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Bundesliga

Bundesliga: Immer mehr ausländische Stammtorhüter

Von Artur Stopper in Kolumne von Artur Stopper

Schon seit Beginn der Bundesliga spielen ausländische Torhüter in Deutschlands Eliteliga. Beim Bundesligastart in der Saison 1963/64 war bei 1860 München die Torhüterposition mit dem Jugoslawen Petar Radenkovic besetzt, der über viele Jahre eine der schillerndsten und besten Torhüter in der Bundesliga bleiben sollte. Auch andere großartige ausländische Torhüter wie der Schwede Ronnie Hellström (1.FC Kaiserslautern) oder der Belgier Jean-Marie Pfaff (Bayern München) waren über viele Jahre absolute Leistungsträger in ihren Vereinen. Es gibt nur wenige Spielzeiten in der über 50-jährigen Bundesligageschichte, in denen nur deutsche Torhüter die Position als Nummer eins besetzten. Seit einigen Jahren nehmen aber immer mehr Torhüter aus dem Ausland die Stammposition zwischen den Pfosten der Bundesliga ein. Obwohl allseits Deutschlands Torhütertradition sowie die Torwart-Ausbildung in den heutigen Nachwuchszentren überschwänglich gelobt werden, läuft die Entwicklung in den Toren der Bundesligavereine in eine andere Richtung. Aktuell besitzen neun Stammtorhüter der Bundesliga, also exakt die Hälfte, keinen deutschen Pass. Besonders häufig vertreten sind Schweizer Torhüter, denn mit Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach), Roman Bürki (Borussia Dortmund), Diego Benaglio (VfL Wolfsburg) und Marvin Hitz (FC Augsburg) stehen im Moment vier Schweizer Torhüter zwischen den Pfosten in ihren Vereinen. Mit Jonas Lössl (Mainz 05) und Martin Hansen (FC Ingolstadt) füllen zwei Dänen diese Position aus. Der Ungar Peter Gulascsi (RB Leipzig), der Norweger Rune Jarstein (Hertha BSC), der Tscheche Jaroslav Drobny (Werder Bremen) und der Finne Lukas Hradecky (Eintracht Frankfurt) sind weitere ausländische Torhüter, die momentan in ihren Vereinen die Nummer eins sind.

Wie viele Stammpositionen in der Bundesliga in den letzten zehn Jahren von ausländischen Torhütern besetzt waren, zeigt die folgende Grafik, in der die Entwicklung seit der Saison 2006/07 dargestellt ist.

Spielzeiten ohne ausländische Stammtorhüter

Wie bereits angesprochen, gab es in der langen Geschichte der Bundesliga auch Spielzeiten, in denen sämtliche Stammpositionen ausschließlich mit deutschen Torhütern besetzt waren. Erstmals war dies in der Saison 1981/82 der Fall. Anfang der 90er-Jahre (1989/90, 1990/91, 1991/92 und 1995/96) standen sogar über mehrere Spielzeiten nur deutsche Torhüter zwischen den Pfosten der Erstligavereine.

Gründe für diese Entwicklung

Marvin Hitz vom FC AugsburgWenn man die aktuelle Entwicklung betrachtet, stellt sich die Frage nach den Gründen für diesen Trend, dass trotz nachweislich hervorragender Ausbildung der Nachwuchskeeper in den Ausbildungszentren der Vereine die Verantwortlichen immer öfter auf Internationalität setzen. Ein Grund ist sicherlich, dass auch in anderen Ländern Hervorragendes bei der Ausbildung von Torhütern geleistet wird. Nicht von ungefähr waren in der vergangenen Saison neben den bereits genannten Schweizer Torhütern Sommer, Bürki und Hitz zusätzlich mit Diego Benaglio (VfL Wolfsburg) vier Torhüter aus unserem Nachbarland Stammtorhüter in ihren Vereinen. Mit Chefausbilder Patrick Foletti haben die Schweizer einen der Top-Torwarttrainer Europas in ihren Reihen. Sicherlich spielt manchmal auch der Faktor Glück eine Rolle. „Wir alle waren vielleicht auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort, es hat alles gepasst. Aber die Ausbildung ist natürlich schon ein großer Punkt", sagte der Augsburger Hitz einmal zur Tatsache, dass Eidgenossen ausgerechnet ins Torwart-Land Deutschland zum Exportschlager geworden sind.

Roman Bürki vom Borussia DortmundSpeziell bei Schweizer Torhütern kommt hinzu, dass sie aufgrund ihrer Sprache und Mentalität keine Verständigungs- und Anpassungsprobleme in der Bundesliga haben. Nicht ganz unbedeutend bei der Verpflichtung Schweizer Torhüter dürfte auch die Tatsache sein, dass alle drei Schweizer Torhüter vom deutschen Spielerberater Wolfgang Vöge betreut werden, der in der Bundesliga gut vernetzt ist. Der entscheidende Punkt ist aber wohl das gute Preis-Leistungs-Verhältnis. So kam z.B. Lukas Hradecky, der finnische Nationaltorwart mit slowakischen Wurzeln, vor der abgelaufenen Saison für ca. 2 Millionen Euro vom dänischen Spitzenklub Bröndby Kopenhagen zu Eintracht Frankfurt. Deutsche Torhüter mit dieser Klasse wären für einen solchen Preis wohl kaum zu bekommen gewesen. Der heutige Publikumsliebling und Leistungsträger in Reihen der Hessen hat inzwischen seinen Marktwert auf ungefähr 4 Millionen Euro gesteigert. Ähnliche Beispiele gibt es genügend. Roman Bürki (Borussia Dortmund) z.B. besaß in seiner Zeit beim SC Freiburg einen Marktwert von 2,5 Millionen Euro. Für die recht günstige Ablösesumme von 3,5 Millionen Euro, die er sich beim seiner Verpflichtung festschreiben ließ, wechselte er zu Borussia Dortmund. Inzwischen wird sein Marktwert auf 6 Millionen Euro beziffert.