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Beim FC Schalke 04 bleibt es weiter unruhig. Vor dem Zweitligaspiel in Rostock am vergangenen Samstag sorgte Trainer Dimitrios Grammozis für eine Überraschung. Er degradierte den bisherigen Stammtorwart Ralf Fährmann, der erst vor Wochen seinen Vertrag bei S04 bis 2025 verlängert hatte, ins zweite Glied. An dessen Stelle ließ er Neuzugang Martin Fraisl spielen, der vor der Saison vom niederländischen Erstligisten ADO Den Haag zu den Schalkern gewechselt war. Vorerst machte sich der Torwart-Tausch bezahlt. Martin Fraisl war einer der Garanten für Schalkes 2:0-Sieg in Rostock. Doch welche Gründe hatte Cheftrainer Grammozis, ausgerechnet jetzt den mit 218 Bundesligaeinsätzen überaus erfahrenen Stammkeeper Fährmann zu degradieren und dem 28-jährigen Fraisl den Vorzug zu geben?

Grammozis hört auf sein Bauchgefühl

Beständigkeit scheint auf Schalke auch in der neuen Saison ein Fremdwort zu sein. Dass es nun aber mit der Entscheidung von Grammozis gegen Fährmann eine vermeintlich feste Größe auf Schalke erwischt hat, kam ziemlich überraschend. Möglicherweise waren elf Gegentore in sieben Spielen dem Schalke Coach zu viel. Zudem leistete sich der 33-jährige Schlussmann bei den Niederlagen gegen Jahn Regensburg (1:4) und gegen den Karlsruher SC (1:2) folgenschwere Patzer. Dimitrios Grammozis äußerte sich über die Degradierung von Ralf Fährmann so: „Ralle hat es nicht schlecht gemacht, aber wir sind im Leistungsfußball. Ich stelle nicht nach Verträgen oder Vertragsdauer auf. Die Spieler müssen sich anbieten, dass sie spielen wollen.“ Es gebe keinen richtigen Grund, es sei ein Bauchgefühl, begründete er seine Entscheidung weiter. Ob er nur auf sein Bauchgefühl gehört hatte oder weitere Gründe eine Rolle gespielt hatten, die er nicht öffentlich benennen wollte, bleibt sein Geheimnis. Immer wieder werden Fährmann fußballerische Mängel vorgeworfen. Unter Grammozis ist das Team aber angehalten, ruhig und spielerisch von hinten aufzubauen. Möglicherweise hat Fährmann gerade in diesem Bereich den Ansprüchen des Cheftrainers nicht genügt.

Torwart-Wechsel-Wirrwarr hat Tradition auf Schalke

Die Degradierung Fährmanns ist das nächste Kapitel eines gefühlt endlosen Torwart-Wechsel-Wirrwarrs auf Schalke. Während sich in der Saison 2019/2020 Alexander Nübel (24) und Markus Schubert (23) munter abwechselten, folgte in der vergangenen Abstiegssaison ein Zweikampf zwischen Fährmann und Frederik Rönnow (29). Mit jedem Trainer - das waren immerhin fünf in der vergangenen Saison - wurde auch die Stammtorhüterposition neu festgelegt. Zunächst war Frederick Rönnow als feste Größe gesetzt, dann konnte sich Ralf Fährmann festspielen. Zwischenzeitig, als beide verletzt waren, erhielt aber auch Michael Langer einige Einsätze bei den Schalke-Profis. Kontinuität gibt es auf dieser Position jedenfalls seit Jahren nicht mehr.

Ausmaß des Bebens noch unklar

Welche Folge Grammozis Enscheidung für Fährmann selbst, auf die Mannschaft als auch das Schalker Umfeld hat, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. In den letzten Jahren erlebte Fährmann in seiner Fußballkarriere ein ständiges Auf und Ab. Erst wurde er bei Schalke aussortiert, dann wieder zurückgeholt, um dann wieder zwischenzeitlich nach England (Norwich City) und Norwegen (Brann Bergen) verliehen zu werden. Vertrauen der Schalke-Verantwortlichen in die Künste des Keepers sieht anders aus. Wie wichtig gerade dieses Vertrauen für einen Torhüter ist, äußerte der 32-Jährige erst vorletzte Woche in einem Interview mit dem Kicker:

Ich denke, dass Vertrauen ein wichtiger Baustein ist, wenn nicht sogar der wichtigste, vor allem auf der Torhüterposition.

Ralf Fährmann

Speziell in diesem Bereich konnte Fährmann zuletzt wenig auf die Unterstützung der Verantwortlichen auf Schalke bauen Zudem wurde ihm vor der Saison im Zuge der Umbaumaßnahmen mit dem langjährigen Schalke-Torwarttrainer Simon Henzler eine Vertrauensperson entzogen, dessen menschliche und fachliche Qualitäten für Fährmann sehr wichtig waren, wie er im selben Interview mit dem Kicker zum Ausdruck brachte: „Simon ist menschlich eine absolute Eins. Man kann sachlich und ruhig mit ihm reden und man vertraut sich ihm gerne an … Auch sportlich steht für mich außer Frage, dass Simon einer der besten Torwarttrainer Deutschlands ist. Eine solche Hommage an einen Trainer erlebt man nur selten und unterstreicht die enorme Bedeutung, die Simon Henzler für das Selbstvertrauen des Schalker Keepers hatte.

Welche Rolle Fährmann innerhalb der Mannschaft spielt, lässt sich von außen nur schwer beurteilen. An der Bedeutung des 33-Jährigen für die Schalker Fans gibt es hingegen keine Zweifel. Kein anderer Spieler auf Schalke verkörpert die Verbundenheit mit dem Verein so sehr wie Ralf Fährmann. In der Schalker Jugendakademie ausgebildet, war der Schlussmann, von einem zweijährigen Engagement bei Eintracht Frankfurt (2009 – 2011) und den bereits angesprochenen Ausleihen absehen, immer ein Schalker. Das Wort „Herzensangelegenheit“ fand sich deshalb zurecht mehrfach im Sprachgebrauch des Keepers, wenn es um Schalke ging. Mehr Identifikation mit einem Verein geht nicht. Das spüren die Fans sehr wohl.

Mit dem Abstieg des Traditionsklubs kehrte er als Hoffnungsträger zurück, um als die klare Nummer eins in Gelsenkirchen die vermisste Kontinuität auf der Torwartposition zu bringen und als Spieler mit dem Schalke-Gen der neu formierten Truppe wieder die Malocher-Mentalität und Verbundenheit mit dem Verein einzuhauchen. Diese Absicht untermauerten die Verantwortlichen mit der Vertragsverlängerung des Urgesteins bis 2025. Und der zuvor ausgebootete Keeper wollte mit seiner Vertragsunterzeichnung „einen Teil dazu beitragen will, den Verein wieder nach oben zu führen", und das zu angeblich „deutlich günstigeren Konditionen“.

Wie zumeist fallen die Bewertungen des Torwartwechsels in den Medien und Fankreisen unterschiedlich aus. Während die einen diese Entscheidung mit dem Hinweis auf die sportlichen Mängel Fährmanns richtig und wichtig finden, stören sich die anderen vor allem am Zeitpunkt. Sie hätten sich mehr Kontinuität und Ruhe im Verein gewünscht, nachdem genau dieser Aspekt in der Katastrophensaison 2020/21 als eine der Ursachen für den Abstieg ausgemacht worden war. Grammozis wird sich deshalb seine Entscheidung wohl überlegt haben. Schließlich wird er für die möglichen Folgen dieser Entscheidung die Verantwortung übernehmen müssen.

Blickpunkt2. BundesligaRalf FährmannFC Schalke 04

Artur Stopper

Artur Stopper

Über den Autor

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Torwarttrainer weiß Artur, wie Torhüter ticken. Deshalb bevorzugt er Themen, die die Welt der Torhüter ausmachen: Vereinswechsel, Tiefschläge, Pechsträhnen, Höhenflüge, Emotionen, Ersatzbank, Halbgötter, Erfolge.

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