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Spieltaganalyse #4

Spieltaganalyse #4: Der 14. Spieltag

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Ein Fußballtorhüter steht immer unter Druck und ist in vielen Spielen das spielentscheidende Zünglein an der Waage. Torhüter, die sich mit ihrer Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt bzw. im Kampf um die Tabellenspitze befinden, müssen sich mit einer zusätzlichen Herausforderung arrangieren. Der Ergebnisdruck in diesen Tabellenregionen erfordert eine besondere Nervenstärke, denn nur eine Unachtsamkeit kann die gesteckten Vereinsziele nachhaltig gefährden. Die heutige Partie des FC Ingolstadt gegen die „Bullen“ aus Leipzig zeigte auf, ob und wie die Keeper beider Mannschaften mit dem Erwartungsdruck der Tabellenkonstellation umgehen konnten. Schauen wir den Aktionen von Martin Hansen, Nr.1 des bisherigen Tabellenletzten FC Ingolstadt, und denen von Peter Gulasci, Nr. 1 des bisherigen Tabellenführers Red Bull Leipzig, mal ganz genau „auf die Finger“. Konnte man den Einfluss des „Abstiegs-Gespenstes“ oder den heißen Atem des „FCB´s und Co.“ in ihren Aktionen erkennen oder erledigten Sie ihren Job wie gewohnt? Business as usual? Mal sehen…

Martin Hansen machte von Beginn an einen sehr abgeklärten und hochkonzentrierten Eindruck.Martin Hansen machte von Beginn an einen sehr abgeklärten und hochkonzentrierten Eindruck. Er wurde nicht oft gefordert, war aber dann, wenn es auf ihn ankam, stets zur Stelle. Er gefiel mit lang getretenen, präzisen Flugbällen bis in des Gegners Hälfte und war auch im Strafraum präsent. In der 15. Spielminute fing er unter Bedrängnis einen frontal vor das Tor getretenen Freistoß sechs Meter vor seinem Kasten sicher ab. Er demonstrierte wichtiges Selbstvertrauen, das auch seiner aufopferungsvoll kämpfenden Truppe weitere Sicherheit verlieh. Zweimal glänzte er mit einem sehr offensiven 1 vs.1-Verhalten und konnte seiner Mannschaft die knappe 1:0 Führung retten. Bei seiner zweiten Rettungsaktion (51. Minute) verletzte er sich so schwer, dass er in 57. Spielminute von Örjan Nyland ersetzt werden musste. Sehr schade für Hansen! Nyland konnte die solide Arbeit seines Kollegen aber nahtlos fortsetzen und wehrte fünf Minuten nach seiner Einwechslung einen 17 Meter-Schuss der Leipziger mit einem tollen Reflex zur Seite ab. Damit war er im Spiel! Ein wichtiger Ball für Nyland, denn es ist in der Tat nicht einfach - gerade in solch einer „heißen“ Spielphase bei einer knappen Führung und einer drückenden Leipziger Überlegenheit sofort seinen Mann zu stehen. Nyland zeichnete sich noch mit einem sehr beherzten, mutig agierenden 1 vs.1-Verhalten an der Strafraumgrenze sowie einer sicher festgehaltenen, flachen Hereingabe aus. Kompliment, richtig gut gemacht! Bei einem direkt geklärten Rückpass und einem Bodenabstoß wirkte er etwas zu hektisch, vielleicht auch etwas zu überdreht, und spielte die Bälle unkontrolliert ins Feld. Wahrscheinlich das „liebe“ Adrenalin…Alles in allem. Beide Keeper waren in diesem Druckspiel stets auf der Höhe und verhalfen den Ingolstädtern zu ihrem verdienten, super wichtigen 1:0 Heimsieg.

Peter Gulacsi in Erwartung eines gegenerischen Flachpass.Peter Gulacsi war an diesem Nachmittag weitestgehend beschäftigungslos. Ein undankbarer Torhüter-Nachmittag. Gulacsi spielte mehrfach – auch außerhalb des Strafraumes – gut mit, gefiel mit einem grundsoliden Rückpassspiel und mobilisierte seine Mannen lautstark bei gegnerischen Standards. Beim spielentscheidenden 0:1 aus Leipziger Sicht wurden seine Bemühungen scheinbar überhört und auch er selbst wirkte dabei sehr unglücklich. Der ohne Frage scharf in Richtung Tor getretene Freistoß flog knapp über die Köpfe seiner Mit- und Gegenspieler hinweg und wurde 2 Meter vor dem Tor letztendlich per Kopf vollstreckt. Gulacsi wirkte mir hier ein wenig zu passiv und auch überrascht. Natürlich war es sehr schwer, den in Richtung kurzen Pfosten getretenen Freistoß aktiv entgegenzutreten, da sich ziemlich viel „Verkehr“ vor ihm aufgebaut hatte. Ein heranrauschender Keeper, der den Flankenball ohne Rücksicht auf Verluste angegriffen hätte, wäre meines Erachtens in diesem Moment aber effektiver gewesen. Denn der aktive Versuch eines couragierten Eingreifens sieht in der Regel immer besser aus als das hier gesehene, zu passive „Nichts zu tun“. Auch auf die Gefahr hin, dabei zu spät zu kommen und die nie im Tor Gestandenen lautstark „bellen“: „Wenn ein Keeper raus kommt, muss er den Ball auch haben!“ und die Medien nach diesem Tenor Ihre Notentendenz festlegen.

Symptomatisch und passend dazu der Ingolstädter Erfolg! Denn sie nahmen den Abstiegskampf aktiv an, nahmen ihr Schicksal von Beginn an in die eigene Hand! Über 90 Minuten!! Und hatten den Sieg allein dadurch, mehr als redlich verdient. Doch trotz der kritischen Gegentor-Analyse (ist auch schon im brisanzärmeren „Mittelmaß“ zig-fach passiert…), erweckten nicht nur die beiden Ingolstädter Keeper, sondern auch Gulacsi nie den Eindruck, den tabellarischen Herausforderungen des heutigen Spieltages nicht gewachsen zu sein. Klasse und Hut ab!!