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Sven Ulreich

Sven Ulreich: Die Bürde des „Superlativ-Virus“

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Ich musste mich heute mal wieder kopfschüttelnd, wenn auch ein wenig schmunzelnd abwenden, als ich die Über- und Unterschriften zum FCB-Aus in Madrid gelesen habe. Denn seit dem Fehler von Sven Ulreich im Champions-League-Semifinale kamen wie erwartet all die fiesen „Superlativ-Macher“ aus ihrem Versteck. So, als hätten sie diesen Fauxpas beinahe sehnsüchtig erwartet, so, als gebe Ihnen dieser eine „Schnitzer“ Ihr eigentliches Lebenselixier zurück. Ein Lebenselixier, das das sportliche Scheitern eines Sportlers in einem winzig kurzen Moment zu einem Superlativ hochstilisiert. Die Fehlerlosen, Namenslosen, Namhaften, Profilneurotiker, Narzissten melden sich punktgenau zu Wort, um einem großartigen Keeper das Gefühl vermitteln zu wollen, dass er diesen Fehler sein Leben lang nicht vergessen wird. Dass er große Schuld daran trägt, dass der FCB die Madrilenen nicht in den imaginären Abgrund (O-Ton K. - H. Rummenigge / poetische, fast schon kriegerische Worte, die im Sport überhaupt nichts zu suchen haben…) stieß. Ironie des Schicksals, dass der FCB-Vorstand selbst für einen irrationalen, letztendlich dummen Superlativ sorgt. Na ja, das war ja eigentlich schon immer so. Der dem FCB hinterherhechelnde BL-Rest steht dem im Übrigen in nichts nach, sind sie doch allesamt infiziert …

Dabei ist es doch eigentlich - Hand aufs Herz - nur Sport, eben keine lebensrettende Herz-OP, kein versöhnliches, lebensrettendes Friedensabkommen, vor allem aber nicht der Nabel der Welt, den sie uns liebend gerne verkaufen wollen. Nein, es war schlicht und ergreifend nur ein Fußballspiel - zwar und gewiss auf höchstem Niveau und für viele Fußballfans von berechtigter Wichtigkeit. Nichtsdestotrotz war es aber auch die Krönung einer nimmersatten kommerziellen Ambition, die das profitorientierte Gedankengut aller Beteiligten fairerweise niemals ankommen lässt, da die Gier nach dem Mehr in diesen Kreisen schier unersättlich zu sein scheint.

Sven Ulreich im Halbfinaleder Champions League gegen Real Madrid

Kommerziell durch und durch infizierte Menschen dürfen sich daher nicht beschweren, dass der „Superlativ-Virus“ jetzt auch einen der Ihren killen will. Und dass ihn halt dieser -wie von dem einen oder anderen Journalisten diabolisch prognostiziert - bis zu seinem Lebensende begleiten wird? Nonsens!

Ich persönlich finde, dass Sven Ulreich extrem stolz auf seine grandiose Saison sein sollte und hoffentlich wirksame Abwehrstoffe für diesen extern injizierten „Superlativ-Virus“ findet. Denn auch der FCB und Real Madrid betreiben „nur“ Sport, in dem ein Sven Ulreich seinen Status schon längst und vor allem exzellent bewiesen hat. Demnach, Sven Ulreich, greif nach dem Double, und vergiss diese dumme Situation schnellstmöglich! Und genieße nach dem Superlativ-Fußball vor allem dein Leben, denn das ist weitaus wichtiger und der wahre Superlativ deines, unseres Daseins! Du hast es dir mehr als redlich verdient …