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Wetterfaktoren

Wetterfaktoren: Ihr Einfluss auf das Spiel

Von Thorsten Albustin in Kolumne von Thorsten Albustin

Der Wettergott kann dem ohnehin schon sehr anspruchsvollen Leistungsfeld des Fußballtorhüters weitere Brisanz verleihen. Die saisonalen Jahreszeiten spielen ihre Trümpfe aus und verlangen dem Keeper-Spiel eine besondere Achtsamkeit ab. Sonne, Regen, Wind, oder auch der ab und an gefallene Schnee lassen Platzbedingungen und Spielgerät ganz nach ihrer Pfeife tanzen. Spielsituationen, die unter normalen Bedingungen leicht zu händeln sind, erhalten dann den unberechenbaren Beigeschmack einer meteorologischen Widrigkeit. Erfahrene Keeper wissen dem selbstbewusst entgegen zu treten, die jüngere Garde noch nicht. Deshalb wird gerade der erfahrungsarme Nachwuchs von diesem Text profitieren.

Einflussfaktor: Sonne

Fußballspiele unter strahlenden Sonnenschein sind für alle Beteiligten etwas wirklich Schönes. Nicht selten und ganz gleich zu welcher Jahreszeit sprechen dann viele von einem idealen Fußballwetter. Es sei denn, das Thermometer klettert zielstrebig über die 30 C°-Marke. Ja, ein blauer Himmel, der saftig grün schimmernde Rasen und Akteure, die sich für ihren Verein mit Lust und Laune zerreißen wollen, sind die besonderen Highlights einer langen Fußballsaison. Und dennoch kann der Einfluss der Sonne dem Keeper in der einen oder anderen Aktion einen Strich durch die Rechnung machen, seine Souveränität empfindlich attackieren und sein aktives Handeln einschränken. Denn gegen die Sonne zu spielen ist wahrhaft kein Vergnügen.

Rasen und Eckfahne im Stadion der SG Dynamo Dresden

Lang und hoch in den Strafraum geschlagene Freistöße gehen im Lichtkegel unter und das notwendige, aktive Herauslaufen wird vehement erschwert. Phasenweise sogar unmöglich gemacht? Denn was nicht zu sehen ist, kann auch nicht vereitelt werden! Gerade in Wintermonaten ist der wärmende Charme der tief stehenden Wintersonne ihr vielleicht einziger Vorzug. Das Aufsetzen eines Caps macht wenig Sinn, denn alle „Ballmomente“, die oberhalb von maximal zwei Metern liegen, können trotz Schutzschirm von den geblendeten Augen nur silhouettenhaft erfasst werden. Kommt dann noch ein vom Regen durchtränkter, insbesondere ein auf Hartplätzen mit Pfützen übersäter Platz hinzu, darf aus Keeper-Sicht der Notstand ausgerufen werden (Das spiegeln der Sonne...). Doch jammern hilft nicht, denn richtige Schnapper müssen da einfach durch! Und auch die schwierigsten Bedingungen sollten nicht als Ausrede für einen vermeidbaren Fauxpas in die Bresche springen.

Tipp: Anstatt zu klagen, besser den Umgang der Augen mit grellem Licht trainieren. Im Alltag (z.B. in die Sonne, in die Lichter der Straßenlaternen schauen…), auf dem Trainingsplatz (z.B. das Neonlicht der Flutlichtmasten zu suchen…). Schaut von Zeit zu Zeit immer mal rein, auch wenn ihr anschließend nur noch Punkte sehen solltet. Vermeidet im Alltag das Tragen einer trendigen Sonnenbrille, auch wenn euch diese noch so sehr stehen mag und cool aussehen lässt. Denn sie macht euch - besonders ungetragen - Licht anfälliger, trainiert die Immunität eurer Augen immer weiter ab. Und vertraut im Spiel der graufarbig zum Vorschein kommenden Kugel im blendenden Glanz des grellen Lichtkegels, denn diese ist der von euch zu holende Ball und weiterhin euer bester Freund, den ihr euch auch in diesen Momenten selbstbewusst packen könnt. Wenn ihr es denn tatsächlich wollt. Freund und Feind - um euch herum – tappen nämlich auch im Dunkeln! Vermeiden bringt nichts! Denn ein passives „Nichts zu tun“ endet im Normalfall auch im worst-case und bringt euch in eurer Entwicklung keinen Zentimeter weiter.

Einflussfaktor: Wind

Auch die durch Schlechtwetterfronten hervorgerufenen Regenfälle und böenartige Winde können im Torwartspiel für böse Überraschungen sorgen. Vor allem dann, wenn man ihnen unvorbereitet entgegentritt. „Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!“ Diesen sprichwörtlichen Volksmund können alle Keeper unterschreiben und das jahrelang mühsam antrainierte Timing und Auge schon mal arg in Bedrängnis bringen. Flankenbälle können zu kurz oder auch zu lang geraten, die Flugbahn des Balles gerät in schwer einzuschätzende Turbulenzen und eigentlich harmlose Distanzschüsse werden durch den Rückenwind zu wahren Geschossen. Die gegnerische, formal eigentlich schwächere Truppe bekommt im wahrsten Sinne des Wortes gefährlichen Auftrieb. und treibt die eigenen Mannen immer weiter in Richtung eigenem Strafraum. Alles schon erlebt und alles schon gesehen! Doch die Dinge sind nun mal so wie sie sind und äußere Umstände lassen sich nicht verändern. Wir müssen bei uns selbst beginnen und lernen, uns mit diesen zu arrangieren. Den Hebel der Kontrolle selbst umlegen! Beispielsweise so…

Auch die durch Schlechtwetterfronten hervorgerufenen Regenfälle und böenartige Winde können im Torwartspiel für böse Überraschungen sorgen.

Tipp: Der Faktor Zeit und der Wille, es immer wieder zu versuchen, werden uns dabei behilflich sein. Den Vorteil des selbst Erlebten mit Gier zu suchen. Dem Wetterfaktor Wind wie ein ausgebuffter Profi-Golfer zu begegnen, ihn lesen zu lernen und als ganz normalen Bestandteil unserer Aktionsbereitschaft anzunehmen. Die Berechnung des Balles als Herausforderung und Reiz anzusehen und unseren aktiven Tatendrang dabei nie zu verlieren. Learning by doing, wie im normalen Leben! Belohnt wird natürlich nur der Tüchtige, denn nur er wird mit wichtigen Erfahrungsbildern belohnt werden.

Einflussfaktor: Regen

Ähnliches gilt für den Einflussfaktor Regen, dessen Tragweite es ebenso in sich haben kann. Bei richtiger Handhabe aber auch verdammt viel Spaß bringen wird. Auf welche Widrigkeiten müssen wir gefasst sein? Da ist zum einen der aufgeweichte, zum Teil sogar sehr matschige Untergrund, der den immens wichtigen Stand für den Torhüter vor Probleme stellt. Der Ball wird schwerer, immer seifiger und ist dadurch deutlich schwieriger zu sichern. Aufsetzende Bälle bekommen gerade auf Rasen viel mehr Speed und springen zudem auch noch flacher ab. Ein Torhüter muss wissen, dass Regenspiele mit denen auf trocknenden Untergrund nicht viel gemeinsam haben. Doch wie ich eingangs schon erwähnt hatte, sind Spiele auf nass-tiefem Untergrund auch etwas Wunderbares!

Empfehlungen

Diese Tipps sollten für das Erlebnis dieses Feelings aber beherzigt werden. Die Arbeitskleidung muss den Gegebenheiten angepasst werden und ist der Grundstein aller darauffolgenden Maßnahmen. Oder fahren wir beispielsweise mit Sommerreifen durch den tiefverschneiten Winter der Alpen? Mit Sicherheit nicht! Ein Winterreifen ist verpflichtend! Der Winterreifen des Keepers ist sein Schuhwerk, das für den notwendigen Halt sorgen muss. Ich empfehle ein Schuhwerk mit möglichst langen Stollen (16 mm – zumindest in der zweiten vorderen und hinteren letzten Reihe). Denn ohne Stand kein Abdruck, und ohne Abdruck keine erfolgsbringende Aktion. So einfach ist das! Auch die Wahl der Handschuhe - des Keepers liebsten Werkzeug - sollte an nassen Tagen auf einem sehr weichen Soft-Gripp Belag fallen, da mit dem die Bälle besser zu kontrollieren sind. Härtere Beläge bleiben in der Schublade, da sie keinen Gripp erzeugen und die Fangkünste des Keepers beeinträchtigen. Ein Handtuch darf während der gesamten 90 Spielminuten + X ebenfalls nicht fehlen und kann aufgehängt im Tornetz für die immens wichtige Handschuhpflege parat stehen. Denn Schlamm und triefende Nässe machen auch das beste Handschuhmaterial zunichte. Die richtige Wahl der Arbeitskleidung ist ein entscheidender Leistungsfaktor und macht den Schnapper ohne weitere, leistungsfördernde Zutaten bei Leibe noch nicht zum Saubermann.

Die durch Talent und Fleiß geschulten Fang- und Abwehrtechniken sind und bleiben die eigentlichen Erfolgsgaranten eines Keepers und sind den Wetterbedingungen variabel anzupassen. Einen nassen Ball gilt es beispielsweise dezenter – wobei dezenter nicht mit unentschlossenen verwechselt werden darf – zu sichern. Der erste Kontakt wird demnach eher geblockt, um dann beim eigentlichen Sichern fester zuzupacken. Die finale Sicherung bei höher platzierten Torschüssen erfolgt körpernah am Boden, bei seitlichen Flachschüssen sollte mit einer festmachenden, den Ball nach unten drückenden, zweiten Hand agiert werden.

Verhalten bei Flankenbällen

Auch Flankenbälle setzen ein angepassteres Ballsicherungsprinzip voraus. Im Zweifelsfall besser fausten? Kein Veto, wobei die gute alte „Umgreif-Technik“ aushelfen wird. Das Prinzip „oben greifen - unten sichern“ wird auch hier zum Erfolg führen. Und zwar so: Der Flankenball nähert sich dem Torbereich und der Torhüter setzt zum Herauslaufen an. Einbeiniger Absprung, Blick zum Ball, gestreckte Arme und der Ball kann am höchsten Punkt abgefangen werden. Der Ballbesitz steht jetzt im Vordergrund und sollte in der Luft dennoch so wenig Zeit wie möglich in Anspruch nehmen. Denn Nässe und der Gegnerdruck der heranrauschenden Angreiferschar sorgen im Handbereich für akute „Rutschgefahr“, die den Verlust der Kugel zur Folge haben könnte. Nein, das wäre strategisch falsch.

Besser wäre diese Vorgehensweise: Den oben abgefangenen Ball zu kontrollieren und ihn schnell aber zugleich ruhig per „Umgreifen“ in Richtung Brust zu führen, um ihn dann dort zu sichern. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, legt sich der Keeper darauffolgend mit seiner Beute am Boden ab. Jetzt kann ihm diesen Ball - trotz „Sauwetter“ - keiner mehr entreißen. Garantiert! Weitere wichtige Erfahrungswerte kann der Keeper im Trainingsalltag sammeln. Denn bei Wind und Wetter sollte jeder ambitionierte Schnapper trainieren wollen und wird die Tücken der aufsetzenden Bälle & Co zur Genüge am eigenen Leib erfahren. Denn auch hier drückt die Vielzahl des Erlebten - die Herrschaften der Weichei- und Drückeberger-Fraktion werden das nie erfahren - den Ausschlag eines Erfolgsbarometers aus.

Schnee und frostiger Boden

Dass Schnee und frostiger Boden auf die Pisten der Alpen und nicht auf ein Fußballfeld gehören, wird sicherlich jeder logisch denkende Mensch bestätigen, und dennoch kommt es immer wieder vor. Die Einschätzung „irreguläre Platzverhältnisse“ darf an diesen Tagen ohne Frage diskutiert werden, ohne die Zielvorgaben im Keeper-Spiel zu verändern. Denn auch dieser Herausforderung gilt es sich zu stellen. Diese XXL-Variante eines verregneten Matches verhindert tatsächlich jeglichen Gripp am Ball, verwandelt den Sechszehner in ein „Minenfeld“ und sollte trotzdem nach den zuvor beschriebenen Hilfestellungen herausfordernd angekommen werden.

Viel Schnee im Auer Stadion des FC Erzgebirge Aue
Extreme Hitze

Extreme Hitze (jenseits der 30 C°) sollte man meiner Meinung nach eher am Badesee genießen. Harte Wettkämpfe sind bei diesen Temperaturen eigentlich ein Tabu und müssen dennoch bestritten werden (die lieben, in ihren klimatisierten Büros sitzenden Funktionäre…). Hitzeschlachten lassen sich aber mit der entsprechenden Vorbereitung gesundheitsschonend über die Bühne bringen. Der Tag vor dem Wettkampf muss dafür aber sportlergerecht verbracht werden. Manche Spiele werden auch durch eine besonders durchdachte, diszipliniert gelebte Vorbereitungsphase entschieden. Gerade hier! Viel trinken (Wasser, Elektrolyte - auch im Match), gesund essen, früh zu Bett gehen und dem Lockreiz der Freibäder und der bräunenden Sonne einfach widerstehen. Ein wichtiger Anfang für die tags darauf folgenden 90 Spielminuten unter tropischen Bedingungen wäre gemacht und der Anpfiff darf heißersehnt erwartet werden! Die Umstände lassen sich nicht verändern. Im Leben, sowie auf dem Fußballfeld! Wir sollten lieber lernen, uns entsprechend zu wappnen. Und das bei jedem Wetter!