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Matthias Tischer

Matthias Tischer: „Der 1. FC Magdeburg ist meine Liebe“

Von Artur Stopper in Interviews

Matthias Tischer ist das Urgestein des Drittligisten FC Magdeburg. Seit 1996 ist er für diesen Verein aktiv. Er durchlief sämtliche Jugendmannschaften, seit 2004 gehörte er dem Profikader der Hauptstädter an. Über viele Jahre war er Stammtorhüter und Publikumsliebling und absolvierte in dieser Zeit 174 Liga-Spiele für die Magdeburger. Sein größter Erfolg war der Aufstieg mit dem 1. FC Magdeburg in die 3. Liga in der Saison 2014/15. Erst mit der Verpflichtung von Jan Glinker, der aktuellen Nummer eins, musste er sich mit der Rolle des Ersatztorwarts begnügen. Seit der Saison 2016/17 hat er die Rolle gewechselt und fungiert jetzt als Torwarttrainer beim Drittligisten. Goalguard hat sich mit Matthias Tischer über seine neue Rolle als Torwarttrainer sowie über die aktuellen Situation und Entwicklung seines Herzensvereins unterhalten.

Artur Stopper Matthias, nach 203 Pflichtspielen für den FC Magdeburg hast du deine Karriere beendet und fungierst seit dieser Saison als Torwarttrainer beim FC Magdeburg. Was vermisst du aus deiner aktiven Zeit am meisten?

Matthias Tischer Am meisten vermisse ich dieses Wettkampfgefühl, das tägliche Training unter Wettkampfbedingungen. Alles andere habe ich ja noch, weil ich immer noch täglich auf dem Platz stehe.

Artur Stopper Ein Zeitungsartikel über deine Person war überschrieben mit der Schlagzeile „Tischer geht in seiner neuen Rolle voll auf“. Hat der Redakteur richtig beobachtet?

Matthias Tischer Absolut! Letztendlich war es für mich genau die richtige Entscheidung, diesen Schritt zu machen. Ich hätte sicherlich noch drei oder vier Jahre irgendwo anders spielen können. Aber wirklich gereizt hat mich das nicht. Der FC Magdeburg ist mein Heimatverein und meine Liebe. Deshalb konnte ich mir nicht vorstellen, noch für einen anderen Verein aufzulaufen. So war für mich relativ schnell klar, dass ich das Angebot des Vereins, als Torwarttrainer zu arbeiten, annehmen werde. Ich wusste natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob diese Tätigkeit schon etwas für mich ist. Dass ich in diesem Job so aufgehen würde, hatte ich im Vorhinein nicht geahnt. Die Entscheidung war aber absolut richtig.

Matthias Tischer im Spiel gegen den VfR Aalen am 02.03.2016

Artur Stopper Was begeistert dich an deiner neuen Rolle als Torwarttrainer?

Matthias Tischer Dass man die Gesamtheit im Blick haben muss. Es nicht mehr so wie als aktiver Torhüter, dass man ins Training geht und beschäftigt wird, sondern man macht sich seine eigenen Gedanken. Dabei fließt natürlich die eigene Erfahrung mit ein, wie eine Trainingswoche abläuft, wie man was macht, wie sich die Torhüter fühlen. Beim Austausch innerhalb der Torhütergruppe sowie mit den anderen Trainern kommen Probleme zutage, die man als Spieler so gar nicht gesehen hat. Es ist letztlich die Herausforderung, etwas entwickeln zu können, die den Reiz dieser Tätigkeit ausmacht.

Artur Stopper Du bist ein FCM-Urgestein. Seit 1996 bist du für diesen Verein aktiv, hast sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen und warst seit 2004 im Profikader. Trotzdem wurde dir bereits im Januar mitgeteilt, dass dein Vertrag nicht verlängert wird, weil der Verein einen Torhüter verpflichten wollte, der in die U23-Regel passt. Wie groß war der Stich ins FCM-Herz, als man dir mitteilte, dass du nicht mehr gebraucht wirst?

Matthias Tischer Natürlich war ich im ersten Moment total enttäuscht. Dafür hatte ich mir in den letzten Jahren zu viel aufgebaut, als dass man dann nicht enttäuscht sein würde. Ich hatte in der dritten Liga zwei super Spiele abgeliefert und auch in DFB-Pokal überzeugt. Im Aufstiegsjahr war ich einer der Leistungsträger. Aber so ist manchmal der Mechanismus im Fußball, dass nicht immer die Leistung das entscheidende Kriterium ist, sondern eine Quotenregelung das Handeln bestimmt.

Artur Stopper Aus den Nachwuchsakademien der Profivereine drängen laufend gut ausgebildete junge Torhüter nach. Wie spürt man als älterer Torhüter diese Konkurrenz?

Matthias Tischer Die jungen Torhüter aus den Jugendakademien haben eine komplett andere Ausbildung. Da es im meiner Jugend teilweise die Nachwuchs-Leistungszentren noch gar nicht gab, habe ich noch die alte Schule durchlaufen. In dieser Zeit wurde noch ganz anders trainiert. Ein Torhüter war dazu da, Bälle zu halten und Sicherheit auszustrahlen. Mittlerweile geht es darum, eine Art elfter Feldspieler zu sein. Das ist der Wandel der Zeit, da sind uns die jungen Torhüter voraus, weil sie von Anfang an geübt haben, beidfüßig zu spielen und lange Bälle zu schlagen. Auch durch die Einführung der Bundesligen für Nachwuchsteams sind die jungen Torhüter Woche für Woche unter Druck gefordert und können sich so schon frühzeitig entwickeln.

Artur Stopper In der vergangenen Saison warst du noch Konkurrent zu Jan Glinker, der dich vor zwei Jahren als Stammtorwart abgelöst hat. Nun bist du quasi sein Vorgesetzter, obwohl du noch zwei Jahre jünger bist als er. Bringt dieser Rollenwechsel Probleme mit sich?

Matthias Tischer Nein, wir hatten von Anfang an darüber gesprochen, wie ich mir den Ablauf vorstelle. Wichtig ist meiner Meinung nach immer ein offenes Verhältnis zueinander. Das hatten wir als Konkurrenten und jetzt in der Spieler-Trainer-Beziehung. Es geht darum, ehrlich zueinander zu sein, was ein Hauptcredo von mir ist, sowie authentisch zu bleiben. Es war für uns beide sowie für Lukas Cichos, mit dem ich ja auch noch zusammen gespielt hatte, keine einfache Situation. Vom ersten Tag an gab es aber keine Probleme.

"Am meisten vermisse ich dieses Wettkampfgefühl, das tägliche Training unter Wettkampfbedingungen." - Matthias Tischer

Artur Stopper Jede qualifizierte Tätigkeit setzt in der Regel eine gute Ausbildung voraus. Wie konntest du dich in der Kürze der Zeit auf deine neue Tätigkeit vorbereiten?

Matthias Tischer Es ist nicht so, dass ich nur einfach in die Tätigkeit hineingeschoben wurde. Ich besitze schon seit 2011 eine Trainer-Lizenz. Außerdem hospitierte ich im Sommer eine Woche bei RB Leipzig. Das ist ein wichtiger Erfahrungsschatz, den ich meinen Torhütern voraushabe. Entscheidend ist aber letztlich, dass man durch Arbeit überzeugt, motiviert ist und die Spieler merken, wovon man spricht. Damit holt man sich die meiste Akzeptanz.

Artur Stopper Im Moment steht ihr in der dritten Liga auf dem 12. Platz. Wie weit seid ihr mit dieser Platzierung von euren Erwartungen vor der Saison entfernt?

Matthias Tischer Wir wussten natürlich, dass das zweite Jahr immer das schwierigere Jahr würde. Letztes Jahr hatten wir eine überragende Saison gespielt. In der dritten Liga kann es aber schnell in alle Richtungen gehen, da entscheiden Nuancen. Der Klassenerhalt hat für uns oberste Priorität. Er wenn dieser gesichert ist, kann man sich über andere Dinge Gedanken machen. Die Strukturen müssen sich in Magdeburg langsam entwickeln, da wir erst im zweiten Jahr in der dritten Liga sind. Langfristig haben wir sicherlich andere Ziele. Im Moment sind wir aber so zufrieden, wie es ist.

Artur Stopper Wie siehst du die weitere Entwicklung deines Herzensvereins?

Matthias Tischer Ich glaube, dass wir gute Grundlagen mit einem super intakten Umfeld, einer intakten Mannschaft und einem guten Trainerteam haben. Deswegen glaube ich, dass man langfristig in Magdeburg mit unseren phänomenalen Fans und unseren Strukturen Schritt für Schritt etwas aufbauen kann. Wir wollen uns zunächst in der dritten Liga stabilisieren und zu einem festen Bestandteil der Liga werden. Wichtig wird sein, dass wir unsere talentierten Nachwuchsspieler langfristig halten können und nicht von anderen Vereinen abgeworben werden. So haben uns z.B. vor der Saison unsere beiden B-Jugend-Torhüter in Richtung Mainz bzw. Freiburg verlassen. Da darf uns zukünftig nicht mehr passieren. Wir müssen es schaffen, diese Spieler hier im Verein halten zu können.

Artur Stopper Matthias, ich möchte mich ganz herzlich für das Interview bedanken und wünsche dir weiterhin viel Freude und Erfolg bei deiner Tätigkeit.