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Spieltaganalyse #10

Spieltaganalyse #10: Der 20. Spieltag

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Der Fußballtorhüter ist im Mannschaftssport Fußball nicht selten ein Einzelkämpfer. Er hebt sich rein optisch von seinen Mitspielern durch eine andersfarbige Spielbekleidung ab, trägt Handschuhe und ist privilegiert, den Ball in seinem Strafraum mit den Händen aufzunehmen. In einer Sportart, in der für alle der umjubelte Einschlag des runden Leders das Zentrum aller Interessen ist, geht der Keeper einem anderen Handwerk nach. Einer anderen Sportart, einem komplett anderen Spielziel! Das erzielte Tor ist für die nicht Handschuhtragenden der Höhepunkt eines Fußballspieles, für den Torhüter natürlich ein Dorn im Auge. Logischerweise! Denn er muss, will den dramaturgischen Gegenpart spielen. Die Rolle des Spielverderbers – des Bösewichtes? - der den Lohn aller Offensivkünste im Keim ersticken möchte. Torhüter, die diese Aufgaben bravourös meistern, sind das Salz in der Suppe und ernten dafür anerkennenden Beifall. Zumindest von der eigenen Anhängerschaft. Die Hüter eines seelenlosen Kastens - der auch kleinste Patzer meist nie verzeiht - müssen sich durch die stetig wechselnden, meist rauen Wetterfronten ihrer Spielposition sprichwörtlich durchboxen. Nehmerqualitäten beweisen, die denen eines Boxers gleichkommen. Denn Boxer sowie Keeper stehen grundsätzlich in der Pflicht, sich gegen die drohenden Einschläge erfolgreich zu stemmen. Demnach wird die heutige Analyse der Partie Darmstadt gegen Dortmund den Gesetzen eines Boxkampfes folgen und den Gewinner nach 10 hart umkämpften Runden ermitteln. In der rechten Ringecke steht der Lokalmatador Michael Esser, in der linken Ecke der angereiste Herausforderer Roman Bürki. Wer der beiden Keeper hatte nach dem Fight die Nase vorn, und nicht blutig? Gong!

  • Runde 1 (1. – 9. Spielminute): Esser gefiel mit einem sicheren Rückpassspiel und präzise geschlagenen Flugbällen. Handschuhtechnisch musste er sich nicht beweisen. Bürki stand von Beginn an unter Druck und parierte einen Kopfball aus kürzester Distanz mit einem Riesenreflex.
    Die Auftaktrunde ging somit an den Dortmunder
  • Runde 2 (10. – 18. Spielminute): Esser setzte sein sehr lang und präzise geschlagenes Flugballspiel fort und fing in der 10. Spielminute einen Eckball gekonnt ab. Roman Bürki hielt in der 16. Spielminute - begünstigt durch sein gutes Stellungsspiel - eine Darmstädter Direktabnahme sicher fest.
    Daher ein gerechtes Remis.
  • Runde 3 (19. – 27. Spielminute): Michael Esser parierte einen seitlichen Flachschuss und glänzte in der 24. Spielminute in einer Top 1 vs. 1 Szene gegen Reus. Der Dortmunder machte bei dem Darmstädter Führungstreffer (eine „unschön“ aufsetzende Direktabnahme aus ca. 10 Metern) eine etwas unglückliche Figur und schoss auch einen Rückpass ohne Not ins Seitenaus.
    Runde 3 ging deutlich an den Lokalmatador.
  • Runde 4 (28. – 36. Spielminute: Der Darmstädter fing in der 32. Spielminute einen Eckball souverän ab. Sein Gegenüber war nahezu beschäftigungslos.
    Auch die Runde ging an Esser.
  • Runde 5 (37. – 45. Spielminute): Esser bekam es am Ende der ersten Spielhälfte mit einem „Schwarz /Weiß-Effekt“ zu tun. In der 42. Spielminute kratzte er katzengewand einen Dortmunder Volleyschuss aus 13 Metern über die Torlatte. 2 Minuten später war er beim Ausgleichstreffer chancenlos. Die Nr.1 des BVB demonstrierte in der 45. Minute echte Lufthoheit und fing einen frontal in Richtung Tor getretenen Flankenball 7 Meter vor seiner Bude sicher, vor allem aber resolut ab. Ein wahrhaftig aktiver Aufwärtshaken … .
    Demnach Rundensieg für Bürki.
Sein Team verlor, im direkten Torwartvergleich gewinnt er aber: Roman Bürki
  • Runde 6 (46. – 54. Spielminute): Bis auf eine verpflichtend zu lösende Mitspielaktion und einem etwas zu hoch geratenen Hüftdrehstoß wurde Darmstadts Keeper nicht gefordert. Bürki stellte bei einer scharf geschossenen, seitlichen Hereingabe seine Klasse unter Beweis.
    Runde 6 geht an den Schweizer.
  • Runde 7 (55. – 63. Spielminute):Beschäftigungslose Phase für Esser. Sein Pendant konnte sich durch eine resolute, beidhändige Faustabwehr nach einer Flanke auszeichnen.
    Erneuter Sieger: Der BVB Keeper
  • Runde 8 (64. – 72. Spielminute): Esser machte mit einem sicher parierten Kopfball auf sich aufmerksam (70.). Bürki wurde bei dem Darmstädter Siegtreffer getunnelt (im 1 vs. 1, 67. Minute), setzte aber in der 70. Spielminute durch eine spektakuläre Fußabwehr auf der Torlinie ein echtes Ausrufezeichen. Rums, das hatte gesessen…
    Daher geht auch diese Runde an ihn.
  • Runde 9 (73. – 81. Spielminute): Esser sorgte mit weiteren, lang und sehr genau geschlagenen Flugbällen für wichtige Entlastung. Der Dortmunder war in dieser Spielphase beschäftigungslos.
    Rundensieg für den tadellosen Hessen.
  • Runde 10 (82. – 90. Spielminute): Beide Keeper konnten sich in der Schlussrunde nicht mehr auszeichnen. Den größeren Druck musste aber Esser in der stürmischen BVB Drangphase über sich ergehen lassen…
    … und gewinnt diese finale Runde.

… aber nicht den Keeper-Fight. Denn knapper Sieger nach Punkten wurde Roman Bürki (5:4). Die Bewertung wäre nach rein fußballerischen Kriterien sicherlich ein wenig anders ausgefallen. Die eine oder andere Runde ging aus Verlierersicht sicherlich unverschuldet an den Kontrahenten, da auch fehlende oder nicht vergleichbare Prüfungen zu dem Verlust eines Rundensieges geführt hatten. Kein Beinbruch, aber das waren die heutigen Regeln. Spaß gemacht hatte es dennoch. Denn es war ein richtig cooler Fight. und in beiden Keepern loderte das „Auge des Tigers“! Und keiner der beiden ist k.o. gegangen … . Der richtig gute und fehlerfrei gebliebene Esser würde über dieses Ergebnis ganz sicher nur müde lächeln. Denn er hatte nach diesem Nachmittag tatsächlichen Grund zum Jubeln.

In diesem Sinne: Ich wünsche allen Einzelkämpfern eine gute Zeit! Bis bald!