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Bundesliga: Stammtorhüter unter der Lupe

Von Artur Stopper in Kolumne von Artur Stopper

Die Entscheidungen darüber, wer als Nummer eins beim jeweiligen Verein zum Saisonstart 2017/18 ins Rennen geht, sind gefallen. Wir haben die aktuellen Stammtorhüter näher betrachtet und analysiert, welche Größe die Erstliga-Keeper im Durchschnitt aufweisen, welche Nationalitäten besonders oft die Nummer eins stellen und wie alt die Torhüter sind, die die Nummer eins in ihren Klubs repräsentieren.

Das Alter der Stammtorhüter

Interessant ist auch ein Blick auf die Altersstruktur der Stammtorhüter in der Bundesliga. Der Jugendwahn auf der Torhüterposition scheint beendet zu sein. Während früher die Meinung vorherrschte, dass das bestes Torwartalter ab 30 sei, wurde diese These vor einigen Jahren komplett auf den Kopf gestellt. Sogar Bundes-Torwart-Trainer Andy Köpke, der selbst noch mit diesem Spruch groß geworden war und lange an ihn geglaubt hatte, distanzierte sich bereits 2011 von dieser Erfahrung: „Den alten Spruch mit dem besten Torwartalter ab 30 können Sie inzwischen vergessen.“ Während damals „junge Wilde“ wie Leno, ter Stegen, Trapp, Ulreich, Baumann oder Horn – allesamt zwischen 20 und 24 Jahre alt – in extrem jungen Jahren die Position zwischen den Pfosten der Bundesligisten eroberten, ist dieser Trend inzwischen gebremst, wie die Abbildung zeigt:

Der Altersdurchschnitt der Stammtorhüter in der Bundesliga liegt im Moment bei 27,5. In diesem Alterssegment befinden sich ca. 12 von 18 Stammtorhütern. Im Gegensatz zu früheren Jahren gibt es in der Saison 2017/18 keine Ausreißer nach oben oder unten. Die Zeit der „Jungspunde“ scheint vorbei zu sein, jedenfalls hütet aktuell kein Torhüter unter 24 Jahren ein Bundesligator. Mit gerade mal 24 Jahre ist Timo Horn (1. FC Köln) der jüngste Stammtorhüter in der Bundesliga. Nur ein Jahr älter sind Alexander Schwolow (SC Freiburg), Jiri Pavlenka (Werder), Christian Mathenia (HSV), Koen Casteels (Wolfsburg) und Bernd Leno (Bayer 04), der trotz seines jungen Alters bereits 201 Bundesliga-Einsätze hinter sich hat. Im ehemals „besten Torwartalter“ befinden sich nur noch vier Torhüter. 32 Jahre alt sind Rene Adler (Mainz 05) und Rune Jarstein (Hertha BSC), der zugleich der älteste Torhüter unter den Stammtorhütern in der Bundesliga ist. Über 30 Jahre alt sind außerdem Nationaltorwart Manuel Neuer (Bayern) und Philipp Tschauner (Hannover 96).

Anteil ausländischer Torhüter in der Bundesliga

Der Trend zur Internationalität im Kasten der Bundesligisten setzt sich fort. Wie im vergangenen Jahr hat auch in dieser Saison die Hälfte aller Stammtorhüter keinen deutschen Pass. Neu hinzugekommen im Kreis der Bundesliga-Stammtorhüter mit ausländischer Herkunft ist der Tscheche Jiri Pavlenka, der Felix Wiedwald im Tor von Werder Bremen ersetzte. Neben dem 25-jährigen Tschechen haben sich wie im Vorjahr die drei Schweizer Roman Bürki (Dortmund), Yann Sommer (Mönchengladbach) und Marvin Hitz (Augsburg), der Finne Lukas Hradecky (Frankfurt), der Ungar Peter Gulacsi (Leipzig), der Norweger Rune Jarstein (Hertha BSC) und der Belgier Koen Casteels wieder einen Stammplatz gesichert.

Nimmt man die Gesamtkader aller Bundesligisten unter die Lupe, stellt man fest, dass von insgesamt 58 Bundesliga-Torhütern – der HSV, Mainz 05, der FC Augsburg, Gladbach und Leipzig haben jeweils vier Torhüter unter Vertrag – 20 Keeper aus dem Ausland stammen. Anders ausgedrückt: Der Anteil ausländischer Torhüter in den Kadern der Bundesligisten liegt bei 34 %.

Die Grafik zeigt, dass die Schweiz mit sieben Torhütern (Sommer, Bürki, Hitz, Coltorti, Mvogo, Köhn, Kobel) am häufigsten vertreten ist, gefolgt von Österreich, das drei Torhüter aufweist (Özcan, Langer, Sahin-Radlinger). Tschechien stellt mit Javlenka und Drobny (beider Werder Bremen) ebenfalls mehr als nur einen Torhüter. Ansonsten kommt je ein Torhüter aus Polen (Gikiewicz), aus Ungarn (Gulacsi), aus Norwegen (Jarstein), aus Finnland (Hradecky), aus Belgien (Casteels) und Australien (Langerak). Der 29-jährige Australier vom Absteiger VfB Stuttgart ist zugleich der einzige Torhüter mit außereuropäischer Herkunft. Mit Jonathan Klinsmann (Hertha BSC) und Ioannis Gelios (FC Augsburg) gibt es zwei Torhüter, die eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, unter anderem eine deutsche.

Die Größe der Bundesliga-Keeper

Die Torhüter der ersten Bundesliga weisen sowohl auf der Nummer eins als auch im Torwartteam insgesamt, also von der Nummer eins bis drei, eine durchschnittliche Größe von 1,91 m auf. Damit kommt zum Ausdruck, dass die Bundesligavereine in der Auswahl ihrer Torhüter durchaus auf eine entsprechende Größe achten, also große Torhüter bevorzugen. Besonders groß sind die Keeper beim Bundesliga-Aufsteiger Hannover 96. Mit Philipp Tschauner (1,96 m), Michael Esser (1,98 m) und Samuel Sahin-Radlinger (1,96 m) haben die Torhüter der Niedersachsen eine durchschnittliche Größe von 1,96 m. Die kleinsten Keeper in seinem Kader hat Borussia Mönchengladbach mit einer Durchschnittsgröße von 1,86 m. Sowohl Stammtorwart Yann Sommer als auch Ersatztorwart Tobias Sippel liegen mit einer Größe von 1,83 m deutlich unter dem Bundesliga-Durchschnitt. Sie sind zugleich die kleinsten Torhüter aller deutschen Erstligisten. Dass die Größe aber nicht das hentscheidende Kriterium für die Klasse eines Keepers ist, beweist der Schweizer Nationaltorwart Yann Sommer alljährlich. Der Riese in der Bundesliga ist Michael Esser von Hannover 96 mit einer Größe von 1,98 m, gefolgt von Thomas Kessler (1. FC Köln), Koen Casteels (VfL Wolfsburg) und Fabio Coltorti (RB Leipzig), die jeweils eine Größe von 1,97 m aufweisen.