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Schon seit einiger Zeit wurde in den Medien darüber spekuliert. Nun ist es gewiss: Borussia Dortmund hat seine neue Nummer eins gefunden. Sein Name: Gregor Kobel. Der 23-jährige Schweizer wechselt vom VfB Stuttgart ins Ruhrgebiet, er unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2026. Mit 15 Millionen Euro ließen sich die Schwaben den Transfer gut vergüten. Laut der Fachzeitschrift „Kicker“ hat der Tabellenneunte der abgelaufenen Bundesliga-Saison zudem Erfolgsprämien für Einsätze und Titel sowie eine Weiterverkaufsbeteiligung an zukünftigen Transfereinnahmen für Kobel zu erwarten, so dass der Verkaufserlös für die Schwaben im günstigsten Fall noch einiges höher ausfallen könnte.

Bei Borussia Dortmund wird Kobel seinen Landsmann Roman Bürki beerben, der zuletzt nach Patzern und inkonstanten Leistungen von Marwin Hitz ersetzt worden war. BVB-Sportdirektor Michael Zorc ist sich sicher, dass Dortmund mit dem 23-Jährigen einen Coup gelandet hat, denn ohne Zweifel mauserte sich Kobel, der 2019 aus Hoffenheim zu den Schwaben gekommen war, in den vergangenen beiden Jahren zu einem Top-Mann in der Bundesliga.

Kobels Werdegang

Interessant ist ein Blick auf seinen sportlichen Werdegang. In Zürich geboren, wurde in der Jugendabteilung des Schweizer Renommierklubs Grasshopper Zürich ausgebildet. Mit 16 Jahren wechselte er in die Nachwuchs-Akademie der TSG Hoffenheim. Zur Saison 2016/17 erhielt Kobel einen Profivertrag und rückte hinter Oliver Baumann und Alexander Stolz in den Profikader von Julian Nagelsmann auf. Spielpraxis sammelte er in der zweiten Mannschaft der Kraichgauer, die in der Regionalliga Südwest spielt. In den Fokus der Öffentlichkeit rückte der ehemaligen Schweizer U-Nationaltorhüter, als ihn der FC Augsburg Anfang Januar 2019 auf Leihbasis verpflichtete, um ihr Torwartproblem zu lösen. Erstmals konnte er auf großer Bühne auf sein außergewöhnliches Talent aufmerksam machen. Angebote aus der Bundesliga waren die Folge. Hertha BSC wollte ihn mit einem großen Geldkoffer in die Bundeshauptstadt locken. Er widerstand den finanziellen Verlockungen und entschied sich mit dem VfB Stuttgart für den Weg über regelmäßige Einsatzzeiten in der zweiten Bundesliga. So konnte er als Stammtorhüter Spielpraxis gewinnen und Woche für Woche beweisen, wie viel Talent in ihm steckt. Der Umweg über das Bundesliga-Unterhaus erwies sich für ihn als sportlicher Glücksgriff.

VfB verliert großen Rückhalt

Ohne Zweifel war Gregor Kobel ein großer Rückhalt für den Aufsteiger und wird für die Schwaben nicht leicht zu ersetzen sein. Mit einer für sein Alter außergewöhnlichen Präsenz verlieh er der VfB-Abwehr Stabilität und Sicherheit. „Greg strahlt Souveränität aus und hält wichtige Bälle", attestierte ihm VfB-Cheftrainer Matarazzo. Der 23-jährige Schlussmann ist außerdem reaktionsschnell auf der Linie und besitzt mit einer Größe von 1,94 Metern die Lufthoheit in seinem Strafraum. Eine weitere große Stärke ist sein Aufbauspiel nach vorne. Mit schnellen Pässen oder Abschlägen beschleunigte er das auf rasante Offensive ausgelegte Spiel der Stuttgarter.

Die Erwartungshaltung steigt

Nun führt sein Weg in die Beletage des deutschen und internationalen Fußballs. Dass Gregor Kobel das sportliche Leistungsvermögen mitbringt, um eine gute Rolle in Dortmund zu spielen, ist unbestritten. Ob der junge und bisher auf internationalem Parkett – von seinen Auftritten in den Schweizer Nachwuchsteams abgesehen – unerfahrene Keeper dem psychischen Druck, der ihn in Dortmund erwartet, standhalten kann, wird sich zeigen. Diese Bedenken äußert auch der ehemalige VfB-Meister-Schlussmann und Ex-Nationaltorhüter Timo Hildebrand: „Ich bin da zwiegespalten. Einerseits ist es ein toller Schritt für ihn. Aber ich bin gespannt, ob er dem Druck beim BVB schon in diesem Alter standhalten kann, Champions League und Meisterschaftsambitionen sind noch mal was ganz anderes für den Kopf." Während sich Kobel in Stuttgart den ein oder anderen Fehlgriff leisten konnte und ihm Fehler großzügig verziehen wurden, weht in Dortmund ein anderer Wind. Der BVB will aus seinem Selbstverständnis heraus in allen Wettbewerben immer oben mitspielen. Patzer werden schnell zu einem Top-Thema auf den Titelseiten der Boulevardpresse. Roman Bürki hätte ihm dazu einiges zu erzählen.

Die Chancen, diesen mentalen Belastungen standhalten zu können, stehen bei Gregor Kobel gut. Obwohl er gerade einmal 23 Jahre alt ist, wirkt der Schweizer schon enorm reif und abgeklärt. Wer die Stille in den Corona bedingt leeren Stadien dazu nutzte, das Coaching der Spieler untereinander wahrzunehmen, wird vernommen haben, in welch ungewöhnlicher Weise der Schweizer Keeper seine Hintermannschaft sortiert und bereits in jungen Jahren als Führungsspieler agiert hat.

Kobel hat zweifellos das Zeug dazu, die großen Schuhe, die ihn in Dortmund erwarten, ausfüllen zu können. Durch Leistung und wenig Trara wird der junge Schweizer auch die Dortmunder Fans von sich überzeugen, wie ihm das in Stuttgart gelungen ist. Seine bisherige Entwicklung von einem Zweitliga-Torwart zu einer starken Nummer eins in der Bundesliga ist beeindruckend, und seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Sicher ist: Der BVB bekommt einen außergewöhnlich talentierten Torhüter. Ob er die hohen Erwartungen der Dortmunder Verantwortlichen und Fans schon jetzt erfüllen kann, wird die Zukunft zeigen.

Blickpunkt1. BundesligaGregor KobelBorussia DortmundVfB Stuttgart

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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