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Konzentrationsübungen im Torwartspiel

Konzentrationsübungen im Torwartspiel

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Ein erfolgreiches Torwartspiel zeichnet sich durch den Einsatz einer punktuellen Leistungsfähigkeit aus. Der Fußballtorhüter hat im Gegensatz zum Feldspieler bei weitem nicht so viele Gelegenheiten, sich in den gesamten neunzig Spielminuten zu bewähren. Dennoch steht er in den wenigen, dann aber spielentscheidenden Situationen im Mittelpunkt des Geschehens und muss nach einer aktionsärmeren Spielphase in der „Sekt oder Selters“-Prüfung tadellos funktionieren. Kein einfaches Unterfangen, das den gekonnten Einsatz einer punktuellen Konzentrationsfähigkeit voraussetzt. Eine 100-prozentige Konzentrationsbereitschaft ist hingegen über die komplette Spielzeit kaum zu leisten. Zudem auch nicht ratsam. Denn dieser Einsatz wäre viel zu kräfteraubend und würde dem Torhüter die mentale Frische für die bevorstehenden Big-Points eines Matches nehmen. Viel wichtiger ist es, ein stetig vorhandenes Aufmerksamkeits-Level vor den anstehenden Prüfungsaufgaben leistungsfördernd „hochzufahren“, um es anschließend wiederum leistungsfördernd zu senken! Die „punktuelle Funktion“ ist daher ein wegweisender Leistungsschlüssel im Torwartspiel. Die folgenden Übungsbeispiele werden den Lernprozess dieser immens wichtigen Eigenschaft wirksam unterstützen.

Skizze einer möglichen Konzentrationsübung

1. „Punktuelle Funktion“

Ziel dieser Übungsform ist, die „punktuelle Funktions-Fähigkeit“ eines Torhüters zu verbessern. Diverse Varianten einer „Maßregelung“ sind dafür unverzichtbar und kommen leistungsfördernd hinzu. Dadurch wird der Stressfaktor eines Spieltages simulierend nachgestellt und bereitet den Keeper auch mental auf die entscheidenden Momente im Match vor. Der ansonsten eher „druckfreie“ Trainingsalltag gewinnt an Brisanz und der Kopf wird geschult. Bei den vorgeschlagenen Torschussvarianten gilt die bewährte Devise: Vom Einfachen zum Schweren.

  • 1. Die Torhüter und der Trainer schießen fünf harte, auf den Torhüter platzierte, hohe Volleys.
    Bestrafungsgrad 1: Jeder fallen gelassene Ball hat fünf Liegestütze zur Folge.
  • 2. Die Torhüter und der Trainer schießen fünf hart getretene Aufsetzer in den Torwartbereich (körpernah).
    Bestrafungsgrad 2: Nicht festgehaltene Bälle werden mit jeweils drei Klimmzügen an der Torlatte „bestraft“.
  • 3. Die Torhüter und der Trainer schießen mit voller Wucht aus ca. 20 Meter in den Torwartbereich (6-8 Aktionen).
    Bestrafungsgrad 3: Für jeden nicht festgehaltenen Ball muss der Keeper einmal um das gesamte Spielfeld herum laufen.
  • 4. Der Torhüter steht mit dem Rücken zum Spielfeld in der Tormitte. Der Trainer steht vor ihm und versucht ihn durch Fragen, Aufgaben (rechnen, etc.), oder simplem Small-Talk abzulenken. Der Torhüter lässt sich darauf ein (ganz wichtig!) und konzentriert sich ausschließlich auf die Worte seines Trainers. Diese Anwendung darf pro Aktion bis zu zwei Minuten andauern. Der überraschende Ruf des Trainers „Zwei!“ erfolgt dann lautstark und nach seinem zeitlichen Empfinden („2“ für Torhüter 2; alternativ A, B, oder C…). „Torhüter 2“ versucht nun postwendend ein Tor zu erzielen. Der im Tor stehende Keeper dreht sich schnellstmöglich um und muss seine punktuelle Qualität unter Beweis stellen.
    Bestrafungsgrad 4: Bei haltbaren Bällen ist die Einheit - so hart es auch klingen mag - für den Keeper beendet. Das sollte die schlimmste aller Keeper-Bestrafungen sein! (Weitere und ausführlichere Details in der Übungsform „punktuelle Funktion II“ )

2. Aktives Erholen / mentales Stärken: „Augen zu!“

Gerade nach einer anstrengenden Belastungsphase besonders wertvoll. Beispielsweise nach einem intensiven Torlinien–Training. Das Ziel: Mit möglichst hohem Puls in die Konzentrations- und Ruhephase. Ein wichtiger und für das Torwartspiel prädestinierter Trainingseffekt, der Körper und Seele stärkt!

3. Punktuelle Funktion Teil II / „Bewusstes Ablenken“

Die folgenden Ablenkungsphasen werden die Fähigkeit einer „punktuellen Funktion“ weiter fördern. Ein Stift und ein Blatt Papier dürfen bei dieser Trainingsform nicht fehlen.

  • 1. Das Aufschreiben der eigenen Adresse (ca. 27 Sek.)
  • 2. Die Englisch-Übersetzung von zwei Sätzen zu Papier bringen (ca. 30 Sek.) Z.B.: "Do the important before the urgent.". Oder: "The sun always shines on TV.".
  • 3. Eine Mathematikaufgabe lösen (ca.15 Sek., Beispiel: 785-100+25x2 = ?)
  • 4. Beschreibe deinen Mitspieler XY … (Position, Größe, Spielbein, Stärke, ca. 25 Sek.)
  • 5. Ein Rätsel (Im Internet finden Sie eine Riesenauswahl an Beispielen) lösen
Die Quintessenz

Der Torhüter muss nach der provozierten „Auszeit“ sofort in die Aktion. Dadurch wird er lernen, seinen Aufgaben auch nach „kälteren“ Spielphasen selbstbewusster zu begegnen und den Fokus auf das „JETZT“ erfolgreich schulen! Das sind extrem wichtige Trainingserfahrungen, die der eigenen Überzeugungskraft („Ich kann das, das habe ich schon erlebt!“) im Match zu Gute kommen. „Diverse Bestrafungsformen“ dürfen und sollen als nächsten Level erneut hinzukommen und werden den Lerneffekt nochmals erhöhen.

Lasst euch was einfallen!

Damit wir uns an dieser Stelle jetzt nicht falsch verstehen. Ein erfolgreiches Torwartspiel zeichnet sich primär natürlich dadurch aus, sämtliche Störfaktoren im Wettkampf ausblenden zu können. Externe Ablenkungen gar nicht erst wahr zunehmen. Das soll und muss natürlich auch so sein und reibt sich mit den Vorschlägen der hier vorgestellten Übungsreihen dennoch nicht. Denn das Ziel dieser Maßnahmen ist eindeutig: Dem Keeper dabei zu verhelfen, nach einer längeren, aktionsarmen Phase für die Ballaktion fokussiert bereit zu stehen. Den Glauben des Torhüters „Auf den Punkt genau funktionieren zu können“ zu stärken und weiter zu festigen! Viele Wege führen nach Rom! Denn der Wunsch nach stetiger Verbesserung sollte das ultimative Ziel sein! Und dafür sollten wir bereit sein, auch mal neue Wege einzuschlagen …