GoalGuard.de

Fabian Bredlow

Fabian Bredlow: "Ich will mich Schritt für Schritt entwickeln"

Von Artur Stopper in Interviews

Fabian Bredlow vom Drittligisten Hallescher FC ist eines der großen Torwart-Talente, die in Deutschland auf dieser Position nachwachsen. Im Jugendbereich von RB Leipzig ausgebildet, wurde er im Sommer 2014 für ein Jahr nach Österreich an den FC Liefering, einem Partnerverein des RB Salzburg, ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Im Folgejahr schloss er sich dem Drittligisten Hallescher FC an, wo er sich bereits nach kurzer Zeit mit gerade mal 20 Jahren als Nummer eins durchsetzte. Sein Talent blieb auch den DFB-Verantwortlichen nicht verborgen, so dass er jeweils einmal für das U-19 und U-20-Nachwuchsteam zum Einsatz kam. Inzwischen ist Fabian Bredlow zu einem der besten Keeper der dritten Liga herangereift. Goalguard hat sich mit dem 21-jährigen Schlussmann über seine bisherige sportliche Entwicklung, seine augenblickliche Situation beim Hallescher FC und seine Zukunftsgedanken unterhalten.

Artur Stopper Fabian, im Moment stehst du mit deinem Klub Hallescher FC auf dem 3.Tabellenplatz. Überrascht dich diese gute Platzierung oder entspricht dieser Tabellenplatz deinen Erwartungen vor Saisonbeginn?

Fabian Bredlow Vor der Saison war ich mir nicht sicher, wo wir wirklich stehen. Zum einen ist die dritte Liga sehr ausgeglichen und zum anderen hatten wir eine neu zusammengestellte Mannschaft aufgrund vieler Zu- und Abgänge. Wenn ich aber die vergangenen Wochen Revue passieren lasse, glaube ich, dass wir nicht zu Unrecht oben stehen, da wir vor der Niederlage in Magdeburg zehn Spiele in Folge nicht mehr verloren hatten.

Artur Stopper Die vergangene Saison 2015/16 hat ihr auf Platz 13 abgeschlossen. Was macht euch dieses Jahr so erfolgreich?

Fabian Bredlow In erster Linie war es wohl in den vergangenen Wochen die gute Abwehrarbeit des gesamten Teams. Wir haben zuletzt nur wenige Gegentore zugelassen, was Anfang der vergangenen Saison nicht der Fall war. Außerdem gibt es in der dritten Liga viele Spiele, die sehr ausgeglichen sind. In dieser Saison sind wir in den entscheidenden Situationen wach genug, hinten kein Gegentor zu bekommen und vorne immer für ein Tor gut zu sein. Zufall ist der jetzige Tabellenplatz jedenfalls nicht, wir spielen richtig guten Fußball.

Artur Stopper Eigentlich bist du gebürtiger Berliner, kamst aber über die Jugend von FC Hertha 03 Zehlendorf 2012 zum Nachwuchs von RB Leipzig, wo du ausgebildet wurdest. Warum landete ein talentierter Berliner nicht bei Hertha BSC?

Fabian Bredlow (lacht) Um ehrlich zu sein, dafür hat es nicht gereicht. Hertha BSC hatte in meinem Jahrgang bereits drei Torhüter. Vielleicht gab es von deren Seite mal ein kleines Interesse an mir. Für mich machte es aber keinen Sinn, mich als weiterer Torhüter einzureihen, da ohnehin nur einer spielen konnte. Besonders in jungen Jahren geht es vor allem darum, Spielpraxis zu sammeln. Ich war immer der Typ, der nicht von einem kleinen Verein zu einem ganz großen wechselte, sondern ich wollte mich immer step by step entwickeln. Rückblickend war meine Karriere durchdacht, da ich nie die riesigen Sprünge gemacht habe, sondern mich Schritt für Schritt entwickelte.

Artur Stopper Nach einem Jahr Ausleihe an den FC Liefering, einem österreichischen Kooperationsklub von RB Salzburg, hast du im Sommer 2015 beim Drittligisten Hallescher FC einen Vertrag bis zum 30. Juni 2017 unterschrieben. Warum hast du dich gerade für diesen Verein entschieden?

Fabian Bredlow Zum Zeitpunkt meines Wechsels war der Hallesche FC eine stabile Drittliga-Mannschaft, bei der ich die Möglichkeit sah zu spielen. Mein Berater hatte sich mit einigen Vereinen unterhalten. Das Konzept in Halle hatte uns am meisten überzeugt, so dass ich an die Saale wechselte. Im Nachhinein war es genau die richtige Entscheidung.

Torschütze Shou Bobby Wood beim Schuss zum 0:1 gegen Halles Torwart Fabian Bredlow am 25.10.2016

Artur Stopper Als ehemaliger „RB Leipzig-Spieler“ bist du von einem Teil der HFC-Anhängerschaft wenig freundlich empfangen worden. Wie sehr haben dich die widerlichen Anfeindungen niveauloser Menschen berührt?

Fabian Bredlow Es ging. Ich hatte zuvor in Salzburg gelebt, wo ich vielen freundlichen Menschen begegnet war. Nach meinem Wechsel zu Halle absolvierte ich im Trainingslager mein erstes Spiel für Halle und wurde von Bannern mit der Aufschrift „Bredlow verpiss dich“ begrüßt. Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade mal 20 Jahre alt und diese Aktion hat mir schon zu denken gegeben. Aber der Verein und meine Mitspieler standen glücklicherweise von Anfang an hinter mir. Mit den ersten guten Spielen in der dritten Liga haben sich die Anfeindungen dann gelegt.

Artur Stopper Deine guten Leistungen in der vergangenen Saison bleiben auch anderen Vereinen nicht verborgen. Bereits im März dieses Jahres meldete BILD, dass der Zweitligist 1.FC Kaiserslautern schon länger Interesse an deiner Verpflichtung habe. Was war dran an dieser Meldung?

Fabian Bredlow Wie so oft wird in der Zeitung mehr daraus gemacht, als eigentlich war. Ich hatte tatsächlich ein Gespräch mit den Verantwortlichen aus Kaiserslautern geführt. Halle teilte in einer Pressemitteilung schon frühzeitig mit, dass sie eine Ablösesumme von 500.000 Euro für mich haben wollten. Ich denke die wenigsten Vereine wären bereit, für einen 21-jährigen Drittliga-Keeper so viel Geld auszugeben. Somit war dieses Thema bald vom Tisch.

Artur Stopper Vor der Europameisterschaft 2016 durftest du mit dem deutschen U-20-Team im EM-Trainingslager ein Trainingsspiel gegen die A-Nationalmannschaft absolvieren. Was konntest du dir im gemeinsamen Trainingslager von deinem Vorbild Manuel Neuer abschauen?

Fabian Bredlow Gar nichts. Wir waren nur drei Tage da. An den ersten beiden Tagen trainierten wir locker für uns, am dritten Tag spielten wir gegen die A-Nationalmannschaft. Wir konnten beobachten, wie sich Bernd Leno und Marc-Andre ter Stegen warm machten. Manuel Neuer war gar nicht anwesend. Beim Spiel selbst spielten wir vier Viertel. Ich kam im dritten und vierten Teil des Spieles zum Einsatz. Während ich mich aufwärmte, fuhr Manuel Neuer auf dem Fahrrad vorbei, winkte mir kurz und wünschte mir viel Glück für das Spiel. Dann fuhr er weiter. Mehr habe ich von ihm nicht gesehen. Grundsätzlich hatte man aber auch die Möglichkeit, sich von Leno und ter Stegen etwas abzuschauen. Speziell die Spieleröffnung von ter Stegen begeisterte mich sehr.

Artur Stopper Du hast inzwischen 6 Einsätze für die U19 und die U20 des DFB. Laut dem Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff wird "die Popularität der Spieler enorm verstärkt, indem sie für die Nationalmannschaft auflaufen". Merkst du diesen Effekt auch?

Fabian Bredlow Schwer zu sagen. Auf jeden Fall weiß ich, dass viele Scouts bei den Spielen der DFB-Nachwuchsteams auf der Tribüne sitzen. Als ich einmal bei den DFB-Lehrgängen in einem Spiel nicht zum Einsatz kam und auf der Tribüne Platz nehmen musste, war ich umringt von Personen mit Zettel und Stiften. Deswegen kann man davon ausgehen, dass diverse Scouts die Spieler beobachten. Deshalb glaube ich, dass Spiele im DFB-Team eine gute Möglichkeit sind, sich zu präsentieren, zumal viele Spiele auch live im Fernsehen gezeigt werden.

Artur Stopper Wer wie du den Traum vom Profifußball ernsthaft verfolgt, muss gegenüber Altersgenossen auf manches verzichten. Welche Entbehrungen fielen dir oder fallen dir besonders schwer?

Fabian Bredlow Das Einzige, was mir schwer fehlt, ist, weg von der Familie zu sein. Mit 17 Jahren kam ich ins Nachwuchs-Internat von RB Leipzig. Natürlich kann ich immer wieder mal in meine Heimatstadt Berlin fahren, aber das sind dann eben kurze Besuche, man lebt nicht mehr dort. Ich habe z.B. einen kleinen Cousin, bei dessen Aufwachsen ich vieles verpasse. Auf andere Dinge wie Alkohol oder Nachtclubs kann ich gerne verzichten. Die einzige Entbehrung für mich ist wirklich, dass ich getrennt von Familie und Freunden leben muss. Auf der anderen Seite ist das eine wertvolle Erfahrung und hilft dabei, selbstständig zu werden und die wahren Freunde zu erkennen, mit denen man weiterhin Kontakt hat.

Artur Stopper Vor kurzem hast du dich darüber beklagt, dass es im Gegensatz zur ersten und zweiten Bundesliga in der dritten Liga keinen Einheitsball gibt. Unterscheidet sich das Flugverhalten der Bälle so gravierend?

Fabian Bredlow Ja, absolut. Jeder Torhüter, der in einer Woche mit dem Adidas-Ball und die folgende Woche mit dem Ball eines anderen Herstellers gespielt hat, weiß, dass das sehr unterschiedliche Bälle sind. Und in der dritten Liga sprechen wir nicht nur von zwei, sondern von 6 bis 7 unterschiedlichen Bällen, die im Spielbetrieb eingesetzt werden Es ist natürlich schwer, sich immer wieder auf einen neuen Ball einzustellen. Ich jedenfalls würde es bevorzugen, wenn es auch in der dritten Liga wie in der Bundesliga einen Einheitsball gäbe.

Artur Stopper Wie bereits angesprochen, läuft dein Vertrag im Sommer aus. Wie sieht Ihre weitere Karriereplanung aus?

Fabian Bredlow Schwer zu sagen. Ich denke, dass ich Anfang Januar mit dem Halleschen FC und meinem Berater Gespräche führen werde, inwieweit wir uns eine gemeinsame Zukunft vorstellen können, wie der Verein plant und welche Ambitionen der Club hat. Deshalb denke ich, dass sich am Anfang 2017 entscheiden wird, wie alles weitergeht.

Artur Stopper Als junger Torhüter hat man noch Träume. Gibt es einen großen Klub / Traumverein, bei dem du gerne mal spielen würdest?

Fabian Bredlow Wenn man als Kind mit Eltern groß wird, die Hertha-Fans sind, wird man meist auch selbst zu einem Hertha-Fan. Inzwischen würde ich mich nicht mehr als Fan, sondern eher als Sympathisant bezeichnen. Aber für mich wäre es natürlich ein Traum, in meiner Heimatstadt in der Bundesliga Fußball zu spielen. Letztlich ist die Bundesliga für jeden Fußballer das große Ziel, egal in welchem Verein.

Artur Stopper Kommen wir zurück zur Realität. Ist Halle schon ein Aufstiegskandidat, oder wo vermutest du euch am Ende der Saison?

Fabian Bredlow Auch eine schwierige Frage. Wie ich bereits erwähnte, wurde die Mannschaft vor der Saison neu zusammengestellt, weshalb es unklar war, wo die Reise sportlich hingehen würde. Deshalb hatten wir uns vor der Saison das Ziel gesetzt, auf mindestens 48 Punkte zu kommen. Das war die Punktzahl, die wir in der vergangenen Saison erreicht hatten. Bisher sind wir auf einem guten Weg. Wenn wir die letzten Spiele in diesem Jahr absolviert haben, sehen wir, wo wir stehen. Wenn wir die 48 Punkte frühzeitig erreichen, können wir vielleicht noch mit einem Auge nach oben schielen.

Artur Stopper Fabian, ich möchte mich bei dir recht herzlich dafür bedanken, dass du dir Zeit für uns genommen hat, und wünsche dir, dass deine Träume in Erfüllung gehen.