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Spieltaganalyse #17

Spieltaganalyse #17: Der 27. Spieltag

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Alles eine Frage der Perspektive! Dieser Satz ist uns allen schon ganz sicherlich zu Ohren gekommen. Die Meinungen der Menschen gehen oftmals auseinander und die Einschätzung einer Aussage, die Meinung über ein Ereignis oder auch die Beurteilung einer Leistung können unterschiedlich ausfallen. Das Recht auf Meinungsfreiheit kann und darf uns niemand nehmen und ist unser demokratisches Recht. Problematisch wird es meistens dann, wenn sich Menschen zu leicht beeinflussenden lassen und ihre eigene Meinung verlieren. Und das nur, weil es halt bequemer ist! Die Unwissenden heulen zu oft mit den Wölfen und die Fairness wird mit Füßen getreten. Die Abläufe dieser Szenarien haben sich besonders im Sport eingenistet und wüten dort ganz besonders. Das Fußballtorwartspiel bietet dazu die mit größte Angriffsfläche.

Die heutige Spieltagsanalyse nimmt die Spielszenen unter die Lupe, die sich zum inkompetenten „Klugscheißern“ anbieten. Alles eine Frage der Perspektive? Natürlich nicht, denn fachlich begründete Tatsachen sollten eigentlich respektiert werden! Leider gibt es zu viele Menschen, die diesen Wert übergehen. Die sich anmaßen, andere zu beurteilen, ohne die von ihnen kritisierten Momente selbst erlebt zu haben. Geschweige denn, nachvollziehen können! Eine bedenkliche Entwicklung, die immer weiter voran schreitet und zumeist vom Neid und der eigenen Unzufriedenheit getragen wird. „Das ist halt meine Meinung!“ schallt es dann trotzig heraus und hat mit dem eigentlichen Recht auf Meinungsfreiheit nichts mehr tun. Das permanente „Ich weiß es besser…“ ist und bleibt bei eigener Ahnungslosigkeit kein Kavaliersdelikt! Warum? Weil derjenige, der es tatsächlich drauf hat und mit Herzblut bei der Sache, SEINER Sache ist, zu Unrecht „angezählt“ wird! Sogar verletzt wird und sich schützend abwendet. Von da an aber als arrogant gilt! Verkehrte Welt! So oder so. Der auffordernde Rat eines Zahnarztes wird im Normalfall ja auch nicht angezweifelt. Vor allem nicht besserwissend ignoriert! Die Plombe muss raus? Ja, kein Veto, die Plombe muss natürlich raus. Hier verhalten sich alle brav und bieder und nehmen den Ratschlag schweigend hin. Und das hat nichts mit den ekligen „Dingern“ im Mundbereich zu tun …

Wunschdenken im Fußball? Ja, leider Gottes, denn im Fußballsport ist nahezu jeder ein „Bundes-Berti“ und „Mann“ hat halt Recht. „Den hätte ich mit verbundenen Augen gehalten!“, hallt es grölend von der Tribüne und es wird auf ein weiteres Bier angestoßen. Sky & Co geben uns dann, nicht selten den Rest. Der Slapstick siegt und der „angezählte Könner“ wird zum verbalen, polemischen Abschuss frei gegeben!

Die heutigen beiden Torwartszenen sind demnach aus zweierlei Blickwinkeln beschrieben. Einerseits als inkompetenter Meinungsverdreher, andererseits als kompetenter Konter! Heute müssen wir uns zähneknirschend mit beiden Seiten auseinandersetzen. Der Wahrheit halber…Lasst uns mit dem verbalen Schlagabtausch (umgangssprachlich) beginnen!

Diskussionsbedarf – „Die Erste“

  • Spiel: TSG Hoffenheim vs. FC Bayern München
  • Torhüter: Sven Ulreich
  • Spielszene: 1:0 TSG Hoffenheim: Ein 20 Meter Hammer schlägt seitlich platziert unterhalb der Torlatte ein.

Unwissend daher gesagt … : „Mensch, hast du den Ulreich heute gesehen? Lässt sich aus fast 20 Metern diesen Ball reinnageln. Den hätte der Neuer hundertprozentig gehalten. Ach was, den hätte sogar ich locker mit der Mütze herausgeholt. Der Kommentator der ARD hat das im Übrigen genauso empfunden. Und der muss es ja schließlich wissen, denn der ist ja vom Fach! Was hat er noch gesagt? Ach ja, da hätte der Ulrich besser nicht übergreifen dürfen. Das sehe ich genauso! Mal unter uns, was bedeutet Übergreifen denn überhaupt? Ach egal, den Ball hätte er auf jeden Fall halten müssen. Die Sicht war doch frei! Der spielt doch bei den Bayern!“.

Sven Ulreich im Tor des FC Bayern München

Fachlich gekontert … : „Jetzt mal bitte ganz langsam. Die Marke Traumtor lässt sich nunmal nicht immer verhindern. Und auch Neuer hätte für dieses Geschoss einen absoluten Sahnetag benötigt. Der Hoffenheimer verarbeitete den Ball super und drosch ihn aufspringend, quasi volley getreten, mit Vollspeed in Richtung Tor. Der Überraschungeffekt war ihm auf Grund seiner Handlungsschnelligkeit daher schon einmal gelungen. Allein dieser kostete Ulreich wichtige, entscheidene Zehntelsekunden. Darüber hinaus platzierte er die Kugel auch noch seitlich, knapp unterhalb der Torlatte. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass der ARD-Mann jemals in einem Fußballtor gestanden hat. Denn wenn dem so wäre, hätte er das Übergreifen des Bayern Keepers sicherlich nicht moniert. Das Übergreifen war in dieser Szene aber notwendig, denn die Zeit, den unteren Arm einzusetzen, war defintiv zu knapp. Bei höheren, nicht allzu platzierten Bällen zudem auch fachlich falsch. Wir sprechen bei diesem Torschuss ja nun mal nicht über einen Kullerball, sondern über ein Geschoss von Minimum 100 km/h. Ulreich hier überhaupt irgendeine eine Form von Schuldzuweisung zukommen lassen zu wollen, entbehrt jeglicher Logik. Jeglicher Fairness! Aber was ist heutzutage schon fair! Die Abwehrspieler hätten blocken müssen, dann wäre das Gegentor nicht passiert. So einfach ist das!“

Diskussionsbedarf – „Die Zweite“

  • Spiel: Borussia Dortmund vs. Hamburger SV
  • Torhüter: Rene Adler
  • Spielszene: 1:0 für den BVB: Ein direkt getretener Freistoß rauscht in Adlers Torwartecke.

Unwissend daher gesagt … : „Da sah der Adler aber wie ein gerupftes Huhn aus. Der Freistoß „trudelt“ voll in seine Ecke. Den muss er halten, das ist doch seine Aufgabe! Für mich, ein ganz klarer Torwartfehler. Das hat uns das Fernsehen doch schon seit Kindestagen beigebracht. Bälle, die in der Torwartecke einschlagen, sind Torwartfehler. Die Mauer schützt die lange Seite, der Torhüter ist für die freie Seite verantwortlich. Das sollte der Adler doch eigentlich wissen. Weiß der eigentlich, dass wir uns mitten im Abstiegskampf befinden?“

Rene Adler im Tor des HSV

Fachlich gekontert … : „Ist ja gut und jetzt beruhige dich erstmal. Du kannst doch nichts dafür! Zum Einen gebe ich dir ja Recht, dass der Torhüter für seine Torwartecke gerade stehen muss. Nur vergiss dabei nicht, dass der Großteil aller getretenen Freistöße über die Mauer in Richtung langes Eck landet. Das weiß ein Keeper natürlich auch und versucht deshalb, um überhaupt den Hauch einer Chance zu haben, sich auf diese Aktionen gedanklich einzustellen. Daher neigt er auch manchmal dazu, diesen einen Schritt herüber zu gehen. Ja ich weiß, spekulieren sollte man an der Börse. Dennoch: Bliebe er immer nur konsequent und stoisch in seinem Eck stehen, ohne den Versuch eines aktiven Antizipierens, dann hätte er auf Grund der extrem kurzen Reaktionszeit bei diesen Bällen nicht den Hauch einer Chance! So war das bei Adler heute auch. Er war halt gierig auf den Unhaltbaren und wurde letztendlich böse überrascht. „Shit happens“. Nichsdestotrotz war auch die Position des Balles für ihn alles andere als einfach. Denn der Freistoß wurde nicht aus frontaler Position ausgeführt, sondern - aus Adlers Sicht gesehen - leicht versetzt. Der Winkel des Schützens, Adlers Seite zu treffen, wurde dadurch vergrößert. Im Übrigen war der Freistoß auch überragend getreten, per Seitspannstoß voll getroffen. Mit einem seitlichem Effet versehen, durch den sich die Kugel von außen wieder hereindrehen konnte. Des Weiteren setzte der Ball auch noch tückisch auf. Ich vermute: Auch ohne den besagten Schritt, verdammt schwierig zu parieren. Vor allem, und da wiederhole ich mich gerne, aus dieser seitlich versetzten Position. Denn die hat den abzuwehrenden Bereich der Torwartecke wesentlich vergrößert. An einem Glanztag zu halten, ohne Frage. Gerade von Adler! Dennoch kein Vorwurf!“

Fazit

Fremdgeleitete Emotionen sollten bei der Bewertung sportlicher Leistungen außen vor bleiben. Der Fußball ist und bleibt ein Fehler-Vermeidungssport, bei dem Fehler auf der Tagesordnung stehen. So mancher „Fauxpas“ ist aber einfach nicht zu verhindern und sollte den Betroffenen deshalb auch nicht angekreidet werden. Vor allem nicht so dick aufgetragen! Wie? Indem der Blick für das Davor und das Danach einer Spielsituation geschult wird. Denn dann, und nur dann ist ein faires Urteil möglich! Wer geht im eigenen Leben so hart mit sich selbst ins Gericht? Den „eigenen Hof“ wollen die wenigsten beschmutzen, den der anderen hingegen schon? Geht’s noch? Liebe Torwartspiel-Kollegen: Zeigt ihnen die kalte Schulter und bleibt euch treu! Bis zum Wochenende!