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Wolfgang Kleff

Wolfgang Kleff: „70 ist doch ein jugendliches Alter“

Von Artur Stopper in Interviews

Nur wenige Torhüter können mehr sportliche Erfolge nachweisen als Wolfgang Kleff. Er war eines der Gesichter der legendären Gladbacher Fohlen-Elf, die in den Jahren 1970, 1971, 1975, 1976 und 1977 fünf Mal die deutsche Meisterschaft, 1973 den DFB- und 1975 den UEFA-Pokal gewann. Nicht ganz so erfolgreich verlief Kleffs Karriere in der Nationalmannschaft. Nur sechs Mal sechs konnte er sein Können im DFB-Team zeigen, weil er seinerzeit im Schatten des 95-fachen Rekord-Nationaltorhüters Sepp Maier (Bayern München) stand. Mit der Nationalmannschaft wurde er aber 1972 Europa- und 1974 Weltmeister, allerdings ohne Einsätze. Vor wenigen Monaten feierte der ehemalige Ausnahmetorwart seinen siebzigsten Geburtstag. Auch wenn er inzwischen nicht mehr im Tor steht, engagiert er sich in der Lotto-Elf immer noch für einen guten Zweck. Goalguard.de traf Wolfgang Kleff anlässlich eines Benifiz-Spiels der Lotto-Elf am Flughafen Hahn.

Artur Stopper Herr Kleff, vor wenigen Monaten feierten Sie Ihren 70. Geburtstag. Trotzdem haben Sie, wie ich sehen konnte, noch mit viel Freude beim Training mit Jugendlichen …

Wolfgang Kleff Siebzig Jahre ist doch ein jugendliches Alter (schmunzelt) und letztlich nur eine Zahl. Wenn man mit jungen Menschen häufig zusammen ist, bleibt man jung.

Artur Stopper Viele Ex-Profis klagen über körperliche Probleme, weil die großen körperlichen Belastungen während der Profizeit ihren Tribut forderten. Welche Spuren hat diese Profizeit bei Ihnen hinterlassen?

Wolfgang Kleff (lacht) Von oben bis unten, überall. Ich kann mich noch bewegen, an manchen Tagen etwas besser, an anderen etwas schlechter. Aber insgesamt haben die körperlichen Belastungen des Sports bei mir viele Spuren hinterlassen. Manche sagen ja „Sport ist Mord“, aber ich lebe ja noch.

Artur Stopper Mit wie viel Interesse verfolgen Sie noch die aktuelle Fußballwelt?

Wolfgang Kleff Gesteigertes Interesse habe ich nicht, ich bin kein Fanatiker. Ich besuche aber die meisten Heimspiele von Borussia Mönchengladbach, manchmal mit Freude und manchmal mit weniger Freude. Aber das ist normal im Sport. Ansonsten interessieren mich natürlich Welt- und Europameisterschaften. Für alle anderen Fußballereignisse bringe ich wenig Interesse auf.

Fußballprofis leben in einer Parallelwelt, die mit dem normalen Leben wenig zu tun hat. Das war sicherlich auch zu Ihrer Zeit schon der Fall. Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen früher und heute?

Wolfgang Kleff In unserer aktiven Zeit war der Unterschied noch nicht so groß. Ich persönlich fühlte mich als Teil des Gesamtvereins. Man hat sich gegenseitig an sich erfreut, die Zuschauer in den Stadien an unseren Leistungen und wir uns an netten Unterhaltungen und Gesprächen mit unseren Anhängern. In der heutigen Zeit ist die Situation schon etwas anders, die Spieler werden von den Fans sehr belagert und beansprucht. Heutzutage sind die Erwartungen der Fans viel schlimmer geworden. Das ist schon manchmal kritisch zu sehen. Ich habe jedenfalls viel Verständnis dafür, dass sich die Spieler manchmal lieber zurückziehen.

Artur Stopper Profis verdienen heutzutage Millionen-Gehälter. Wären Sie lieber heute Fußballprofi als in Ihrer Zeit?

Wolfgang Kleff (lacht) Es wäre gelogen, wenn man unter finanziellen Aspekten nein sagen würde. Ansonsten bin ich aber froh, dass ich in der damaligen Zeit groß geworden bin. Das ganze Umfeld war in dieser Zeit schöner, die Leute gingen netter miteinander um. Heute empfinde ich den Umgang als kälter. Noch ein ganz wichtiger Punkt, warum ich lieber früher als heute gelebt hätte: Ich hätte sonst meine beiden Kinder nicht!

Artur Stopper Ihr Ex-Teamkollege Jupp Heynckes sagte einst über Sie: „Er ist leichtlebig, kann sich aber auf den Punkt konzentrieren." Ist die Konzentrationsfähigkeit eine der wichtigsten Eigenschaften im Torwartspiel?

Wolfgang Kleff Diese Aussage ist korrekt, bei mir war das so. Im Alltag ließ ich mich eher leicht ablenken. Wenn es aber im Spiel darauf ankam, konnte ich mich äußerst gut konzentrieren und war höchst professionell in meiner Arbeitsauffassung.

Artur Stopper Profifußballer werden von manchen Menschen wie Halbgötter behandelt. Sie galten in Ihrer aktiven Zeit als sehr bodenständig. Wie schwierig ist es, bei all der Verehrung nicht abzuheben?

Wolfgang Kleff Ich weiß es nicht. Für mich kann ich nur sagen, dass ich damit keine Probleme hatte. Mir war wesentlich lieber, als Mensch anstatt als Fußballprofi geschätzt zu werden. Ich kann mich schwer in die Situation eines anderen hineinversetzen, weil ich diese Situation so nicht kenne. Wir sind alle ganz einfach Kinder Gottes oder unserer Eltern und werden das immer bleiben. Wie so oft kommt es auch hier einfach auf eine gute Erziehung an.

Artur Stopper Herr Kleff, ich bedanke mich für das Interview, wünsche Ihnen möglichst wenig Schmerzen und noch viel Freude in Ihrem Leben.