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Spieltaganalyse #8

Spieltaganalyse #8: Der 18. Spieltag

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Die heutige Spieltagsanalyse beschränkt sich auf zwei torwarttypische Spielsituationen. Zwei Situationen, zwei unterschiedliche Welten, die den Spirit, aber auch die Distanz, die diese Spielposition aufbauen kann, auf den Punkt bringen. Auf der Sonnenseite aalt sich der grandios anfühlende Moment des Erfolges, auf der Schattenseite sein hämisch grinsendes Pendant. Ein „Held oder Depp“-Effekt, der das Adrenalin durch die Adern echter Keeper schießen lässt. Dennoch sind es sehr oft Nuancen, die den Erfolg des Keepers ausmachen und den sichtbaren Unterschied zwischen Glanztat und schmerzendem Fauxpas für alle zum Vorschein bringen. Nuancen, die von der nie im Tor gestandenen Journalistenschar kategorisch und zudem viel zu knapp in ein „schwarz oder weiß - Fach“ abgelegt werden, möchte ich folgend- so wie es sich eigentlich gehört – deutlich mehr Aufmerksamkeit entgegenbringen. Denn sie sind der Schlüssel zu einer wirklich fairen Beurteilung.

Tatort 1

Diego Benaglio vom VfL WolfsburgVolkswagen Arena Wolfsburg, es lief die 25., aus Keepersicht aber rabenschwarze Spielminute. Der Wolfsburger Abwehrspieler passte den Ball in den Strafraum seines Schweizer Schlussmannes Diego Benaglio zurück. Zentral in Richtung Tor gespielt, für einen Rückpass mit relativ viel Speed und für den Keeper, weil sehr holprig abspringend, schwer zu verarbeiten. Der Augsburger Angreifer folgte dem Passweg im höchsten Tempo und lief Benaglio aggressiv an. Dieser stand nun alternativlos in der Pflicht, den Ball direkt klären zu müssen. Keine einfachen Voraussetzungen, die in Bruchteilen einer Sekunde zu händeln waren. Als weitere Herausforderung kam hinzu, den Ball unter brutalem Zeitdruck nun ruhig, zu gleich aber auch sauber treffend aus der Gefahrenzone herauszuschlagen. Benaglio stieß bei Letzterem an seine heutigen Grenzen der Machbarkeit. Er traf das Leder zu weit oben und schlug es ungewollt halbhoch auf die Brust des gierig lauernden FCA-Spielers. Der Ball fand auf kuriosen Umwegen seinen Weg ins Tor und die gelackmeierte Wolfsburger Nr.1 schaute verständlicherweise mehr als bedröppelt drein. Es war mal wieder eine Nuance, die den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausgemacht hatte…

Tatort 2

Oliver BaumannRed Bull Arena Leipzig, Spielstand 0:1 für die TSG, Eckball für Leipzig von der linken Seite. Der scharf herein getretene Eckstoß flog zielstrebig in Richtung des heranrauschenden Leipziger Kopfballspielers. Dieser setzte ungestört, weil gut gelöst, zum Kopfball an und platzierte die Kugel wuchtig in die rechte Torecke von Baumanns Kasten. Die Nr. 1 der TSG kratzte den nahezu Unhaltbaren mit einem Riesenreflex von der Torlinie. Es war ein wahrer Genuss, Baumann während der gesamten Zeitspanne dieser Spielszene zu beobachten. Schon vor der Ausführung des Eckballes war ihm seine innere Entschlossenheit deutlich anzusehen. Beim Eintritt der Flanke in den Strafraum wirkte er wie aufgeladen, bereit und hungrig wie eine Raubkatze vor dem Beutefang. Die aufgebaute Energie konnte er dann in seinem ganz persönlichen Finale spektakulär entladen. Die Fakten dieser Erfolgskette sind dann schnell erzählt: Fokussierter Blick, explosiver Abdruck und ein fester, lang gestreckter unterer Arm, der die Kugel mit den Kuppen seiner festgemachten Finger um den Pfosten drehte. Baumann aktivierte alle erfolgsbringenden Nuancen für die „Besteigung“ dieses „Great saves“ und setzte sich hochverdient die Krone auf.

Derjenige, der das Wagnis sucht, ist immer ein Gewinner. Und das taten beide Keeper! Diejenigen, die mit Oberflächlichkeit und medienwirksamen Kalkül zu pauschal urteilen, sind hingegen die eigentlichen, die wahren Verlierer. Denn sie übersehen die Nuancen. Nuancen, die das wahre Leben ausmachen und über die man auch mal stolpern darf!