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Seit Ende Juli ist es offiziell. Alexander Schwolow wird den SC Freiburg in Richtung Berlin verlassen. Nachdem alles zunächst auf einen Wechsel zu FC Schalke 04 hingedeutet hatte, konnten die Verantwortlichen von Hertha BSC den gebürtigen Wiesbadener - trotz einiger anderen Optionen - doch noch von einer Veränderung in die Bundeshauptstadt überzeugen. Besonders die Gespräche mit Cheftrainer Bruno Labbadia hatten Schwolow überzeugt: „ Nach den Gesprächen mit Bruno Labbadia habe ich nicht mehr lange gezögert. Wir waren direkt auf einer Wellenlänge.“ Die Entwicklungen der vergangenen Wochen und Monaten bei den Berlinern haben den 28-jährigen Schlussmann offensichtlich so sehr beeindruckt, so dass er zukünftig „ein Teil davon sein“ will. Acht Millionen Euro Ablöse war den Berlinern die Verpflichtung des 1,90 m großen Torhüters wert. Zudem wurde der Ex-Freiburger mit einem „langfristigen Vertrag“ ausgestattet. Von einer Laufzeit bis 2024 ist die Rede.

In Freiburg in Ruhe zum Klassetorhüter gereift

Den Weg, den Schwolow aus sportlicher Sicht gewählt hatte, war im Nachhinein optimal für seine sportliche und persönliche Entwicklung. 2008 kam er mit 16 Jahren in das Nachwuchs-Leistungszentrum des SC Freiburg. Abgesehen von einer kurzen Ausleihe in der Saison 2014/15 für ein Jahr in die 3. Liga zum Zweitligaabsteiger Arminia Bielefeld blieb Schwolow 12 Jahre lang Teil dieses Vereins. Nach seiner Rückkehr aus Bielefeld und dem gleichzeitigen Abstieg des SC Freiburg in die 2. Bundesliga wurde Schwolow Stammtorhüter bei den Breisgauern und gab diese Rolle bis heute nicht mehr ab. Mit ihm erreichte der Sportklub den sofortigen Wiederaufstieg in der Saison 2015/16, wo sich das Team aus dem Schwarzwald seither wacker schlägt. In nicht unerheblichem Maße trug Alexander Schwolow zu diesen Erfolgen bei.

In der Unaufgeregtheit des Sportklubs und unter der guten Arbeit von Torwarttrainer Andreas Kronenberg konnte der frühere U-Nationaltorhüter (12 Länderspiele) in Ruhe zu dem heranreifen, was er heute ist: einer der besten Torhüter in Deutschland. Aber auch für seine Persönlichkeitsentwicklung war der SC Freiburg enorm wichtig. „In der Freiburger Fußballschule wird schon sehr viel Wert auf Bodenständigkeit und die Identifikation mit dem Verein gelegt. Auch Respekt im Miteinander spielt eine große Rolle. Das sind die Dinge, die auch Trainer Christian Streich immer wieder vorlebt. Er wird ja gerne auch mal politisch. Seinen Spielern sagt er, dass sie sich vielseitig interessieren sollen, um nicht durch den Fußball abzustumpfen. Da hat er vollkommen recht“, äußerte Schwolow vor kurzem gegenüber dem rbb. Diese Werte, die beim SC Freiburg offensichtlich nicht nur im Leitbild des Vereins stehen, sondern von den Verantwortlichen auch vorgelegt und eingefordert werden, haben den 28-Jährigen zu der Persönlichkeit gemacht, die er heute darstellt: stets freundlich, weltoffen, interessiert, mit absoluter Bodenhaftung und ohne Starallüren.

Warum der Wechsel zu Hertha Sinn macht

Zweifellos gibt es einige einsichtige Gründe, warum Schwolow zum jetzigen Zeitpunkt vom SC Freiburg zum Ligakontrahent Hertha BSC wechselt.

Ein Aspekt ist sicherlich, dass in Berlin zukünftig etwas Großes entstehen kann. Die 150 Millionen, die Hertha-Investor Lars Windhorst in den kommenden Jahren in den Verein investieren will, lassen die Berliner wieder von besseren sportlichen Zeiten träumen. Der Investor könnte mit seinem Geldregen einen schlafenden Riesen wecken. Die Ansprüche in Berlin sind jedenfalls schon deutlich gestiegen. Vordere Plätze in der Bundesliga sind fest anvisiert. Auch Europa und Champions League sind Worte, die in Berlin bereits in den Mund genommen werden. Diesen höheren Level strebt auch Schwolow an. Mit dem SC Freiburg hingegen hatte er in all den Jahren immer dasselbe Ziel vor Augen, nämlich den Verbleib in der ersten Bundesliga. Bei Hertha BSC kann er voraussichtlich in einem Team spielen, das die Voraussetzungen mitbringt, höhere sportliche Ziele als die Vermeidung des Abstiegs zu erreichen. Das Ziel eines jeden Sportlers sind immer Erfolge. Diese sind für Schwolow in Berlin eher zu erreichen als im beschaulichen Freiburg.

Einen weiteren Grund für seinen Wechsel hat er selbst genannt. "Es war jetzt einfach die Zeit für mich, dass es zum nächsten Schritt kommt, ich aus meiner Komfortzone im beschaulichen Freiburg herauskomme und mich auf einer anderen Ebene beweisen möchte“, äußerte er bei der ersten Pressekonferenz nach seinem ersten Arbeitstag bei Hertha. Mit Gedanken an eine neue Herausforderung spielte Schwolow bereits in der Sommerpause des vergangenen Jahres, als das Interesse mehrerer europäischen Top-Vereine an seiner Person in den Medien kolportiert wurde. „Ob der nächste Schritt irgendwann kommt, wird man sehen …. Fakt ist, dass ich im Moment sehr zufrieden bin und Stand jetzt sich nichts verändern wird. Aber man wird sehen“, sagte er im Interview mit Goalguard im vergangenen Sommer. Nach seinen wiederum großartigen Leistungen in der abgelaufenen Saison und ausreichend Erfahrung im Rücken scheint nun in Schwolow der Gedanke gereift zu sein, eine neue und vermeintlich höhere sportliche Herausforderung zu suchen. Und er will „auch nochmal andere Leute sehen und ein anderes Umfeld kennenlernen und bei einem Verein spielen, bei dem „alles eine Nummer größer“ ist. Seine Überlegungen kann man durchaus nachvollziehen. In Freiburg hat sich Alexander Schwolow als Bundesliga-Stammkeeper etabliert. Bei Hertha will er nun Erfolge feiern.

Ganz sicherlich dürfte auch der finanzielle Aspekt bei seiner Entscheidung keine unwesentliche Rolle gespielt haben. Schwolow ist nun 28 Jahre alt und hat - vielleicht bereits das letzte Mal - die Möglichkeit, noch einen gut dotierten Vertrag abzuschließen. Sportler haben nur eine kurze Zeitspanne, ihr finanzielles Scherflein ins Trockene zu bringen. Deshalb ist es durchaus verständlich, wenn er diese Chance nutzt. Somit dürfte ein Teil des Geldregens von Hertha-Investor Lars Windhorst Alexander Schwolow wohl noch zusätzlich von dem Wechsel an die Spree überzeugt haben.

Mit dem Wechsel in die Bundeshauptstadt gibt Schwolow aber auch Sicherheiten auf. Beim SC Freiburg war er die klare Nummer eins. Selbst die überaus guten Leistungen von Ersatzkeeper Mark Flekken in der Phase, als er den verletzten Schwolow über längere Zeit vertreten hatte, stellten Schwolows Status als Stammtorhüter nie in Frage. Dieses sichere Nest wird er nun verlassen. In Berlin wird er sich mit Rune Jarstein und Nils Körber um diese Position streiten müssen. Da sieht der 28-Jährige auch so. „Ich bin Leistungssportler und will immer mein Bestes geben. Natürlich ist es mein Anspruch zu spielen, ich will den Trainer überzeugen und es ihm so schwer wie möglich machen. Dann liegt die Entscheidung bei ihm." Vielleicht bringt ihn auch die Arbeit mit Hertha-Torwarttrainer Zsolt Petry noch einmal einen Schritt weiter. Jeder Torwarttrainer hat seine eigenen Trainingsformen. Neue Trainingsübungen können neue Impulse geben. Offen dafür ist Schwolow sicherlich. Es war immer sein Anspruch, besser zu werden.

Blickpunkt1. BundesligaAlexander SchwolowHertha BSC

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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