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Spieltagnalyse #11

Spieltagnalyse #11: Der 21. Spieltag

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Die „etwas“ Älteren unter uns können sich ganz sicher noch an die glorreiche Boris Becker – Ära im Tennis erinnern. Der charismatische Charme Wimbledons – Beckers Wohnzimmer – verzauberte die heimischen Wohnzimmer und elektrisierte uns alle. Immer dabei, der kompetente und pro Becker sympathisierende RTL-Moderator Gerd Szepanski. Becker glänzte auf dem Court, Szepanski am Mikro. Das waren tolle Zeiten! Ein Wort Szepanskis blieb bei mir besonders haften. Ein Wort, das auch in einem erfolgreichen Torwartspiel nicht wegzudenken ist. „Ein ganz wichtiger „Big - Point“ Beckers“, rief uns Szepanski durch die Mattscheiben begeisternd zu, und der „rote Baron“ lenkte mal wieder ein Match in die von ihm gewünschte Richtung. Unvergessliche Momente, Spannung pur!

Der „Big - Point“ war Beckers bester Freund und der wegweisende Leistungsbote in vielen seiner Matches. Im Tennis seit jeher gang und gebe, aber auch absolut typisch für das Torwartspiel. Die mentale und physische Leistungsstärke eines Keepers „verbrüdern“ sich in diesem einen, aber entscheidenden Moment und sind dann meistens spielentscheidend. Sie stellen die Weichen auf Sieg und verhelfen dem eigenen Team zu neuen Kräften. Kräfte, die den Gewinn einer ganz engen Partie überhaupt erst ermöglichen. Die Big-Points sind die Wegweiser einer Partie und brechen dem Kontrahenten in nachweisbarer Regelmäßigkeit das Genick! Welche Bundesligakeeper konnten diesem ganz besonderen Gütesiegel heute gerecht werden? Wer verhalf seiner Truppe, durch den Einsatz dieser magischen Momente, den Platz aufrecht und als Sieger zu verlassen? Goalguard stellt die Top-3-Momente des heutigen Spieltages vor. Die Auswahl ist rein subjektiv, die Botschaft mitnichten!

Big Point #1

Felix Wiedwald gibt Anweisungen im Spiel gegen MainzDie abstiegsgefährdeten Werderaner mussten zum schweren Auswärtsspiel nach Mainz anreisen und gewannen letztendlich mit 2:0. Auch dank einer überragenden Torhüterleistung des zuletzt zu oft gescholtenen Felix Wiedwald. Wieviel Potential tatsächlich in ihm steckt, zeigte die Bremer Nr.1 in der 50. Spielminute. Seine Mannen führten früh mit 2:0 und der Mainzer Sturmlauf nahm immer mehr an Fahrt auf. Nach einem seitlichen Freistoß parierte Wiedwald einen richtig gut und mit Druck platzierten Kopfball schlicht und ergreifend grandios. Ein optimaler, blitzschneller Abdruck und eine aktive untere Hand erweckten diesen Big-Point zum Leben. Der nahezu Unhaltbare versetzte den Mainzer Bemühungen einen empfindlichen Seitenhieb und ließ die Grün-Weißen den Platz als Sieger verlassen.

Big Point #2

Michael Hectors Kopfball streicht knapp am Tor von Torwart Martin Hansen vorbei.Der FC Ingolstadt gastierte bei der Eintracht aus Frankfurt. Im Ingolstädter Kasten stand wie gewohnt Martin Hansen, und der machte seinem Berufstand alle Ehre! Sein gehaltener Elfmeter bei eigener 1:0 Führung (56. Minute) drückte die Moral der Eintracht weiter in den Keller und injizierte seiner Truppe erneutes Dopamin. Die Entstehung: Hansen warf sich im 1gegen1 todesmutig vor den zum Einschuss bereiten Hessen und der unberechtigte Pfiff des Schiris signalisierte Strafstoß. Hansen entschied sich zum „Mund abputzen und weiter geht´s“–Prinzip und stand in Clint Eastwood-Manier auf der Torlinie. Cool abwartend bis zum Vollzug. Der Schütze platzierte den Strafstoß scharf und nicht schlecht getreten in Hansens linke, untere Budenecke. Die Nr. 1 des Aufsteigers tauchte blitzschnell ab und parierte die Kugel mit beiden Händen seiner lang und gierig ausgestreckten Arme. Phantastisch! Das Glück des Tüchtigen war anschließend auf seiner Seite, da der Nachschuss aus 3 Metern kläglich vergeben wurde. Die Moral des Hessen schien gebrochen und der wichtige Dreier war unter Dach und Fach. 2:0 für Ingolstadt. Hansens Big-Point sei Dank!

Big Point #3

Bernd Leno beim Aufwärmen vor dem SpielDie Bayer-Elf reiste in den Süden nach Augsburg. Natürlich mit an Bord der deutsche Nationalkeeper Bernd Leno, der seinem Ranking heute mehr als gerecht wurde. Unter vielen herausragenden Szenen wurde die 33. Spielminute zu seinem Sahnestück. Leno entschärfte eine brisante 1 vs.1 - Situation und hielt seine Kicker auf der Erfolgspur. Deutschlands Nr.2 demonstrierte eindrucksvoll, wie wichtig ein richtig getimter Laufweg und das frühzeitige Lesen im 1gegen1 tatsächlich sind. Seine perfekt getimte Handlungsschnelligkeit reduzierte die ursprünglichen Flächenmaße (7,32 x 2,44 Meter) seines Kastens auf die Größe eines Eishockeytores, das Leno großbleibend und wie eine Wand ausfüllen konnte. Dem Einschuss bereiten Schützen blieb nichts anderes übrig, als den Ball auf Lenos Brust zu feuern. Ganz stark pariert, da mit Kalkül provoziert! Leno stärkte das Rückgrat seiner Elf und ließ die Last der Augsburger immer schwerer werden. Letztendlich zu schwer, und die Punkte gingen durch einen 3:1 Erfolg in den Westen.

Wow, das waren ohne Frage fantastische Aktionen! Spielentscheidende Großtaten, die auf das Konto dieser Drei gingen. Wiedwald, Hansen und Leno zeigten unter höchstem Druck ihre Klasse und konnten das Rad des Erfolges aus eigener Kraft in die richtige Richtung lenken. Diese Aktionen sind genauso wichtig wie das erzielte Siegtor des viel umjubelten Schützen. Deshalb sollten diese Keeperszenen medial auch genauso gewürdigt werden. Doch da fällt das Kind immer noch zu oft in den Brunnen. Wir von Goalguard haben nicht weggeschaut (wir wissen ja auch, wie es sich anfühlt…) und diese Heldentaten respektvoll honoriert. In diesem Sinne.
Bis nächste Woche!