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Spieltaganalyse #15

Spieltaganalyse #15: Der 25. Spieltag

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Gute Torhüter sind wie ein guter Wein! Je älter, desto besser! Das heutige Torwartspiel widerlegt diese These zweifelsohne, denn Keeper der Gegenwart wissen sich schon in jungen Jahren eindrucksvoll in Szene zu setzen. Von Kindestagen an top ausgebildet, stehen sie Woche für Woche ihren Mann und reifen deutlich früher zum Rückhalt ihrer Elf heran. In ihrer Spielanlage kompletter als die Linientiger von einst treten die Youngsters den Anforderungen ihrer Spielposition wesentlich selbstbewusster entgegen. Der unermüdliche, akribische Einsatz der Torwarttrainer hat sich bezahlt gemacht und seinen unverzichtbaren Wert nachhaltig bewiesen! Nichtsdestotrotz: Damit im Profifußball nicht nur leise angeklopft, sondern von Beginn an für Furore gesorgt wird, muss das eigene Rüstzeug von besonderem Kaliber sein. Denn ohne eine überdurchschnittlich große Begabung – ganz gleich in welcher Torwartdisziplin - wird der dauerhafte Eintritt in den Olymp des Fußballs, trotz bester Trainingsmethoden, trotz größtem Einsatz , schlicht und ergreifend nicht gelingen.

Die Bundesliga zeigt auf, dass mittlerweile immer mehr junge Schnapper über diese Qualitäten verfügen. Marc-Andre ter Stegen, Bernd Leno, Kevin Trapp oder auch Ron-Robert Zieler, um nur einige zu nennen, konnten bekanntermaßen schon als Greenhorn ihre große Klasse unter Beweis stellen und werden seitdem als legitime Thronfolger der deutschen Nr. 1 Manuel Neuer gehandelt. Ausbildung und Talent haben diesen Weg geebnet!

Timo Horn bei seinem Comeback im Tor des 1. FC Köln am 18.03.2017

Ihre überragenden Vereinsleistungen konnten sie im DFB-Trikot bislang noch nicht bestätigen. Zumeist eingesetzt in eher belanglosen Testspielen, dennoch nicht immer fehlerlos. Vor allem nie so überzeugend wie im Verein. Warum auch immer? Die Frage nach dem tatsächlichen Kronprinzen Neuers bleibt somit weiterhin offen. Ein weiterer, potentieller Kandidat, der in der Domstadt Köln sein sportliches Domizil aufgeschlagen hat, scharrt seit letztem Wochenende wieder mit den Hufen. Köln, da war doch mal was? Na Logo, denn dort hatten auch die Herren Schumacher und Illgner ihr Handwerk erlernt…Nicht „allzu schlecht“, wie wir alle wissen! Die Leistungen des aktuellen FC-Keepers Timo Horn konnten mit denen seiner Vorgänger bislang problemlos mithalten. Bis zu diesem verdammten Novembertag des vergangenen Jahres, als ihn ein Meniskusschaden für mehrere Monate außer Gefecht setzen sollte. Extrem bitter, aber da muss man als wahre Nr.1 einfach durch! Timo Horn, der in nahezu allen DFB-Juniorenauswahlen zu überzeugen wusste und 2016 die Nr.1 des deutschen Olympiateams (6 Einsätze) war, nahm diesen Kampf natürlich auf und arbeitete in der Folgezeit hart an seiner sportlichen Wiederauferstehung! Seinem Comeback! Letztes Wochenende war es dann endlich soweit!

Seine Rückkehr wurde nicht nur aus dem Kölner Lager sehnsüchtig erwartet, auch die interessierte Torwartspielgilde bis hin zum Bundestorwarttrainer dürfte / sollte gespannt sein, ob der 23- Jährige sein beindruckendes Leistungspaket wieder schnüren kann. Ein Grund mehr, das Kölner Urgestein - seit 2002 im Verein, schon jetzt 141 Bundesligapartien auf dem Buckel - bei seinen ersten Gehversuchen auf altbekanntem Terrain genauestens unter die Lupe zu nehmen. In allen Disziplinen. Die spannende Frage: „Ist Horn nach seiner langen Verletzungspause schon wieder ein heißer Anwärter auf das Nationaltor, oder braucht er noch Zeit? Auf geht´s, Timo!

Torlinie

„Top! Jogi Löw muss sich demnächst mehr FC Spiele anschauen…“

Drei starke „Bewerbungsparaden“ könnten ihn dazu bewegen. In der 31. Minute entschärfte Horn einen Kopfball aus kürzester Distanz. Das Leder kam mit Wucht auf seine Brust und der Kölner setzte ballsichernd und gedankenschnell nach. Noch spektakulärer trat Horn in Halbzeit zwei auf. Eine Direktabnahme aus ca. 4 Metern (81.) wehrte er sensationell ab. Beeindruckend sein stabil gebliebener rechter Arm, der die Kugel durch eine kurze Aufwärtsbewegung über die Torlatte lenkte. Eigentlich kaum zu halten! Zwei Minuten vor Spielende schüttelte sich der FC-Keeper erneut ein Ass aus dem Ärmel. Den körpernahen Kopfball kratzte er mit der rechten Hand von der Torlinie. Dafür musst er ganz tief runter…Zwei wichtige Big-Points in den Schlussminuten, die einen entscheidenden Anteil am FC-Sieg hatten.

„Flop! Eine Reise nach Barcelona ist schöner …“

Das mag zwar sein. Doch die Leistung von Timo Horn gab dazu heute keinen Anlass.

1 gegen 1 Situationen

„Top! Jogi Löw kommt ins Grübeln …“

Leider nicht. Denn die Herthaner konnten sich hier nicht in Szene setzen und Horn blieb ein 1gegen1 verwehrt.

„Flop! Nein, denn in der Bay-Arena sitzt man eh gemütlicher …“

Vielleicht! Die 1 gegen 1 - Künste Horns werden wir sehr bald aber wieder zu sehen bekommen. Nur halt heute leider nicht. Sei´s drum, denn wer nicht gefordert wird, kann auch nichts falsch machen ...

Flankenspiel

„Top! Jogi Löw sollte bald zum Hörer greifen …“

Timo Horn bewies, dass auch das Flankenspiel zu seinen großen Stärken zählt. Fünfmal griff er resolut ein und verhinderte Berliner Abschlussmöglichkeiten. Ob in oder außerhalb des Fünfers, der Kölner war immer dann zur Stelle, wenn es tatsächlich gebrannt hatte. Sicher und rigoros per Faust, souverän beim Abfangen. Diverse Wackler waren nicht zu sehen. Über die 48. Spielminute darf sicherlich diskutiert werden. Was war geschehen? Ein frontal vor das Tor geschlagener Freistoß segelte in den Strafraum. Horn machte vom Grundsatz her alles richtig. Seine Mannen postierten sich hoch an der 16-Meter Grenze und auch Horn passte sich entsprechend richtig an. Er erwartete die Kugel an der 5-Meter-Linie, um diese in der nicht besetzten Zone zwischen Elfmeterpunkt und Fünf-Meterraum angreifen zu können. Die Kugel kam und das Pulk (Freund und Feind) rückte entsprechend nach. Alle in Richtung Horn. Er ließ sich davon nicht beeindrucken, griff den Flankenball an und versuchte aktiv zu helfen. Seine einhändige Faustabwehr traf jedoch nicht den Ball, sondern den Schädel des Berliners. Der Grund? Der Ball senkte sich früher als erwartet und der Schiri entschied auf Strafstoß. Kein Vorwurf an Horn, denn Aktivität darf auch mal so unglücklich enden. Viel wichtiger hingegen war, dass der 23-Jährige sechs Minuten später wieder auf der Matte stand. Nächster Flankenball (10 Meter vor die Bude geschlagen), nächstes, couragiertes Eingreifen. Und diesmal, wie gewohnt, souverän entschärft! „Mundabputzen und weiter geht’s“, diese Gabe haben nicht allzu viele. Horn schon und bewies erneut, was in ihm steckt.

„Flop! Kein Bedarf! Denn er hat ja drei tolle Keeper …“

Vielleicht demnächst vier?

4) Mitspielverhalten / Strafraumbeherrschung

„Top! Löw muss sich dringend mit Köpke besprechen …“

Timo Horn wurde in dieser Disziplin nicht allzu oft gefordert. Das was zu erledigen war, meisterte er souverän. Seine Mitspielbereitschaft war immer erkennbar und sein Stellungsspiel wurde dem Spielgeschehen angepasst. Tipp Top!

„Flop! Löw schaltet sein Handy lieber mal aus …“

Auch wenn´s echt nervig ist, sein Handy sollte an bleiben…

Spieleröffnung

„Top! Beim nächsten Lehrgang ist Horn mit an Bord …“

Der Kölner gefiel mit einem sehr lang und zugleich präzise geschlagenen Flugballspiel. Technisch top, da seine Flugbälle nicht zu hoch und zudem sehr gut getimt ausfielen. Gleiches galt für den Hüftdrehstoß, den er wie an der Schnur gezogen an die eigenen Mannen brachte. Ein echter Augenschmaus! In brenzligen Situationen bevorzugte Horn die Variante „save“ und schlug die Kugel direkt, aber immer im Spiel bleibend, zurück ins Feld. Sein Rückpassspiel war grundsolide. Horn orientierte sich vorbildlich vor und scannte das Geschehen nicht nur punktuell, sondern immer im Ganzen. Vorbildlich.

„Flop! Zu früh! Aber zu Hause ist es eh am schönsten …“

Eine gepackte Tasche sollte besser parat stehen …

Fazit

Eine Rückkehr nach Maß! Timo Horn knüpft nach langer Abstinenz nahtlos an seine alten Glanztaten an. Weiß Gott keine Selbstverständlichkeit! Bleibt er nun von weiteren Verletzungen verschont, dürfte es im Kampf um die Thronfolge Neuers noch sehr interessant werden. Horn hat dabei einen nicht ganz zu unterschätzenden Vorteil. Denn die Patzer seiner Kontrahenten im Nationaldress hat er ohne Frage registriert und könnte so sehr bald, bei einem eigenen, blitzsauberen DFB-Debüt, seine Mitstreiter diesbezüglich schon toppen! Wenn man ihn denn einlädt … Die Zukunft wird es zeigen. Aber noch spielt Neuer! Völlig klar! Und das wird bestimmt noch eine ganze Zeit lang so bleiben …