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Eigentlich war die Sachlage klar. Am 1. März verkündete Hertha BSC den Wechsel von Keeper Marcel Lotka zu Borussia Dortmund II offiziell. Der 20-jährige polnische U20-Nationaltorhüter hatte bereits am 1. Januar 2022 bei Borussia Dortmund II einen Vertrag unterschrieben und die Hertha-Verantwortlichen im Vorfeld darüber informiert. Weil er im Torwartteam der Hauptstädter seit seinem Wechsel zur Hertha eine eher unbedeutende Rolle gespielt hatte, erhoffte er sich bei der Borussia mehr Spielpraxis. In der Zwischenzeit hat sich aber einiges verändert. Seit der Bekanntgabe des Transfers am 1. März mauserte sich Lotka zur Berliner Nummer eins und zeigt glänzende Leistungen. Der neue Coach Felix Magath schwärmt in höchsten Tönen vom polnischen U20-Auswahlspieler: „Marcel wurde ins kalte Wasser geworfen und hat bewiesen, dass er richtig gut schwimmen kann. Der Junge ist eine richtig große Nummer. Er ist eine Stütze des Teams." Deshalb hat bei den Berliner Verantwortlichen inzwischen offensichtlich ein Umdenkprozess stattgefunden. Denn nach Informationen der BILD wollen sie den Vertrag rückgängig machen und den talentierten Torhüter weiterhin an die Hertha binden.

Von der Nummer fünf zur Nummer eins

Der Fall Marcel Lotka zeigt wieder einmal, wie manchmal der Faktor Zufall den Karriereweg beeinflusst. In Duisburg geboren, begann seine fußballerische Laufbahn in den Nachwuchsleistungszentren des MSV Duisburg, von Schalke 04, RW Essen und Bayer Leverkusen. Im Sommer 2020 verließ der Deutsch-Pole Nordrhein-Westfalen und schloss sich der zweiten Mannschaft von Hertha BSC an. Die erhofften Spieleinsätze in Berlin blieben aber aus. Selbst in der Regionalliga kam er nur auf wenig Spielzeit. Hinter Alexander Schwolow, Oliver Christensen, Rune Jarstein und Nils Körber musste er sich als Nummer fünf in der Torwart-Hierarchie einordnen. Deshalb liebäugelte er bereits kurz vor Weihnachten mit einem ablösefreien Wechsel. Am 1. Januar 2022 unterschrieb er dann beim BVB II seinen Vertrag. Sein Abschied aus Berlin war beschlossene Sache.

Sicherlich hätte kaum jemand Lotkas Abgang bemerkt, wenn ihm nicht eine glückliche Fügung zu seinem Debüt in der Bundesliga verholfen hätte. Als Mitte Februar alle vier genannten Torhüter verletzungsbedingt ausgefallen waren, schlug seine Stunde. Unter dem damaligen Cheftrainer Tayfun Korkut debütierte er in der höchsten deutschen Spielklasse. Beim 0:3 gegen Freiburg Ende Februar stand er erstmals zwischen den Pfosten des Bundesligisten. Trotz der deutlichen Niederlage überzeugte Torhüter Marcel Lotka bei seinem Profidebüt. An den drei Gegentoren, darunter ein Elfmeter, war Herthas Torhüter schuldlos. Im Gegenteil: Lotka hielt sogar mehr, als er hätte halten müssen. Korkut fand deshalb lobende Worte nach dem Spiel, war jedoch wenig verwundert von dem erwachsenen Auftritt seines Torhüters. „So habe ich ihn kennengelernt“, sagte er, „sehr mutig.“ Lotkas freches und forsches Auftreten, gepaart mit einer für sein junges Alter ungewöhnlichen Ausstrahlung und Ruhe, waren bemerkenswert. In der Folge spielte sich der 20-Jährige in der Startelf der Alten Dame fest und avancierte in Rekordzeit zum Fan-Liebling. Seine Bundesliga-Tauglichkeit hat er inzwischen bereits mehrfach nachgewiesen.

Hat der Senkrechtstarter doch noch eine blau-weiße Hertha-Zukunft?

Weil der polnische U20-Keeper in den letzten Monaten alle im Verein überrascht hat, wollen die Berliner Marcel Lotka nun doch langfristig im Verein halten. Das Problem: Bereits Anfang März hatte Borussia Dortmund die ablösefreie Verpflichtung des Torwarttalents verkündet. Der polnische Juniorennationalspieler sollte zur Saison 2022/2023 beim BVB als designierter dritter Torwart fungieren, mit Einsätzen vor allem im Drittligateam der Borussen.

Zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC könnte es also in den kommenden Wochen krachen, weil die Berliner den bereits bestätigten Transfer torpedieren wollen. Laut BILD sei dies durch eine "spezielle" Klausel im Vertrag des Keepers sogar möglich. Informationen des Portals "Transfermarkt" zufolge handelt es sich bei der Klausel jedoch nur um eine gängige klubseitige Verlängerungsoption um ein Jahr. Da Lotka jedoch bereits ein neues Arbeitspapier in Dortmund unterschrieben hat, wäre diese Klausel hinfällig. Die Rechtsabteilungen der beiden Klubs werden sich wohl in den kommenden Wochen ausführlich mit der aktuell gültigen Vertragssituation beschäftigen müssen. Möglicherweise werden sie zudem klären müssen, mit welcher Summe der BVB dafür entschädigt werden müsste, falls der Vertrag rückgängig gemacht würde.

Auch für Marcel Lotka brächte die Rücknahme des Vertrages mit dem BVB durchaus Vorteile. Ihm winken bei der Hertha dauerhafte Einsätze in der Bundesliga, während er beim BVB für das Drittligateam eingeplant ist.>/p>

Das Beispiel von Marcel Lotka zeigt wieder einmal deutlich, wie schnell sich die sportliche Situation in Profibereich verändern kann. Zudem wird deutlich, wie viel großartiges Potenzial innnerhalb von Profiklubs fernab der öffentlichen Wahrnehmung auf der Ersatzbank verkümmert, wenn sie nicht die Chance bekommen, ihr Können zeigen zu dürfen, weil die Trainer auf einen anderen Torhüter bauen.

BlickpunktMarcel Lotka1. BundesligaHertha BSC

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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