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Spieltaganalyse #3

Spieltaganalyse #3: 13. Spieltag

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Am heutigen Spieltag möchte ich die Spielleistung eines einzelnen Torhüters aus der Bundesligaszene mal etwas akribischer analysieren. Ich hatte mich im Vorfeld für den Schweizer Nationaltorwart Yann Sommer entschieden, der mit seiner Borussia aus Mönchengladbach zum schweren Auswärtsspiel zum Namensvetter aus Dortmund anreisen musste. Dass es für die Gladbacher schwer werden würde, konnte man erahnen, dass sie hingegen so chancenlos sein sollten, doch wohl eher nicht. Die Fohlenelf erlebte einen bitteren Nachmittag im Signal Iduna Park, von dem auch Yann Sommer nicht verschont blieb. Ein herbe 1:4 Klatsche musste sein Team über sich ergehen lassen. Auch aus reiner Torhütersicht gab es sicherlich schon wesentlich attraktivere Spieltage für den Schweizer Klasse-Keeper. Heute konnte er sich kaum auszeichnen und war bei fast allen Gegentreffern völlig chancenlos. Stellen wir seine prägnantesten Szenen mal heraus und beginnen mit dem grundsätzlich positiv Geleisteten.

Viermal konnte Yann Sommer tiefe Hereingaben oder auch Pässe durch die Nahtstellen seiner heute doch sehr löchrigen Abwehr souverän vereiteln.Sein Mitspielverhalten im eigenen Strafraum war auffällig gut. Viermal konnte Sommer tiefe Hereingaben oder auch Pässe durch die Nahtstellen seiner heute doch sehr löchrigen Abwehr souverän vereiteln. Seine Stärken wurden dabei deutlich: 1.) Ein optimales Stellungsspiel, das ihm immer den kürzesten Laufweg zum Ball ermöglichte. 2.) „Schnelle Füße“. Sommer lebt von seiner Explosivität und seiner Schnelligkeit, die besonders in diesen Szenen sichtbar wurde. 3.) Eine enorme Entschlossenheit, die durch sein optimal angepasstes Stellungsspiel natürlich maßgeblich gefördert wurde. Beim Rückpassspiel und bei der Spieleröffnung war er ebenso stark. Absolut sicher am Fuß und stetig bemüht, den Ball mit einem sicheren Kurzpassspiel gekonnt in den eigenen Reihen zu halten. Dieses Vorhaben setzte er auch beim Bodenabschlag fort, sogar wenn die Dortmunder den vorderen Bereich eigentlich zugestellt hatten. Sehr sicher und meist präzise beim Befreiungsschlag per Vollspann und mit einem technisch perfekten Hüftdrehstoß. Sommer „pflückte“ sich in Halbzeit zwei souverän einen scharf getretenen Eckball von rechts (Damit deutete er sein Können auch bei hohen Bällen an…) und konnte zudem in zwei 1 vs. 1-Situationen glänzen. Gerade in der ersten 1 vs. 1-Szene (56. Spielminute) bewies er, wie wichtig der ruhige Stand und das Großbleiben hierbei sind, und konnte den hart getretenen Torschuss klasse blocken. Szene zwei (88. Minute) war hingegen verpflichtend zu lösen. Bei den Gegentoren zwei bis vier war Sommer definitiv ohne Chance. Das grandios herausgespielte 3:1 aus Dortmunder Sicht darf dabei auch an dieser Stelle erwähnt werden: Unnachahmliches Dribbling von Reus durch den „erstarrten“ Gladbacher 16er, geniale Ablage mit der Hacke, direkte Vollendung aus ca. acht Meter von Dembele. Ein wahrer Fußball-Leckerbissen! Zurück zu Yann Sommer, zurück zu unserem „täglich Brot“!

Alles in allem ein ohne Frage bescheidener Nachmittag für den Schweizer, da er seine große Stärken kaum zeigen konnte.Das Dortmunder 1:1 schien mir, bei aller Schwere, nicht ganz unhaltbar. Sommer hatte in dieser 1 vs.1- Situation mit seinem „unruhigen Stand“ zu kämpfen, denn er kam nach der schnellen, nach außen gespielten Passvorlage aus vollem, seitlichem Lauf heraus und dadurch zu spät in den wichtigen Stand. Eine „Wohlfühlsituation“ war zeitlich kaum noch möglich, wenngleich meine These, besser etwas schlechter stehen als gar nicht oder unruhig stehen, hier vielleicht das Mittel zum Zweck gewesen wäre. Na klar, Theorie und Praxis…Der Aubameyang-Hammer rauschte so unter Sommers Händen hinweg und schlug zum fast zeitnahen Ausgleichtreffer (1 Minute nach der Gladbacher Führung, 6.Min.) in die kurze Ecke ein. Auch beim Flankenspiel wirkte mir Sommer heute ein wenig zu defensiv ausgerichtet. Er stand meistens ziemlich tief und erweckte vielleicht auch dadurch den Eindruck, bei dem ein oder anderen hohen Ball zwischen der 5-Meter-Linie und dem Elfmeterpunkt gar nicht eingreifen zu wollen.

Alles in allem ein ohne Frage bescheidener Nachmittag für den Schweizer, da er seine große Stärken kaum zeigen konnte und die „Dinger“, die auf die Kiste kamen, zumindest die letzten Drei, absolut schuldlos passieren lassen musste. Sommer wird diesen Nachmittag auf Grund seiner Persönlichkeit aber ganz sicher bestens verarbeiten und seiner Borussia beim nächsten Heimspiel wieder den Rücken freihalten. Denn die aktuelle Borussia (Die aus Gladbach…), braucht einen Sommer in Topform, um ihren Abwärtstrend endlich stoppen zu können. Ansonsten könnte es eng werden.

Bis zum nächsten Wochenende!
Euer Thorsten Albustin