die Einsätze im Nationalteam sieht er als Glücksfall für sich: „In der Nationalmannschaft kann ich Spielpraxis auf dem höchsten Niveau sammeln und wieder gestärkt zum Verein zurückkehren. Falls dann mal etwas passieren sollte und ich zum Einsatz käme, wäre ich auf jeden Fall bereit."

Moritz Nicolas (Borussia Mönchengladbach)

Seit dem Sommer 2016 gehört Moritz Nicolas dem Profikader von Borussia Mönchengladbach an. Sein Arbeitgeber hat das Talent des 20-jährigen Schlussmanns erkannt und den Vertrag mit Nicolas bis 2021 verlängert. „Er ist ein großes Torwarttalent, dem wir den Sprung in die Bundesliga zutrauen", sagte Sportdirektor Max Eberl bei der Vertragsunterzeichnung. Bereits in der Sommer-Vorbereitung auf die neue Saison wurde Moritz Nicolas von Cheftrainer Dieter Hecking ausdrücklich gelobt: „Er hat einen Riesenschritt nach vorn gemacht.“

Im Sommer 2015 war der 1,95 m große Schlussmann im Alter von 17 Jahren von Rot-Weiss Essen an den Bökelberg gewechselt. Als Torhüter der U18 wurde er erstmals zu einem DFB-Lehrgang eingeladen, konnte aber wegen einem Armbruch nicht teilnehmen. Die Verantwortlichen in den DFB-Nachwuchsteams verloren ihn aber nicht aus den Augen und nominierten ihn weiterhin in ihren Auswahlkadern. Jeweils einmal hatte er Einsätze für die U19 und U20. Spielzeiten in der Bundesliga hat Nicolas hingegen noch keine vorzuweisen. Aufgrund einer Verletzung von Stammkeeper Yann Sommer durfte er aber in dieser Saison schon zweimal bei den Profis auf der Auswechselbank Platz nehmen. Ansonsten kam der 20-jährige Schlussmann ausschließlich für die U 23 der Gladbacher in der Regionalliga West zum Einsatz. Nicht wenige im Gladbacher Umfeld trauen ihm aber perspektivisch zu, einmal Stammtorwart Yann Sommer beerben zu können.

Florian Müller (Mainz 05)

Florian Müller, Nummer drei im Kader des Bundesligisten Mainz 05, spielte bereits für die U19 und U20-Nationalmannschaften. Insgesamt sieben Einsätze hat er vorzuweisen. Er ist neu im Team der U21. Für ihn geht es vor allem darum, die Anforderungen in der U21 zu verinnerlichen und Bekanntschaft mit dem neuen Team zu machen. Der Trainerstab hilft ihm dabei. „Torwarttrainer Klaus Thomforde und Stefan Kuntz reden sehr viel mit den Spielern, das macht mir als neuem Spieler die Integration leichter", stellt das Mainzer Torwart-Talent fest. Durch die Verletzungen von Adler und Zentner durfte er schon dreimal Bundesligaluft schnuppern. Nach einem spektakulären Debüt, bei dem er in Hamburg mit vielen Glanzparaden ein Unentschieden für den FSV sicherte, unterlief ihm am vergangenen Wochenende in Frankfurt ein Fehler. „Ich wusste von Anfang an, dass es nicht immer so überragend laufen kann wie beim Debüt", äußerte sich der 20-Jährige zu seinem Patzer. „Es war mein Fehler, ich muss das aber schnell abhaken und weiter an mir arbeiten. Mit guten Leistungen will ich dazu beitragen, dass wir die Klasse halten." Neben seinen Glanztaten überzeugte Müller in Hamburg vor allem durch seine Ausstrahlung, mit der er der zuletzt unsicheren Mainzer Abwehr Sicherheit gab. Cheftrainer Sandro Schwarz war beeindruckt: „Ich habe das Gefühl gehabt, er hat schon 150 solcher Spiele gemacht.“.

Auch sein 29-jähriger Mitspieler Daniel Brosinski schwärmte von der Gelassenheit des jungen Keepers: „Ich ziehe meinen Hut vor Florian, dass er mit so jungen Jahren so souverän geblieben ist. Das wäre ich früher auch gerne gewesen.“ Florian Müller gilt schon länger als der talentierteste Mainzer Nachwuchskeeper. Vieles spricht dafür, dass dem 20-Jährigen in Mainz die Zukunft gehört. Im November 2017 verlängerte Müller seinen Vertrag bis 2022. Intern gilt er als Nachfolger des inzwischen 33-jährigen Rene Adler.

Aktuell hat Florian Müller aber zwei Probleme zu bewältigen. Er muss zunächst mit dem enormen Hype, der nach dem grandiosen Auftritt in Hamburg um seine Person gemacht wurde, klar kommen. Auch gefeiert zu werden, muss ein junger Mensch richtig verdauen, um nicht abzuheben. Zudem ist mit dieser Euphorie eine Erwartungshaltung verbunden, die ein junger, unerfahrener Schlussmann kaum leisten kann. Das ist der Fluch der guten Tat! Andererseits unterlief ihm beim Spiel gegen Frankfurt ein Patzer, der die Niederlage seiner Mannschaft einleitete. Fehler dieser Art können die öffentliche Wahrnehmung ruckartig verändern. Helden werden heutzutage bei Fehlern schnell zu Verlierern! Um mit Ausschlägen in der öffentlichen Bewertungskurve nach oben oder unten gut umgehen zu können, sind Gelassenheit und Bodenhaftung wichtige Voraussetzungen. Nach allem, was man aus dem Mainzer Umfeld hört, ist Florian Müller eine unerschütterliche Bodenständigkeit gegeben. Insofern stünde einer Nachfolge Rene Adlers nichts im Wege.