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Im Zweitligaspiel am Montagabend zwischen dem VfL Bochum und dem 1. FC Nürnberg stand erstmals der erst 18 Jahre alte Benedikt Willert im Tor der Franken. Eigentlich ist er nur die Nummer fünf in der Torwart-Hierarchie in Nürnberg und spielt normalerweise im Regionalligateam des Klubs, für das er bisher aber auch erst acht Partien absolviert hat. Dass der talentierte, aber bisher logischerweise noch sehr unerfahrene Schlussmann am Montagabend ins Tor der Nürnberger rückte, hatte Gründe. Christian Mathenia, die eigentliche Nummer eins im Verein, ist mit einem Bruch der Kniescheibe bis ins neue Jahr außer Gefecht gesetzt. Die Vertreter Jonas Wendlinger (Schambeinentzündung) und Patric Klandt (Achillessehnenriss) fallen ebenfalls langfristig aus, und weil Andreas Lukse nun auch noch von einem fiebrigen Infekt niedergestreckt wurde, musste der junge Benedikt Willert diesen Part übernehmen.

Eigentlich meisterte er seine Aufgabe sehr ordentlich, wenn da nicht die 40. Minute gewesen wäre. Nach einem Freistoß von Danny Blum ließ der junge Schlussmann den Ball nach vorne abprallen, Simon Lorenz staubte zum 2:0 für Bochum ab. Damit leitete Willert die Niederlage des in tiefen Turbulenzen steckenden FCN ein. Die Bochumer Fans verhöhnten daraufhin den Profi-Debütanten mit Sprechchören wie "Fünfter Torwart, jeder weiß, warum" und anderen weniger harmlosen hämischen Schmähgesängen.

Für einen war die Situation unerträglich, nämlich für VfL-Schlussmann Manuel Riemann. Der 31 Jahre alte und in 186 Zweitligaspielen erfahrene Bochumer Keeper zeigte deshalb eine bemerkenswerte Reaktion. In der Halbzeitpause schritt er vor die Bochumer Fankurve, gestikulierte wild und legte immer wieder den Zeigefinger auf die Lippen als Aufforderung, mit seinem Nürnberger Gegenüber respektvoller umzugehen.

Riemanns beherztes Eingreifen brachte die Anhänger zur Räson. Doch damit nicht genug: Nach dem Abpfiff, als die Mitspieler mit den Fans feierten, lief der Bochumer schnurstracks zu seinen untröstlichen Kollegen, nahm ihn väterlich in den Arm und verteidigte anschließend Benedikt Willert gegenüber der Presse. Riemann fand, dass sein Gegenüber "ein richtig gutes Spiel gemacht“ habe. Die beschriebene Szene bezeichnete er als unglücklich, aber nicht als Fehler. „Es war kein einfacher Ball, der kam mit viel Schnitt zum Tor, ist vorher aufgesprungen, und auch die Mauer ist auseinandergegangen." Deshalb fand er es nicht angebracht, den jungen und unerfahrenen Nürnberger Schlussmann „runterzumachen“ und bat die Bochumer Fans, die Rufe zu unterlassen.

Zurecht gibt es inzwischen vielen Kampagnen für Spieler und Fans, die wieder mehr Respekt gegenüber dem sportlichen Gegner einfordern und zu mehr Fairplay ausrufen. Alle diese Aufforderungen machen nur Sinn, wenn Worten Taten folgen. Manuel Riemann hat dazu einen Beitrag geleistet. Respekt, Herr Riemann!

BlickpunktManuel RiemannVfL Bochum2. Bundesliga

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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