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1 vs 1 Situationen

1 vs 1 Situationen: Wie löst man sie richtig?

Von Artur Stopper in Theorie & Taktik

Seit der Einführung der Viererabwehrkette ist der Torhüter sehr häufig 1 gegen 1 - Situationen ausgesetzt, denn die Mittelfeldspieler versuchen immer öfter, ihre Stürmer durch Pässe in die Zwischenräume der Abwehrkette in Position zu bringen. Gelingt dies, laufen die Stürmer meist allein auf den Torhüter zu. Deshalb muss sich jeder Torhüter auf diese zunehmende Spielsituation einstellen und eine für ihn angemessene Verhaltensstrategie finden.

Doch wie soll der Torhüter in dieser Situation richtig agieren?

Zunächst muss der Torhüter versuchen, eine optimale Position zum Schützen zu finden, um eine Chance in diesem Duell zu haben. Diese erreicht er am besten, wenn er dem Schützen schnell entgegenläuft und so möglichst nahe an den Gegner herankommt. Auf diese Weise kann er den Einschusswinkel des Stürmers verkleinern und sein Tor besser abdecken. Außerdem hat er die Chance, einen eventuell vom Stürmer zu weit vorgelegten Ball abzulaufen und dadurch einen Schuss zu verhindern.

Bernd Leno und Lionel Messi im 1 gegen 1.

Hat er die nach seiner Meinung optimale Abwehrposition erreicht, ist es wichtig, dass der Torhüter ruhig im Gleichgewicht steht, also beide Füße gleichmäßig belastet, und das Verhalten des Stürmers beobachtet, um angemessen reagieren zu können. Auch im Spitzenfußball gibt es noch Torhüter, die sich zu schnell auf den Boden fallen lassen und so den Stürmer agieren lassen, sie selbst aber handlungsunfähig geworden sind. Der Stürmer kann dann in aller Ruhe den Torhüter umspielen oder den Ball auf der offenen Torhälfte ins Tor schieben. Deshalb sollte sich der Torhüter nur auf den Boden werfen, wenn er ganz sicher ist, dass er den Ball auch erreicht. Aus einem zweiten Grund ist es wichtig, dass der Torhüter nicht zu schnell auf den Boden liegt. Erkennt der Stürmer, dass er durch das gute Stellungsspiel des Torhüters nur schwer den Ball im Tor unterbringen kann, wird er versuchen, den Torhüter zu umspielen. Bleibt der Torhüter auf den Beinen, kann er durch Sidesteps den Laufweg des Gegners mitmachen und auf eine günstige Gelegenheit warten, den Ball zu blockieren oder zu ergattern. Geht ein Torhüter bereits frühzeitig zu Boden, beraubt er sich dieser Handlungsmöglichkeit. Um das Tor bei einer 1gegen1-Situation möglichst gut abdecken zu können, wählt der Torhüter eine tief gebeugte Position. Die Handflächen werden ebenfalls tief gehalten, sind offen und zeigen zum Ball, damit er dem Angreifer eine möglichst breite Körperfläche bietet.

Worauf muss sich der Torhüter einstellen, wenn der Stürmer zum Schuss kommt?

Goalguard hat für Euch über Jahre hinweg das Abschlusserhalten vieler Stürmer beobachtet und dieses in der folgenden Grafik dargestellt. Insgesamt wurden 446 1 gegen 1 - Situationen untersucht. Die Grafik zeigt, in welcher Höhe und in welchem prozentualen Verhältnis die Schüsse des Stürmers beim Torhüter ankommen, das heißt ob ein Stürmer den Ball eher bis Knie-, Hüft- oder Brusthöhe aufs Tor schießt oder sogar den Ball über den Torhüter hinweg spielt. Das Untersuchungsergebnis zeigt deutlich, dass die meisten Bälle in 1 gegen 1 - Situationen den Torhüter bis zur Kniehöhe erreichen (72,6 %). Nur ungefähr 10 % aller Bälle werden in Kopfhöhe bzw. Überkopf auf dem Torwart gespielt, so dass der Torwart in seiner Abwehrhaltung den oberen Bereich eher vernachlässigen kann und sich vor allem auf flache Bälle einstellen sollte. Allerdings muss er auch damit rechnen, dass ihn der gegnerische Spieler umspielen möchte, was in 17 % aller von mir untersuchten 1:1-Situationen der Fall war.

Welche Folgerungen ergeben sich aus diesen Untersuchungsergebnissen?

Legt man dieses Ergebnis zu Grunde, ergibt sich die Vermutung, dass es in 1gegen1-Situationen wohl besser ist, wenn der Torwart aus einer tiefen Grundposition heraus sich darauf konzentriert, den Ball eventuell mit dem Fuß abwehren zu können. Er muss also eine Grundstellung einnehmen, die ihm erlaubt, auf den Beinen beweglich zu bleiben. Beobachtet man das Torhüterverhalten im Spitzenfußball, so kann man feststellen, dass immer mehr Torhüter in dieser Situation zur Fußabwehr übergehen. Der Grund dafür ist sicherlich, dass der Torhüter bei einer Fußabwehr schneller reagieren kann, als wenn er bei der Abwehr mit der Hand zuerst seinen Oberkörper seitlich „verdrehen“ müsste. Der Nachteil bei einer Fußabwehr liegt darin, dass der Torhüter im Gegensatz zur Handabwehr keine Chance hat, den Ball festzuhalten, sondern ihn nur zur Seite oder im schlechteren Fall nach vorne abprallen lassen kann. Trotzdem rate ich Torhütern aufgrund meiner Untersuchungsergebnisse eher dazu, auf eine Fußabwehr zu spekulieren, weil der Weg zum Ball und somit auch die Reaktionszeit meist kürzer sind und deshalb die Chance meiner Meinung nach größer ist, den Ball abzuwehren.